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Flamingo-Ausflug durch Bayreuth hat Folgen: PETA zeigt Tierpark an
Ende Juni spazierte ein Flamingo durch die Bayreuther Innenstadt – jetzt zieht der Vorfall juristische Konsequenzen nach sich. PETA sieht im Umgang des Tierparks mit seinen Vögeln einen klaren Gesetzesverstoß.
Dass ein Flamingo vom Röhrensee vor wenigen Wochen ausgebüxt ist, hat ein Nachspiel: Die Tierrechtsorganisation PETA erstattet Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Bayreuther Tierparks. Der Vorwurf: tierschutzwidriges Flügelstutzen. Konkret geht es um das routinemäßige Kürzen der Schwungfedern, mit dem der Tierpark seine Flamingos am Wegfliegen hindert. Nach PETA-Ansicht verstößt diese Praxis gegen das Tierschutzgesetz – unabhängig davon, ob sie schmerzfrei ist oder nicht. Auf Nachfrage der bt-Redaktion stellt die Stadt klar: Bei einigen Flamingos würden zwar die Schwungfedern gestutzt. Aber: „Dies ist ein schmerzfreier Vorgang und vergleichbar mit Haare schneiden oder dem Kürzen von Fingernägeln, da es sich bei den Schwungfedern um kein lebendes Gewebe handelt“. Die Aufgabe werde von den Tierpfegern übernommen, die bei dieser Aufgabe geschult sind.
Wie der Flamingo überhaupt entkommen konnte
Am Sonntagmorgen, den 21. Juni, sahen Passanten und Autofahrer den Flamingo wie er am Wittelsbacher Ring Richtung Kreuzsteinbad unterwegs war. Nach Zeugenangaben soll der Vogel recht entspannt gewesen sein, bevor Polizeibeamte ihn in einem Hinterhof stellen konnten. Ein Tierpfleger holte den Ausreißer schließlich zurück in den Tierpark Röhrensee, der vom Stadtgartenamt Bayreuth betrieben wird.
Das Flamingogehege ist rundum eingezäunt. Durch gestutzte Schwungfedern scheint es den Vögeln nicht möglich zu sein, über den Zaun des Geheges zu gelangen. Federn von in Gefangenschaft gehaltenen Flamingos müssen regelmäßig gestutzt werden, sonst wachsen sie nach und die Tiere können wieder fliegen. Im aktuellen Fall war dieser Eingriff für die folgenden Tage bereits eingeplant gewesen – die nachgewachsenen Federn machten den Flamingo in der Zwischenzeit jedoch wieder flugfähig genug, um den Zaun zu überwinden.
Was PETA dem Tierpark vorwirft
Genau an diesem Flügelstutzen setzt PETA an. Die Organisation erstattet Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bayreuth gegen die Verantwortlichen des Tierparks. Auch andere Flamingos im Röhrensee seien auf diese Weise dauerhaft flugunfähig gemacht worden, so der Vorwurf.
„Zoos können Wildvögel nur deshalb als vermeintliche Attraktion auf Freianlagen zur Schau stellen, weil sie ihre Flügel verstümmeln. Ein Geschäftsmodell, das darauf beruht, Tieren die Möglichkeit zur natürlichen Fortbewegung zu nehmen, ist nicht nur moralisch verwerflich, sondern verstößt klar gegen das Tierschutzgesetz.“
— Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA, laut PETA-Pressemitteilung
PETA fordert nicht nur ein Ende des Flügelstutzens, sondern grundsätzlich das Aus für die Haltung von Vögeln in zoologischen Einrichtungen.
Die Stadt hält dagegen:
Beim Flugunfähigmachen von bestimmten Vögeln bezieht sich die Stadt auf die Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT), Arbeitskreis 7 (Zirkus und Zoo) und auf den Kommentar zur Tiergartenforschung von Lukas Reese. „Da es sich bei Schwungfedern um kein lebendes Gewebe handelt, ist das Stutzen für die Vögel schmerzfrei. In der oben genannten Studie, die mit Flamingos unter anderem auch im Tierpark Röhrensee durchgeführt worden ist, konnte kein Unterschied im Stresslevel der Tiere, gemessen am Stresshormon Corticosteron, bei flugunfähig gemachten Flamingos und flugfähigen Flamingos festgestellt werde“, heißt es von der Stadt weiterhin.
