Zuletzt aktualisiert am
Festspiele der elektronischen Musik in Bayreuth
NeuBayreuth Reloaded heißt die ersten Festspiele der elektronischen Musik in Bayreuth. Der erste Abend mit DJ Hell im Richard-Wagner-Museum war binnen weniger Tage ausverkauft. Wer noch dabei sein will, bekommt am 16. September eine zweite Chance auf Restkarten.
Am 16. und 17. Oktober 2026 finden erstmals die sogenannten „Festspiele der elektronischen Musik“ in Bayreuth statt. Unter dem Namen NeuBayreuth Reloaded organisieren der Jean Paul Kulturverein Region Bayreuth e. V. und Schoko e. V. das zweitägige Event. Es ist Teil des Jubiläumsprogramms Festival150 und wird von der Oberfrankenstiftung sowie der Stadt Bayreuth unterstützt.
„Wir sehen einerseits eine große Parallele zwischen Opern und Technomusik, weil es im Prinzip auch immer so ganze Abende sind, wo Atmosphären gebaut werden und die Leute in diese Welt eintauchen“, erklärt Mitorganisator Fergus Wünschmann, Vorsitzender des Jean Paul Kulturvereins.
Warum der Name NeuBayreuth Reloaded
Der Begriff Neubayreuth wurde bereits 1951 geprägt. Damals beschrieb er den ästhetischen und geistigen Neuanfang der Bayreuther Festspiele unter Wieland Wagner nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Zusatz Reloaded soll nun eine Brücke zwischen Hoch- und Subkultur schlagen und aus der Zeit gefallene Konventionen hinter sich lassen.
„Neubayreuth bedeutet die alte Praxis über Bord schmeißen und jetzt ganz was Neues probieren“, so Wünschmann.
Wünschmann betont im Gespräch immer wieder, dass die Grenze zwischen Hoch- und Subkultur für ihn längst nicht mehr zeitgemäß ist. NeuBayreuth Reloaded setzt deshalb ein Zeichen für dieses Neudenken und würdigt zugleich die lebendige elektronische Szene, die derzeit in Bayreuth entsteht.
Festspiele der elektronischen Musik: Das Programm
Tag 1 im Richard-Wagner-Museum mit DJ Hell
Der erste Abend findet am Freitag, den 16. Oktober, von 19 bis 2 Uhr im Richard-Wagner-Museum in der Richard-Wagner-Straße 48 statt. Headliner ist DJ Hell, einer der Mitbegründer der Techno-Bewegung und international gefeierter Künstler. Ergänzt wird das Lineup durch die Berliner DJ Sacid, das Bayreuther Kollektiv Elektrovögel sowie das junge DJ-Duo NoMerzy aus Bayreuth.
Für die visuelle Gestaltung im Richard-Wagner-Museum sorgt laut Wünschmann die Nürnberger Künstlerin Alicia Brunner. Sie hatte zuvor bereits im Friedrichsforum gemeinsam mit dem Kollektiv Saalmitte am Projekt „Klangdom“ von „Day N Nights“ gearbeitet und begleitet nun nicht nur den Auftritt von DJ Hell, sondern den gesamten Abend im Museum mit ihren Visuals.
Das Ticketkontingent ist rund 200 Plätze limitiert, entsprechend intim fällt das Erlebnis aus. Die Karten waren bereits binnen weniger Tage ausverkauft. Am 16. September um 19 Uhr, genau einen Monat vor der Veranstaltung, gibt es jedoch noch einmal eine kleine Menge Restkarten über die Plattform concerticket.de sowie über den Instagram-Kanal des Jean Paul Kulturvereins.
Tag 2 in der Schokofabrik feiert Bayreuther Kollektive
Der zweite Tag am Samstag, den 17. Oktober, gehört ganz der heimischen Elektro-Szene. Von 17 bis 7 Uhr öffnet die Schokofabrik in der Gaußstraße 6 in Bayreuth ihre Türen. Bereits ab 17 Uhr läuft die Subkultur-Messe, bei der Vereine, Künstlerinnen, Künstler und Initiativen der Bayreuther Off-Szene ihre Projekte vorstellen.
Um 22 Uhr beginnen dann die eigentlichen Festspiele der elektronischen Musik mit den Kollektiven Tongranulat, Saalmitte, Neobloom und Lachsbecken. Besonders spannend wird laut Wünschmann die Mischung der Sets:
„Es wird Sets geben, wo einer von Lachsbecken zusammen mit einem von Tongranulat auflegt und dann einer von Neoblumen gemeinsam mit Saal Mitte.“
Anders als am Vorabend braucht es für die Schokofabrik keine Onlinetickets, hier gilt ausschließlich Abendkasse.
Das reguläre Ticket kostet dort 8 Euro, wer bereits am Vortag im Richard-Wagner-Museum dabei war, zahlt nach Angaben von Wünschmann ermäßigte 5 Euro.
Warum Wünschmann die Elektro-Szene für so lebendig hält
Für Wünschmann ist elektronische Musik derzeit die einzige wirklich lebendige jüngere Kultur in Bayreuth. Viele Kollektive produzieren eigene Musik und treten regelmäßig auf, was die Szene aus seiner Sicht besonders aktiv macht. Genau diese Vielfalt will NeuBayreuth Reloaded sichtbar machen.
Den niedrigschwelligen Zugang sieht Wünschmann als einen Hauptgrund für diesen Aufschwung. Wer mitmachen will, braucht im Grunde nur einen Laptop und eine passende Software, eine klassische Musikausbildung ist nicht nötig. Hinzu kommt aus seiner Sicht, dass die Clubkultur insgesamt weiter wächst, während klassische Bandmusik seltener wird.
Ausverkaufte Premiere und Aussicht auf eine Wiederholung
Ursprünglich hatten die Organisatoren nur vorsichtig getestet, wie groß das Interesse an den Festspielen der elektronischen Musik überhaupt ist. Ein einzelnes Plakat im Jean Paul Artspace und zwei private Social-Media-Posts reichten aus, um Tag 1 innerhalb weniger Tage ausverkauft zu bekommen. Wünschmann selbst zeigt sich davon überrascht: „Wir hätten das jetzt auch nicht gedacht. Ich sitze hier aktuell auf Flyern und 99 Plakaten.“ Die braucht er wohl nicht mehr.
Ob die Festspiele der elektronischen Musik künftig fest zum Bayreuther Kulturkalender gehören, hängt vom Verlauf der ersten Ausgabe ab. Wünschmann sieht darin auch eine Finanzierungsfrage, da die Location im Museum nur wenig Publikum fasst. Eine Fortsetzung im kommenden Jahr ist aber ausdrücklich nicht ausgeschlossen.
Schon gelesen? Clubkultur in Bayreuth voranbringen: Was die Szene braucht.












Ecstasy Symbolbild © stock.adobe / michiel
Michael Cleff mit zwei seiner Kunstwerke im Postkartenformat. @Katharina Müller-Sanke