Zuletzt aktualisiert am

Scam

Erfolgreicher Schlag gegen Love-Scam-Betrüger: Hohe Haftstrafen nach internationaler Ermittlung

Zwei nigerianische Staatsangehörige wurden vom Landgericht Coburg wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Spur der Betrüger führte dabei bis nach Schweden, wo die Festnahmen erfolgten.

Opfer aus Rödental um 220.000 Euro betrogen

Im Fokus der Ermittlungen stand auch der Fall einer 59-jährigen Frau aus Rödental, die im Jahr 2022 Opfer der perfiden Betrugsmasche wurde. Einer der Täter nahm über eine Online-Dating-Plattform Kontakt zu ihr auf und gab sich als schwedischer Bauingenieur aus. Über Monate hinweg erschlich er sich ihr Vertrauen, bevor er unter verschiedenen Vorwänden – etwa einem angeblichen Großauftrag in Dubai und Schwierigkeiten bei der Kontoeröffnung – immer wieder Geldforderungen stellte. Im Glauben, ihrem vermeintlichen Partner aus der Not zu helfen und eine ernsthafte Beziehung aufzubauen, überwies die Geschädigte innerhalb eines Jahres rund 220.000 Euro auf diverse ausländische Konten und über internationale Zahlungsdienstleister.

Schon gelesen? Betrüger führen immer wieder Menschen mit Schockanrufen hinters Licht

Digitale Spuren und Zahlungsströme führten nach Schweden

Als die Frau im Jahr 2023 den Betrug erkannte, erstattete sie Anzeige bei der Coburger Polizei. Die daraufhin eingeleiteten Ermittlungen der Kriminalpolizei führten die Beamten über digitale Spuren und komplexe Zahlungsströme zu zwei Tatverdächtigen in Malmö, Schweden. Die enge Zusammenarbeit mit den schwedischen Behörden ermöglichte schließlich die nächsten Schritte.

Festnahmen in Malmö und Überstellung nach Deutschland

Im Juni 2024 erfolgte auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls die koordinierte Festnahme der beiden Tatverdächtigen im Alter von 32 und 55 Jahren in Malmö. Nach den erfolgreichen Festnahmen wurden die Männer umgehend nach Deutschland überstellt, um sich hier vor Gericht zu verantworten.

Internationale Tätergruppierung mit Millionenschaden

Die Verurteilten sind nach Erkenntnissen der Ermittler Teil einer weitreichenden, international agierenden Gruppierung, die sich systematisch dem Liebesbetrug widmet. Die Auswertung von Mobiltelefonen und Datenträgern der Festgenommenen lieferte Hinweise auf zahlreiche weitere Geschädigte. Allein die im Verfahren dokumentierten fünf Fälle zeigen einen nachgewiesenen Gesamtschaden von rund 760.000 Euro innerhalb von knapp vier Jahren. Die Ermittler gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Opfer aus Scham oder Unsicherheit keine Anzeige erstatten. Weitere mutmaßliche Täter befinden sich vermutlich im Ausland, unter anderem in Dubai und Nigeria, und konnten bisher nicht gefasst werden.

Was ist Love-Scam (Romance-Scam)?

Love-Scam oder auch Romance-Scam ist eine perfide Betrugsform, bei der Täter über Online-Dating-Plattformen oder soziale Netzwerke unter falscher Identität Kontakt zu ihren Opfern aufnehmen. Häufig werden dabei gestohlene Fotos von vertrauenswürdig erscheinenden Personen (z.B. Soldaten, Ärzte) verwendet. Ziel ist es, durch Vorspiegelung romantischer Gefühle eine emotionale Abhängigkeit zu schaffen. Sobald das Vertrauen aufgebaut ist, werden angebliche finanzielle Notlagen konstruiert, um Geldzahlungen zu erzwingen. Die Täter üben dabei oft massiven psychischen Druck aus. Bleiben die Zahlungen aus, bricht der Kontakt abrupt ab.

Warnung der Kriminalpolizei und wichtige Präventionstipps

Die Kriminalpolizei Oberfranken warnt eindringlich vor dieser Betrugsform und rät zu besonderer Vorsicht bei Online-Bekanntschaften. Im Verdachtsfall sollten Betroffene umgehend Anzeige erstatten.

So schützen Sie sich vor Love-Scam:

  • Misstrauen bei ausschließlicher Textkommunikation: Betrüger meiden oft Anrufe, Videocalls oder Sprachnachrichten, um ihre wahre Identität zu verschleiern.
  • In der Dating-App bleiben: Wechseln Sie nicht leichtfertig zu Kommunikationsdiensten wie WhatsApp. In den Apps gibt es oft bessere Schutzmechanismen und Meldefunktionen.
  • Vorsicht bei schnellen Liebesbekundungen: Übertriebene Zuneigung kurz nach der Kontaktaufnahme kann Teil von „Love Bombing“ sein – einer Manipulationstaktik, um Sie emotional zu vereinnahmen.
  • Keine sensiblen Daten teilen: Geben Sie niemals Ihre Adresse, Bankdaten oder Informationen zu Ihrem Arbeitsplatz preis.
  • Geldforderungen sind ein klares Warnsignal: Jegliche Bitte um Geld, egal unter welchem Vorwand, sollte Sie sofort hellhörig werden lassen.
  • Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl: Wenn Ihnen etwas seltsam vorkommt oder die Geschichte zu gut klingt, um wahr zu sein, beenden Sie das Gespräch.
  • Rückwärts-Bildersuche nutzen: Überprüfen Sie das Profilbild der Person mit einer Rückwärts-Bildersuche (z.B. Google Bilder). Taucht dasselbe Bild an anderen Stellen mit anderen Namen auf, ist dies ein starkes Indiz für ein Fake-Profil.
  • Verdächtige Profile melden: Melden Sie verdächtiges Verhalten und Profile umgehend der Plattform, auf der Sie den Kontakt hatten.
  • Geduld ist ein Zeichen echter Nähe: Eine Person, die es ehrlich mit Ihnen meint, wird Ihr Tempo und Ihre Vorsicht respektieren.

Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht oder den Verdacht, in einen Love-Scam verwickelt zu sein? Zögern Sie nicht und kontaktieren Sie umgehend die Polizei.