Zuletzt aktualisiert am
Friedrichsforum im Schwarzbuch vom Bund der Steuerzahler
Die Sanierung und Umgestaltung der ehemaligen Stadthalle Bayreuth zum „Friedrichsforum“ entwickelt sich für die bayerischen Steuerzahler zu einem massiven Kostenfalle. Das ursprünglich mit 56 Millionen Euro budgetierte Kultur- und Veranstaltungszentrum soll nun voraussichtlich 110 Millionen Euro kosten. Diese fast Verdoppelung der Kosten ruft den Bund der Steuerzahler (BdSt) auf den Plan und wirft Fragen nach der anfänglichen Planung und dem Management des Großprojekts auf.
Der Bund der Steuerzahler (BdSt) hat mit der Veröffentlichung seines Schwarzbuchs 2025/2026 erneut für Aufsehen gesorgt. Die 53. Ausgabe des Berichts listet 100 exemplarische Fälle öffentlicher Verschwendung auf, die belegen sollen, wie sorglos und teils skurril mit den Geldern der Bürger umgegangen wird. Die Kritik richtet sich dabei sowohl gegen den Bund als auch gegen Länder und Kommunen. Einer der Fälle: Das Friedrichsforum in Bayreuth.
Die Gründe für die Kostensteigerung: Von globalen Krisen bis zu Planungsfehlern
Die Stadt Bayreuth führt für die drastischen Mehrausgaben eine Kombination aus externen Krisen und internen Herausforderungen ins Feld. Die Gründe sind vielfältig. Das hat auch der Oberbürgermeister schon einmal im Interview mit dem Bayreuther Tagblatt betont.
1. Globale und wirtschaftliche Einflüsse
Ein wesentlicher Teil der Kostensteigerung wird auf globale Einflüsse zurückgeführt, die den Baubetrieb massiv beeinträchtigten:
- Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg: Diese Ereignisse führten zu Liefer- und Personalengpässen.
- Materialpreissteigerungen und Inflation: Die Folge waren erhebliche Materialpreissteigerungen sowie Preis- und Lohnsteigerungen, die die Baukosten generell in die Höhe trieben.
2. Mängel in der Bausubstanz und Planungsdefizite
Die vorhandene Bausubstanz der ehemaligen Stadthalle erwies sich als schlechter als erwartet, was statisch notwendige Ertüchtigungen und aufwendige Sanierungsarbeiten nach sich zog:
- Unerwartete Mängel: Es mussten fehlende Fundamente unterfangen, mangelhafter Rohbau saniert und Risssanierungen am Bühnenturm durchgeführt werden.
- Schadstoffbelastung: Unerwartete Quecksilberbelastungen im Innenputz des Foyers erforderten zusätzliche, teure Sanierungsmaßnahmen.
- Fehlende Abdichtungen: Nachträgliche vertikale Abdichtungen an Teilen der Außenwände wurden notwendig.
Schon gelesen? Wir haben uns erst vor wenigen Wochen am und um das Friedrichsforum umgesehen
3. Planungsänderungen und Bauzeitverlängerung
Auch Änderungen im Projektverlauf und Probleme im Bauablauf trieben die Ausgaben in die Höhe:
- Multifunktionale Nutzung: Für die gewünschte parallele Bespielbarkeit der Säle waren planerische Änderungen erforderlich (z. B. Vergrößerung Bühnenportal, qualifizierte Akustikplanung, 2. Sprinklertank).
- Optimierter Spielbetrieb: Zusätzliche Anforderungen des Nutzers, wie der Einbau einer Drehscheibe und einer Teleskopbühne im Großen Saal, sorgten für weitere Mehraufwendungen.
- Verzögerungen im Bauablauf: Nichteinhaltung von Terminplänen durch Planer und Baufirmen (zu geringe Mannstärke, verspätete Lieferungen) führte zu hohen Kosten aus Bauzeitverlängerung, die aktuell noch nicht einmal abschließend einkalkuliert sind.
Kritik des Bundes der Steuerzahler (BdSt): Wer zahlt die Zeche?
Die drastische Kostensteigerung von 56 Mio. auf 110 Mio. Euro alarmiert den Bund der Steuerzahler zutiefst.
Der BdSt kritisiert, dass trotz der Anerkennung globaler Kriseneinflüsse in Bayreuth „wieder einmal“ die Steuerzahler für die nicht unerhebliche Kostensteigerung geradestehen müssen. Dies impliziert, dass ein Teil der Mehrkosten durch mangelhafte Voruntersuchungen der Bausubstanz, unzureichende Anfangsplanungen und mangelhaftes Projektmanagement verursacht wurde, welche nicht allein den externen Krisen zugerechnet werden können.
Das Friedrichsforum soll planmäßig im Jahr 2026 an die Bayreuther Bürger übergeben werden – allerdings zu einem deutlich höheren Preis als ursprünglich versprochen.













Oberfrankenderby zwischen den Bayreuth Tigers und den Selber Wölfen. Archivbild: Annika Flatz