Was das Tierschutzgesetz zum Flügelstutzen sagt
Rechtlich stützt sich PETA auf das Amputationsverbot des Tierschutzgesetzes (§ 6 Abs. 1 S. 1 TierSchG), das das teilweise Amputieren von Körperteilen von Wirbeltieren grundsätzlich untersagt. Auch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz hatte sich in einer Landtagsanfrage bereits eindeutig positioniert: Das Amputationsverbot gelte gleichermaßen für vorübergehende wie dauerhafte Eingriffe, die die Flugfähigkeit von Vögeln einschränken sollen.
Dabei unterscheidet PETA zwischen zwei Methoden: dem wiederholten Stutzen der nachwachsenden Schwungfedern – wie auch im Tierpark Röhrensee praktiziert – und irreversiblen Eingriffen wie dem chirurgischen Entfernen der Federfollikel oder der Teilamputation des Flügelknochens. Beide Varianten fallen laut PETA unter das Amputationsverbot. Trotzdem würden viele Veterinärbehörden das Flügelstutzen weiterhin dulden, kritisiert die Organisation.
Kein Einzelfall: PETA geht bundesweit gegen Zoos vor
Die Anzeige gegen den Tierpark Röhrensee reiht sich in eine langjährige PETA-Kampagne gegen das Flügelstutzen in deutschen Zoos ein. Bereits 2017 hatte die Organisation gleichzeitig gegen 20 Zoos und Tierparks Anzeige erstattet, darunter Nürnberg und Hannover. Nicht jede dieser Anzeigen hatte für die Zoos rechtliche Folgen: Im Fall des Zoos Hannover stellte die zuständige Staatsanwaltschaft die Ermittlungen später ein und bestätigte dem Zoo eine artgerechte Haltung der betroffenen Vogelarten. Der Ausgang des Verfahrens gegen den Tierpark Röhrensee ist derzeit offen.
Häufige Fragen
Warum werden Flamingos im Tierpark Röhrensee die Federn gestutzt?
Nach Angaben der Stadt Bayreuth soll das Kürzen der Schwungfedern verhindern, dass die Flamingos über den Zaun ihres Geheges fliegen. Der Eingriff muss jährlich wiederholt werden, da die Federn nachwachsen.
Was wirft PETA dem Tierpark Röhrensee vor?
PETA sieht im Flügelstutzen einen Verstoß gegen das im Tierschutzgesetz verankerte Amputationsverbot und hat deshalb Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bayreuth erstattet.
Ist Flügelstutzen bei Vögeln in Zoos verboten?
Das Tierschutzgesetz verbietet das teilweise Amputieren von Körperteilen von Wirbeltieren. Ob das auch für das temporäre Kürzen von Schwungfedern gilt, ist rechtlich umstritten und wird von Behörden unterschiedlich gehandhabt – bislang wurde die Praxis in den meisten Fällen geduldet.
Wie ist der Flamingo aus dem Tierpark Röhrensee entkommen?
Die zuvor gestutzten Schwungfedern des Vogels waren so weit nachgewachsen, dass er kurzzeitig wieder flugfähig genug war, um den Zaun seines Geheges zu überwinden. Ein weiteres Stutzen der Federn war laut Stadt bereits für die folgenden Tage geplant gewesen.
Was fordert PETA von Zoos und Tierparks?
PETA fordert ein generelles Verbot des Flugunfähigmachens von Vögeln sowie grundsätzlich ein Ende der Haltung von Vögeln in zoologischen Einrichtungen.












Jean-Paul-Platz Bayreuth, Nordseite ©bt-Redaktion
Große Orchester wie das BBC Symphony Orchestra sind beim Kissinger Sommer zu erleben. ©Julia Milberger