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Eisstadion Bayreuth: Statik-Mängel legen Großteil der Stehplätze lahm
Ein statisches Gutachten zwingt die Stadt Bayreuth zur Notbremse: Fünf von sieben Tribünenbereichen im Eisstadion müssen gesperrt bleiben. Was das für den EHC Bayreuth und den Saisonstart bedeutet.
Im Bayreuther Eisstadion muss zur kommenden Saison ein Großteil der Stehplätze gesperrt bleiben. Von den bis u 3000 Stehplätzen bleiben nicht einmal 800 übring. Sie alle liegen in der Kurve. Alle geraden Stufen fallen aus. Grund ist ein aktuelles statisches Gutachten, das gefährliche Durchbiegungen an den langen Stehstufen der Arena zeigt. Oberbürgermeister Andreas Zippel und die Stadtverwaltung mussten deshalb kurzfristig eine Teilsperrung anordnen – mitten in der Vorbereitung auf den Saisonstart am 1. September.
Was ist im Eisstadion konkret kaputt?
Besonders die langen Stehstufen – länger als 2,90 Meter – biegen sich laut Gutachten deutlich durch. Das deutet auf Risse an der Unterseite hin. Stadtbaureferentin Urte Kelm macht klar: die Standsicherheit kann bei voller Belastung nicht mehr garantiert werden. Erschwerend kommt hinzu: Die Unterseite der Stufen liegt in einer Hohlraum-Skelett-Konstruktion und ist von unten nicht zugänglich. Eine schnelle Abstützung fällt damit aus. Langfristig führt vermutlich kein Weg am kompletten Austausch der betroffenen Betonelemente vorbei. Was das genau bedeutet und wie aufwändig das Herausreißen der tonnenschwreen Stufen wird, dazu gibt es bislang noch keine Schätzungen.
Wie stark schrumpft die Zuschauerkapazität?
Betroffen sind laut Jürgen Beck vom Bauordnungsamt eine der beiden Längsseiten und die beiden Stirnseiten des Stadions, wo die besonders langen Stufen verbaut sind. Die kürzeren, stabileren Stehstufen in den Kurvenbereichen bleiben für das Publikum offen. Auf der Längsseite am Eingang gibt es schon bisher keine Stehplätze. Unterm Strich fällt über die Hälfte der bisherigen Stehplätze weg. Das Publikum rückt weiter weg vom Geschehen und insbesondere die eingefleischten Fans in der Mainkurve werden eng zusammenrücken oder auf Sitzplätze ausweichen müssen. Die Fluchtwege bleiben laut Stadt aber weiterhin voll funktionsfähig.
Was bedeutet das für den EHC Bayreuth?
Für den EHC Bayreuth fallen damit die angestammten Plätze der großen Fanclubs weg. Der Verein überarbeitet aktuell das gesamte Ticketing-System und bucht bereits verkaufte Dauerkarten auf andere Plätze um. Als Ausgleich soll die bislang kaum genutzte „rote Tribüne“ künftig zusätzliche Sitzplätze in zwei Kategorien bieten. Gespräche mit den einzelnen Fanclubs zur neuen Platzverteilung sollen in den kommenden Tagen folgen, genaue Infos zu Ticketpreisen werden Anfang kommender Woche erwartet. Nachdem der Bayreuther Eishockey ohnehin mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen hat, ist das Weniger an Stehplätzen aber wohl nicht das entscheidende Problem.
Lesen Sie auch: Bayreuth soll einen Sportausschuss bekommen.
Der Zeitpunkt trifft den Eishockeystandort Bayreuth an einer empfindlichen Stelle: Erst im Juli hat das Amtsgericht das Insolvenzverfahren der onesto Tigers eröffnet, nachdem sich der Profiverein bereits im Februar aus der Oberliga zurückgezogen hatte. Der EHC Bayreuth, ursprünglich der Stammverein der Tigers, ist damit wieder der zentrale Nutzer der Arena – und muss nun ausgerechnet in dieser ohnehin schwierigen Phase mit deutlich weniger Plätzen planen.
Läuft die Eisbereitung trotz der Sperrung normal weiter?
