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Ein Sängerleben für Bayreuth – 25 Jahre auf dem Grünen Hügel
43 Mal verkörperte der österreichische Bariton Bernd Weikl Hans Sachs in Die Meistersinger von Nürnberg. Insgesamt 230 Auftritte absolvierte er von 1972 bis 1996 auf dem Grünen Hügel: als Wolfram, Amfortas, Holländer, Heerrufer, Nachtwächter – aber eben vor allem: als Sachs. Anlässlich seines 83. Geburtstages am 29. Juli erinnert sich Musikjournalist Raymond Tholl an ein aufschlussreiches Gespräch mit Wolfgang Wagner, das am 14. August 1999 stattfand – über den Sänger, den Menschen und den Autor Bernd Weikl.
Der Sänger mit Verstand – Bernd Weikl als Künstler und Persönlichkeit
Wolfgang Wagner beschreibt Bernd Weikl in dem Gespräch als einen der vielseitigsten Künstler seiner langen Festspielleiter-Zeit:
„Ein außergewöhnlich guter Sänger, ein hervorragender Darsteller, ein Mensch mit einer hochgradigen Intelligenz.“
Diese seltene Kombination machte Weikl nicht nur zu einem Lieblingssänger des Bayreuther Publikums, sondern auch zu einem geschätzten Kollegen. Sein Charakter, so Wagner, war geprägt von Teamgeist, Kommunikationsfreude und einem tiefen Interesse für gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge.
Kultur ist kein Luxus – Was Bernd Weikl über Subventionen denkt
Weikl war nicht nur Sänger, sondern auch Autor und gesellschaftspolitischer Beobachter. In seinem Buch „Vom Singen und von anderen Dingen“ schreibt er über die oft verkannten wirtschaftlichen Effekte von Kulturförderung:
„Subventionen […] flossen zu etwa 150 Prozent an die staatliche ‘Gönnergemeinschaft’ zurück – ein gutes Geschäft für die Republik.“
Ein Satz, der bei Wolfgang Wagner Zustimmung, aber auch Skepsis in Bezug auf das politische Verständnis von Kultur auslöst.
„Heute (Anm. d. Red.: im Jahr 1999) geht es hauptsächlich um Management und Erfolg und ums Verdienen. Man sieht nicht, dass Kunst nicht ausschließlich zum Verkaufen da ist.“
Wagners klare Worte zeigen: Kunst braucht langen Atem. Wer Kulturpolitik auf Tageserfolge reduziert, übersieht die nachhaltige Wirkung und das Potenzial für regionale Entwicklung – ein Thema, das bis heute hochaktuell ist.
Hans Sachs mit 39 – ein Wagnis? Ein Glücksgriff!
Bernd Weikl war 39 Jahre alt, als er 1981 in Wolfgang Wagners Meistersinger-Inszenierung den Hans Sachs übernahm. Für die Rolle, die oft erst von gereiften Sängern ab Mitte 40 gesungen wird, war das jung. Doch Wagner hält dagegen:
„Bei der Uraufführung war der Sachs 37 Jahre alt. Und Bernd Weikl war vorprogrammiert – durch seine Intelligenz, seine Gesangskunst.“
Die Verbindung mit Hermann Prey als Beckmesser sei eine der eindrücklichsten gewesen, so Tholl:
„Diese beiden Sänger sorgten für Sternstunden auf dem Grünen Hügel.“
Wagner bestätigt: Die Chemie stimmte – schauspielerisch wie musikalisch.
Raymond Tholl – Erinnerer, Interviewer, Chronist der E-Musik
Dass dieses Gespräch erhalten blieb, ist Raymond Tholl zu verdanken. Seit 1984 führte er während der Bayreuther Festspiele jährlich Gespräche mit Wolfgang Wagner. Insgesamt sammelte er in seiner Radio-Karriere über 4000 Interviews mit zahlreichen Größen der internationalen Klassikszene.
Fazit: Ein Gespräch, das mehr als Nostalgie bietet
Dieses Gespräch zwischen Raymond Tholl und Wolfgang Wagner ist weit mehr als ein Rückblick. Es ist ein Plädoyer für Kunst mit Haltung, für Sänger mit Botschaft, für Kulturpolitik mit Weitsicht. Es zeigt, wie ein einzelner Künstler – Bernd Weikl – Generationen prägen kann: als Sänger, Denker, Mensch.
Und es erinnert uns daran, dass große Kunst immer auch ein großes Zusammenspiel ist – von Künstlern, Machern, Denkern und denen, die ihre Geschichten erzählen.












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