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Friedrichsforum Bayreuth vor weiteren Problemen: 3 Millionen Defizit und Auflagen bei der Nutzung

Das Friedrichsforum in Bayreuth steht vor weiteren Problemen: Die Nutzung und der Spielplan haben eine Auflage wegen der finanziellen Förderung. Beim Bau wurde ein großes Ziel der Sanierung möglicherweise verfehlt und die Prognosen im Betrieb sehen ein hohes Defizit voraus.

2023 soll das Friedrichsforum in Bayreuth belebt werden. Dann sollen die ersten Veranstaltungen in der ehemaligen Stadthalle beginnen. Die Stadt Bayreuth werde nach eigenen Angaben „dann wieder einen zentralen städtischen Veranstaltungsort für Kulturveranstaltungen und zudem in einem gewissen Maße auch nichtkulturelle Veranstaltungen haben“. Und darin liegt ein großes Problem.

Im Bayreuther Kulturausschuss wurde am Montag (12. Oktober 2020) kaum über die Bauarbeiten am Friedrichsforum gesprochen. Es ging vielmehr um das Konzept und die Betriebsform. Denn wegen der finanziellen Förderung müssen 86,5 Prozent der Veranstaltungen kulturell sein.

Rückzahlung droht bei zu wenig Kultur am Friedrichsforum

Wenn zu wenig Kultur veranstaltet wird, droht die Rückzahlung von Fördergeldern, erklärt Kulturreferent Benedikt Stegmayer. Nicht-Kulturtage werden im Vergleich zu 2011-2015 gesenkt werden müssen. „Diese Tage müssen wir irgendwem wegnehmen müssen“, sagt Stegmayer. Dann müsse folgende Frage politisch entschieden werden: Kommerzielle Nutzung oder ein Ort für alle Bayreuther? Diese Entscheidung habe dann allerdings Folgen für die Einnahmen des Friedrichsforum, erklärt Stegmayer.

Über 3 Millionen Defizit pro Jahr

Minus 3.677.193,64 Euro werden nach ersten Berechnungen als Betriebsergebnis erwartet. Stegmayer erläutert allerdings, dass sich noch Personalkosten und Abschreibungen ändern werden. Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) erklärt dazu: „Das Betriebsergebnis mit 3,6 Millionen Euro minus werden wir nicht stemmen können.“ Laut Stegmayer werde das Friedrichsforum ein jährliches Defizit von etwa drei Millionen Euro im Betrieb erwirtschaften.

Neues Konzept für das Friedrichsforum

Für das neue Konzept stehe die Bindung des Publikums an vorderster Stelle. Das sei auch die größte Schwierigkeit, da acht Jahre – bis zur Eröffnung 2023 – kein Betrieb in dem Gebäude stattfand. „Die Bindung des Publikums ist verloren gegangen“, sagt Stegmayer. 

Mit einem breiten Angebot soll das Friedrichsforum daher punkten: Es solle eine Mischung aus Mainstream, experimentellen und niedrigschwelligen Angeboten für ein neues Publikum geben.

Denn der Erfolg des Friedrichsforums liege am Spielplan. „Es muss ausgewogen und hochwertig sein“, erläutert der Kulturreferent. Bei allen Formen der Kunst müsse auf die Qualität geachtet werden. Dabei sollen viele Genres bedient werden: von Oper bis Punk oder Ballett bis Rave, zählt Stegmayer exemplarisch auf.

Kinder- und Jugendarbeit in Bayreuth

Professionelle Kinder- und Jugendarbeit soll künftig forciert werden, worüber sich Stefan Müller (BG) und Thomas Bauske (SPD) freuen: Wenn Publikum in einer Kinder- und Jugendfreundlichen Stadt gewonnen werden soll, „müssen wir offensiv in die Schulen gehen“, sagt Stegmayer. Dabei soll ein breites Programm aufgebaut werden.

Festivals als Themenschwerpunkte sollen ebenfalls entstehen: ein verlängertes Wochenende oder über zwei Wochenenden hält Stegmayer für möglich. Dabei solle die Aufmerksamkeit über Bayreuth hinaus gesteigert werden, womit Bayreuth als attraktiver Kulturort bekannt werden soll.

Weitere Angebote am Friedrichsforum Bayreuth

„Die Superstars sind bei dieser Größe“ von 800 Sitzen im großen Saal ökonomisch nicht zu holen, erklärt Stegmayer. „Die Rolling Stones werden wir nicht holen.“ Deshalb müsse man in den Nischenbereich der Popkultur gelangen. Das könne beispielsweise mit Festivals erreicht werden.

Niedrigschwellige Angebote für lokale Akteure wie Bands, Comedians oder Theatergruppen aus Stadt und Region stehen ebenfalls im Fokus des Konzepts des Friedrichsforums. Im oberen Foyer mit Cocktailbar könne Live-Musik angeboten werden, wobei auch auf einen Eintritt verzichtet werden könne. Am Geißmarkt könnte andererseits ein Open-Air-Kino entstehen, erklärt der Kulturreferent weiter.

Einbindung der Bayreuther Kulturanbieter und Vereine sollen in den Spielplan eingebunden, mit Kooperationen geschlossen und Vermietungen angeboten werden. Es müsse so viel wie möglich an das Friedrichsforum angebunden werden.

Einige Probleme am Bayreuther Friedrichsforum

Schwierig bleibe der gastronomische Betrieb, der aktuell keine dauerhaften Tische hat. Aktuell werde mit Catering geplant. Das sei allerdings negativ für eine Publikums-Bindung. Weiter gebe es noch Probleme mit der Anzahl des Personals in den verschiedensten Bereichen.

Ein weiteres Problem sei ein großes Ziel der Sanierung: Dort sollte eine Trennung vom großen Haus und dem Balkonsaal erreicht werden. „Das wird nicht vollständig gelingen“, erklärt Stegmayer. Es sei eine gegenseitige Störung möglich. Das müsse aber getestet werden. Eine zeitgleiche Nutzung ist voraussichtlich nur bedingt möglich, sagt Stegmayer.

Darüber waren sowohl Stefan Specht (CSU) als auch Thomas Bauske (SPD) sauer, da diese Trennung der beiden Räume eine hohe Priorität bei der Sanierung hatte. Beide Mitglieder des Kulturausschusses möchten daher klären lassen, wer hier seine Aufgabe nicht ordnungsgemäß erledigt hat.

Bayreuther Tagblatt - Christoph Wiedemann

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Christoph Wiedemann