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Teichwirtschaft

Existenzangst am Fischteich: Bayerische Berufsfischer schlagen in Aufseß Alarm

Die traditionelle Teichwirtschaft in Bayern steht vor einer Zerreißprobe. Bei einem Informationsbesuch in der Lehranstalt für Fischerei und Teichwirtschaft des Bezirks Oberfranken in Aufseß verdeutlichte Albert Deß, Präsident des Verbands der Bayerischen Berufsfischer (VBB), die prekäre Lage der Branche. Zwischen Klimawandel, steigenden Energiekosten und massiven Verlusten durch Fressfeinde kämpfen viele der rund 4.000 Betriebe im Freistaat ums Überleben.

Prädatoren sorgen für massive Produktionsausfälle

Eines der drängendsten Probleme für die bayerischen Teichwirte ist der Verlust durch sogenannte Prädatoren. Laut Albert Deß machen Fischreiher und Fischotter den Betrieben schwer zu schaffen. In einigen Anlagen führen diese Fressfeinde zu Einbußen von bis zu 30 Prozent der gesamten Jahresproduktion. Für viele Familienbetriebe, die der VBB von Nürnberg aus vertritt, entwickle sich dies zunehmend zu einer existenziellen Bedrohung.

Klimawandel zwingt zu teurer Aufrüstung

Neben den natürlichen Fressfeinden setzt die klimatische Veränderung den Gewässern zu. Thomas Speierl, Sachgebietsleiter der Fachberatung für Fischerei beim Bezirk Oberfranken, und Betriebsleiter Simon Abt erläuterten die konkreten Folgen vor Ort:

  • Sinkende Quellschüttungen: Weniger frisches Wasser für die Teiche.
  • Steigende Wassertemperaturen: Dies führt zu langsamerem Fischwachstum.
  • Erhöhtes Krankheitsrisiko: Stress für die Fische durch Sauerstoffmangel.

Um den Fischbestand zu sichern, müssen Betriebe immer häufiger in technische Belüftungsanlagen investieren. Dies treibt jedoch den Energieverbrauch und damit die Betriebskosten in die Höhe, eine zusätzliche finanzielle Last in wirtschaftlich ohnehin angespannten Zeiten.

Die Lehranstalt Aufseß: Kompetenzzentrum gegen die Krise

Die Lehranstalt in Aufseß, die seit 1980 als fester Pfeiler der oberfränkischen Teichwirtschaft gilt, dient hierbei als wichtiges Vorbild. Als Beispielbetrieb vereint sie Ausbildung, Zuchtarbeit und Beratung unter einem Dach. Bezirkstagspräsident Henry Schramm betonte während des Rundgangs mit der oberpfälzischen Bezirksrätin Heidi Rackl die Bedeutung solcher Einrichtungen:

„Gerade angesichts von Wasserknappheit und steigenden Anforderungen an den Tierschutz kommt Standorten wie Aufseß eine immer größere Bedeutung zu.“

Öffentlichkeitsarbeit für mehr Verständnis

Trotz der harten Fakten setzt der Bezirk Oberfranken auf Dialog. Die Lehranstalt ist nicht nur Fachzentrum, sondern auch ein Ort der Begegnung. Mit Formaten wie Bachsafaris, Kursen und dem traditionellen Fischerfest werden jährlich tausende Menschen erreicht, um das Bewusstsein für die Belange der Fischerei und den Schutz intakter Gewässer zu schärfen.

Hintergrund: Der Verband der Bayerischen Berufsfischer (VBB) vertritt bayernweit die Interessen von etwa 4.000 teichwirtschaftlichen Betrieben und setzt sich für den Erhalt der traditionellen Binnenfischerei ein.