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Falscher Anruf, echter Schaden: Seniorin in Betzenstein verliert Bargeld und Schmuck
Trickbetrüger haben in Betzenstein eine Seniorin um Bargeld und Schmuck im Wert mehrerer tausend Euro gebracht. Die Masche: ein angeblich schwer erkrankter Angehöriger, der dringend teure Medikamente braucht. Die Kriminalpolizei Bayreuth ermittelt und sucht Zeugen aus dem Bereich Wichandstraße.
Am Dienstag klingelte zwischen 12 und 14.30 Uhr das Festnetztelefon einer Seniorin aus Betzenstein im Landkreis Bayreuth. Am anderen Ende meldete sich ein unbekannter Anrufer und behauptete, ein naher Angehöriger der Frau sei schwer erkrankt und benötige dringend teure Medikamente. Aus Sorge um ihren Angehörigen übergab die Seniorin an ihrer Wohnanschrift in der Wichandstraße Bargeld sowie Schmuck im mittleren vierstelligen Wert an einen unbekannten Abholer.
Der Abholer: männlich, etwa 30 Jahre alt, gebrochenes Deutsch
Der Mann, der die Wertsachen entgegennahm, wird von der Kriminalpolizei Bayreuth wie folgt beschrieben: etwa 30 Jahre alt, rund 185 Zentimeter groß, schlanke Statur, kurze Haare. Er trug dunkle Kleidung und eine Kappe und sprach nach Angaben der Geschädigten gebrochen Deutsch.
Die Kriminalpolizei Bayreuth bittet Zeuginnen und Zeugen, die am Dienstag zwischen 12 und 14.30 Uhr im Bereich der Wichandstraße in Betzenstein verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet haben, sich unter der Telefonnummer 0921/506-0 zu melden.
Keine Ausnahme: Diese Masche trifft die Region regelmäßig
Die „kranker Angehöriger“-Variante ist eine Abwandlung des klassischen Schockanrufs und tauchte erst vor wenigen Wochen in ganz ähnlicher Form im Landkreis auf: In Speichersdorf gab sich eine Anruferin als Professorin eines Krankenhauses aus und behauptete, ein Angehöriger der Geschädigten müsse dringend kostspielig behandelt werden – die Seniorin übergab daraufhin Bargeld und Schmuck im mittleren fünfstelligen Wert, wie die Bayerische Polizei mitteilte. Erst wenige Tage zuvor hatte ein falscher Polizeibeamter in Bayreuth Goldschmuck erbeutet, in Creußen erging es einer weiteren Seniorin mit der Masche des „falschen Polizeibeamten“ ähnlich.
Wie groß das Problem inzwischen ist, zeigen die Zahlen der Kriminalpolizei Bayreuth: Allein durch telefonische Betrugsmaschen entstand in Oberfranken 2025 ein Schaden von mehr als zwei Millionen Euro. Dominik Salosnig, Leiter der Kriminalpolizei Bayreuth, ordnet die Folgen für die Betroffenen ein:
„Diese Art von Betrug zerstört oft das Lebenswerk der Betroffenen und hinterlässt einen enormen emotionalen Schaden.“
— Dominik Salosnig, Leiter der Kriminalpolizei Bayreuth
So erkennen Sie echte Anrufe
Egal ob kranker Angehöriger, angeblicher Unfall oder vermeintliche Einbruchsserie in der Nachbarschaft: Das Grundmuster ist bei all diesen Maschen dasselbe. Die Anrufer bauen gezielt emotionalen Druck auf und drängen zur sofortigen Übergabe von Bargeld oder Wertsachen. Christoph Kraus, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, macht klar, worauf es ankommt:
„Die Polizei ruft nicht an und stellt am Telefon Geldforderungen.“
— Christoph Kraus, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, laut Landkreis Coburg
Sein Rat bei einem verdächtigen Anruf: auflegen und selbstständig die Polizei über die 110 kontaktieren – niemals die auf dem Display angezeigte Nummer zurückrufen. Bei einer angeblichen Notlage eines Angehörigen hilft es, diesen direkt unter der bekannten, selbst herausgesuchten Nummer zu erreichen und die Geschichte zu überprüfen.
Häufige Fragen
Was ist die „kranker Angehöriger“-Masche?
Dabei ruft ein unbekannter Täter an und behauptet, ein naher Angehöriger sei schwer erkrankt und benötige dringend teure Medikamente oder eine kostspielige Behandlung. Aus Sorge übergeben die Angerufenen Bargeld oder Schmuck an einen vermeintlichen Boten – tatsächlich handelt es sich um Trickbetrug.
Wie hoch ist der Schaden durch Trickbetrug in Oberfranken?
Allein durch telefonische Betrugsmaschen wie Schockanrufe entstand in Oberfranken im Jahr 2025 nach Angaben der Kriminalpolizei Bayreuth ein Schaden von mehr als zwei Millionen Euro.
Ruft die echte Polizei am Telefon an und fordert Geld?
Nein. Die Polizei fordert am Telefon niemals Bargeld, Schmuck oder andere Wertsachen. Wer einen solchen Anruf erhält, sollte sofort auflegen und die Polizei über die 110 kontaktieren.
Was tun, wenn man Zeuge im Bereich Wichandstraße in Betzenstein war?
Wer am Dienstag zwischen 12 und 14.30 Uhr im Bereich der Wichandstraße in Betzenstein verdächtige Personen oder Fahrzeuge bemerkt hat, wird gebeten, sich bei der Kriminalpolizei Bayreuth unter der Telefonnummer 0921/506-0 zu melden.
Wie kann ich ältere Angehörige vor Trickbetrug schützen?
Es hilft, mit älteren Angehörigen vorab über gängige Betrugsmaschen zu sprechen und ein gemeinsames Codewort für echte Notfälle zu vereinbaren. Wichtig ist außerdem die Regel: Bei einem verdächtigen Anruf niemals spontan Geld oder Wertsachen übergeben, sondern erst Rücksprache mit der Familie oder direkt mit der Polizei halten.












Symbolbild: Pixabay
Aslan Döner ©Katharina Müller-Sanke