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Riesiger Saurier bei Mistelgau gefunden: Temnodontosaurus war verletzt
Ein Fossilfund aus Mistelgau bei Bayreuth sorgt in der Paläontologie für Aufsehen – ein verletzter Riesenfischsaurier hat offenbar länger überlebt als bisher angenommen, und das Bayreuther Urwelt-Museum hat ihn erforscht.
Ein Fossil schreibt Geschichte neu
Aus einer Tongrube nahe Mistelgau bei Bayreuth ist ein außergewöhnlicher Fossilfund an die Öffentlichkeit gelangt: Ein Riesenfischsaurier der Gattung Temnodontosaurus – rund 180 Millionen Jahre alt und ungewöhnlich gut erhalten – zeigt, dass diese Meeresriesen im südwestdeutschen Jurameer länger existiert haben als bisher bekannt. Die Ergebnisse hat ein Team der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) in der Fachzeitschrift Zitteliana veröffentlicht.
6,6 Meter langes Meeresreptil aus der Nachbarschaft
Die Tongrube Mistelgau gilt seit Jahrzehnten als eine der ergiebigsten Fundstätten für Meeresreptilien in der Region. Das Urwelt-Museum Oberfranken in Bayreuth führt dort seit 1998 regelmäßige Ausgrabungen durch. Der jetzt untersuchte Temnodontosaurus ist einer der spektakulärsten Funde: Erhalten sind Fragmente des Schädels und Unterkiefers, der Schultergürtel, Vorderflossen, die Wirbelsäule sowie über 100 Zähne. Basierend auf einer Schädellänge von 1,5 Metern schätzen die Forschenden die Gesamtlänge des Tiers auf rund 6,6 Meter. Zum Vergleich: Tiere dieser Gattung zählen zu den größten bekannten Fischsauriern überhaupt.
Verletzt – und dennoch ein Überlebenskünstler
Besonders bemerkenswert sind die Spuren, die das Leben im Jurameer an dem Tier hinterlassen hat. Das Skelett zeigt mehrere verletzungsbedingte Veränderungen – unter anderem am Schulter- und Kiefergelenk. „Die Verletzungen dürften das Tier beim Beutefang deutlich eingeschränkt haben“, erklärt Stefan Eggmaier, Präparator am Urwelt-Museum und Mitautor der Studie. Dass der Saurier dennoch überlebt hat, belegen stark abgenutzte Zähne – und ein ungewöhnlicher Befund im Bauchraum: Magensteine. Bei Ichthyosauriern sind sie extrem selten. Möglicherweise stellte das Tier seine Ernährung um, um trotz der Verletzungen zu überleben.
Länger im Jurameer als gedacht
Der Fund hat auch für die Wissenschaft eine überraschende Botschaft. Bisher waren Temnodontosaurus-Fossilien vor allem aus älteren Schichten bekannt – etwa dem berühmten Posidonienschiefer von Holzmaden. Der Mistelgauer Fund stammt aus einer jüngeren Gesteinsschicht und belegt damit, dass diese Gattung im südwestdeutschen Meeresbecken länger überlebt hat als bisher dokumentiert. „Unser Fossil gehört zu den jüngsten Funden dieser Gattung überhaupt“, sagt SNSB-Paläontologin Dr. Ulrike Albert, die die Studie federführend verfasst hat.
Bayreuth als Zentrum der Jura-Forschung
Dr. Albert forscht am Urwelt-Museum Oberfranken in Bayreuth – einem von zehn Museen der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. Die Fossilien aus Mistelgau werden dort präpariert und wissenschaftlich untersucht. Die aktuellen Ergebnisse sind Teil laufender Forschungen zur Ökologie des Jurameeres in Oberfranken. Geplant sind weitere Analysen an Zähnen und Knochenstrukturen, um die Lebensräume dieser urzeitlichen Meeresbewohner besser zu verstehen.
FAQ
Wo wurde der Fischsaurier gefunden?
In der Tongrube Mistelgau nahe Bayreuth – einer seit Jahrzehnten bekannten Fundstätte für Meeresreptilien aus der Jurazeit. Das Urwelt-Museum Oberfranken in Bayreuth gräbt dort seit 1998 regelmäßig aus.
Wie groß war der Fischsaurier?
Basierend auf der Schädellänge von 1,5 Metern schätzen die Forschenden die Gesamtlänge auf rund 6,6 Meter. Tiere dieser Gattung zählen zu den größten bekannten Fischsauriern überhaupt.
Was macht den Fund wissenschaftlich bedeutsam?
Der Fund belegt, dass Temnodontosaurus im südwestdeutschen Jurameer länger überlebt hat als bisher angenommen. Zudem sind die nachgewiesenen Magensteine bei Ichthyosauriern extrem selten – ein weiteres wissenschaftliches Novum.
Was sind Magensteine und warum sind sie besonders?
Magensteine – sogenannte Gastrolithen – sind Steine, die Tiere verschlucken und die bei der Verdauung helfen. Man kennt sie vor allem von Vögeln, Dinosauriern und Krokodilen. Bei Ichthyosauriern wie Temnodontosaurus sind sie extrem selten und deuten möglicherweise auf eine veränderte Ernährungsweise hin.
Wo kann man den Fischsaurier sehen?
Die Fossilien aus Mistelgau werden im Urwelt-Museum Oberfranken in Bayreuth präpariert und ausgestellt. Das Museum ist eines von zehn Häusern der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns.
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Die Verantwortlichen für die Organisation vor Ort und einige der Kooperationspartner stellen das Programm am Lindenhof vor (v.l.n.r.): Felix Meßberger (Gartenbau, Kreisfachberater des Landkreises Bayreuth), (Robert Pfeifer (Stadtgartenamt Stadt Bayreuth), Thomas Kappauf (Leiter UIZ Lindenhof), Eva Rundholz (Regionalmanagerin Region Bayreuth/Stadt Bayreuth), Monika Pellkofer (Regionalmanagerin, Region Bayreuth/Landkreis Bayreuth), Silvia Dischner (Die Summer e. V.), Elisabeth Obermaier (ÖBG, Uni Bayreuth), Dimitri Seidenath (Stadtgartenamt Stadt Bayreuth) | Foto: Landkreis Bayreuth 











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