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Erst die Struktur, dann das große Ganze: Ein Gespräch mit OB Zippel
Ein Blick auf die bisherige Arbeit des jüngsten demokratisch gewählten Oberbürgermeisters Bayreuths, Andreas Zippel, zeigt eine klare Strategie für das erste Amtsjahr: Im Rathaus läuft neben diversen anderen Aufgaben derzeit eine Umstrukturierung.
Einen großen Unterschied zur vor rund 100 Tagen beendeten Amtszeit von Thomas Ebersberger dürfte man von außen kaum erkennen. Ein strenger Haushalt, kombiniert mit vielen laufenden Projekten wie der großen Baustelle am Friedrichsforum, prägt die Übergangszeit und die bisherigen Schritte des neuen Oberbürgermeisters. Im Gespräch erläutert der 34-Jährige, wo sein Fokus bislang liegt, und beschreibt seinen bisherigen Lernfortschritt.
„Die Lernkurve ist extrem steil“ – Zippel über seinen Amtsstart
„Man braucht unheimlich viel Zeit, um sich in die einzelnen Sachverhalte einzuarbeiten“, erläutert er. Als Jurist sei er es gewohnt, bis ins kleinste Detail zu lesen – „bis auf das letzte Komma“. Bei den vielfältigen Aufgaben eines Oberbürgermeisters sei dafür jedoch schlicht keine Zeit. Das bedeutet: sich schnell in ein Thema einarbeiten und sich vor allem auf das Team im Hintergrund verlassen. „Sonst würde ich nie durch den Stapel an Aufgaben kommen.“
Regelmäßige Arbeitszeiten bleiben da eher Wunschdenken – Akten begleiten Zippel bis in die Nachtstunden nach Hause.
„Ich versuche aber, den Sonntag freizuhalten, wenn es geht – für Familie, Freunde, meinen Hund und für mich selbst.“
Diesen Ruhetag beschreibt er als notwendig, um die nötige Energie – emotional wie rational – für die Woche mit ihren unterschiedlichen Terminen zu sammeln: Vor-Ort-Termine, Anträge von Stadtrat und Bürgerschaft sowie die Führung der Stadtverwaltung.
Effizienz als oberstes Ziel
„Man wird ständig aus den Gedanken gerissen und hat kaum Zeit, auf strategischer Ebene zu denken und echte Führungsaufgaben wahrzunehmen, weil ständig etwas dazwischenkommt“, so Zippel.
Der Umgang mit den unterschiedlichen Aufgaben ist denn auch einer der Hauptschwerpunkte seiner bisherigen Amtszeit: seine Arbeitsumgebung so zu gestalten, dass er möglichst effizient arbeiten kann.
Im Gespräch wird deutlich, wie er seine Hauptaufgabe versteht – eine Führungsposition, die dafür sorgt, dass die Stadt, oder wie er manchmal sagt, „der Laden“, so reibungslos und effizient wie möglich läuft.
Neue Aufgabenverteilung im Rathaus
Was Bürgerinnen und Bürger bislang vielleicht nicht bemerkt haben, ist die Umgestaltung im Rathaus selbst. Ein Beispiel dafür ist die Aufteilung der Arbeit auf die beiden weiteren Bürgermeister: Der 2. Bürgermeister Stefan Schuh und der 3. Bürgermeister Thomas Bauske übernehmen neben den allgemeinen gesetzlichen Vertretungsaufgaben des Oberbürgermeisters verstärkt repräsentative Außentermine, die Betreuung von Ausschüssen sowie die Pflege der Städtepartnerschaften.
Mit delegierten Außenterminen und Vertretungsaufgaben bleiben immer noch rund 1.500 Mitarbeitende in der Stadtverwaltung. „Ich habe aber irgendwann gemerkt, dass ich es im Kern eigentlich mit rund 20 Personen zu tun habe, die für die unterschiedlichen Bereiche zuständig sind.“ Das unterscheide sich kaum von seiner bisherigen Arbeit als Verwaltungsjurist beim Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) in Bayreuth.