Trotz der baulichen Probleme hält die Stadt am technischen Zeitplan fest, wie Sportamtsleiter Christian Möckel erläutert. Am kommenden Sonntag wird die Kälteanlage hochgefahren: Ammoniak mit minus 36 Grad kühlt dann den rund 25 Zentimeter dicken Betonsockel auf der späteren Eisfläche durch. Erreicht die Oberfläche minus 7 bis minus 10 Grad, wird das Wasser schichtweise aufgetragen.
Erst ab etwa 2,5 Zentimetern Eisdicke kommt die Eismaschine zum Einsatz, die pro Fahrt 750 Liter Wasser verteilt. Am 24. August bemalen Fachfirmen das Eis weiß und tragen Linien sowie Werbelogos von Hand auf. Wenn alles nach Plan läuft, startet der Verein am 1. September wie vorgesehen in den Trainingsbetrieb.
Was bedeutet das für die Zukunft des Eisstadions?
Oberbürgermeister Zippel ordnet die Sperrung in ein größeres Problem ein: Viele Bayreuther Sportstätten sind in die Jahre gekommen, die städtischen Mittel reichen aber nicht, um alle Mängel sofort zu beheben. Erst im Frühjahr hatte der Stadtrat deshalb einen eigenen Sportausschuss eingerichtet. Dessen Ziel: ein strategischer Sportentwicklungsplan, der Investitionen in die Infrastruktur und die Zukunft von Breiten- und Vereinssport regelt – ein Prozess, der enge Abstimmung zwischen Vereinen, Ämtern und Öffentlichkeit braucht. Erste Bausteine dafür liefert bereits die Veranstaltungsreihe „Sportstadt Bayreuth 2030plus“, die im Januar 2026 gezielt das Thema Sportstättenentwicklung aufgegriffen hat.
Dass marode Stehstufen ganze Tribünenbereiche lahmlegen, ist bundesweit kein Einzelfall. Beim Regionalligisten Eintracht Norderstedt musste die Gegengerade im Edmund-Plambeck-Stadion nach ähnlichen Befunden anderthalb Jahre lang komplett gesperrt bleiben, wie Stadionwelt berichtet – erst ein Teilbereich konnte kürzlich wieder freigegeben werden. Auch das Nutzungskonzept für das Bayreuther Eisstadion zeigt, wie sehr die Arena schon länger zwischen begrenztem Budget und den Ansprüchen der Vereine steht. Ob es bei der jetzigen Teilsperrung bleibt oder eine größere Sanierung folgt, dürfte auch die Arbeit des neuen Sportausschusses in den kommenden Monaten mitbestimmen.
Häufige Fragen
Warum ist das Eisstadion Bayreuth teilweise gesperrt?
Ein statisches Gutachten hat erhebliche Durchbiegungen an den langen Stehstufen (über 2,90 Meter) festgestellt. Die Standsicherheit ist bei voller Belastung nicht mehr gewährleistet, weshalb die Stadt Bayreuth die geraden Tribünenseiten sperren musste.
Wie viele Plätze fallen im Eisstadion Bayreuth weg?
Von rund 3.000 Stehplätzen bleiben nur noch knapp 800 übrig. Fünf von sieben Tribünenbereichen – vor allem an den Längs- und Stirnseiten – sind gesperrt. Nur die Kurvenbereiche mit kürzeren, stabileren Stufen bleiben für das Publikum geöffnet.
Was bedeutet die Sperrung für Dauerkarten des EHC Bayreuth?
Der EHC Bayreuth überarbeitet aktuell das komplette Ticketing-System und bucht bereits verkaufte Dauerkarten auf andere Plätze um. Als Ausweichmöglichkeit dient künftig auch die bisher kaum genutzte „rote Tribüne“ mit zwei neuen Sitzplatzkategorien.
Startet die Saison im Eisstadion trotzdem pünktlich?
Ja, die Eisbereitung läuft nach Plan: Ab kommendem Sonntag wird die Kälteanlage hochgefahren, am 24. August wird das Eis bemalt. Der reguläre Trainingsbetrieb soll wie vorgesehen am 1. September beginnen.
Wie geht es langfristig mit dem Eisstadion Bayreuth weiter?
Eine dauerhafte Lösung dürfte den kompletten Austausch der betroffenen Betonelemente erfordern. Die Stadt hat dafür einen eigenen Sportausschuss eingerichtet, der einen strategischen Sportentwicklungsplan für die Bayreuther Sportinfrastruktur erarbeiten soll.











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