Ein Teil dieser Personen sei deshalb im Rathaus auf dasselbe Stockwerk wie der Bürgermeister umgezogen. So verkürzten sich die Wege zwischen den Bereichen, und es entstünden mehr spontane Begegnungen und Gespräche zwischen den verschiedenen Abteilungen, erläutert Zippel.
Zippels Wahlversprechen: „Zippel kann das“
Solche Umstrukturierungen der Stadtverwaltung standen bei Zippel bereits im Wahlkampf weit oben auf der Agenda.
„Seit 2020 bin ich zweiter Bürgermeister und sehe immer wieder, wo gute Ideen an alten Strukturen scheitern. Genau das will ich ändern“, hieß es während des Wahlkampfs unter dem Motto „Zippel kann das“.
Was die Bürgerinnen und Bürger davon haben sollen? Eine effizientere Bürokratie und dadurch schnellere Bearbeitung von Anliegen durch klar strukturierte Zuständigkeitsbereiche – das ist die Hoffnung hinter den derzeitigen Veränderungen.
Klare Zuständigkeiten statt Kommunikationsumwege
Zur Umstrukturierung gehört auch die Überarbeitung der Referate und ihrer Zuständigkeitsbereiche. Für die Leitung eines Referats seien aus seiner Sicht vor allem organisatorisches Geschick und gute Kommunikation entscheidend.
Ämter wie das Sportamt und die ihnen zugeordneten Organisationen und Vereine sollen sich stärker auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können, während Verwaltungsaufgaben zwischen den Ämtern zentral über das jeweilige Referat koordiniert werden.
Braucht beispielsweise eine Schule Unterstützung von einer anderen Abteilung wie der IT, soll künftig klarer sein, an wen sie sich wenden kann. Diese Ansprechperson sollte zudem genügend Kapazitäten haben, um die Verbindung zur IT zeitnah herzustellen. „Bisher ist die Kommunikationslinie nicht direkt genug.“
Der neue Oberbürgermeister will deshalb bald das Gespräch mit den zuständigen Gremien suchen, um eine neue Struktur und klare Aufgabenbereiche zu erarbeiten.
Austausch mit anderen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern
Die ersten 100 Tage waren auch geprägt von zahlreichen neuen Begegnungen und ersten Gesprächen. Zippel habe diese Zeit unter anderem genutzt, um sich mit anderen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern über deren Stadtstrukturen auszutauschen.
„Viele befinden sich in ihrem ersten Amtsjahr genau in einer vergleichbaren Umstrukturierungsphase.“
Die Erkenntnisse aus anderen, vergleichbar großen Stadtverwaltungen dienen als weiteres Recherchefeld für die Umstrukturierung in Bayreuth. Die Optimierung soll seine Amtszeit begleiten: eine Grundstruktur für zukünftige Entscheidungen schaffen und einen entlasteten Oberbürgermeister ermöglichen, der sich stärker auf Führungsaufgaben zwischen Stadtverwaltung, Stadtrat und Bürgerschaft konzentrieren kann.
Ausblick: Kitas, Schulen und der Haushalt 2027
Das ist jedoch nur ein Teil seiner Vorhaben für den Rest des Jahres. Zu den wichtigsten Aufgaben zählt Zippel außerdem, den Unterhalt von Kitas und Schulen besser und digitaler zu gestalten sowie die große Aufgabe, den Haushaltsplan 2027 zu erarbeiten. Das sei eine der größten „Baustellen“, vor denen die Stadt stehe, so Zippel.
„Wir müssen wirklich kritisch schauen, ob wir im laufenden Verwaltungsbetrieb die vielen Mehrausgaben stemmen können und einen Haushalt bekommen, der sich möglichst wenig auf die Leistungen der Stadt Bayreuth auswirkt.“
Ein Fokus auf die sozialen Leistungen der Stadt – von Sport über Schulinfrastruktur bis zur Kultur – soll als SPD-Mitglied durch die bisherige Strategie des jungen Bürgermeisters gestärkt werden. Welche Ergebnisse daraus entstehen, wird sich im weiteren Verlauf der Amtszeit zeigen.












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