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Galeria-Insolvenz: Was jetzt aus dem Kaufhaus in Bayreuth wird
Galeria ist erneut zahlungsunfähig. Die Warenhauskette hat am Freitag beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt – zum vierten Mal seit 2020. Für Bayreuth ist das eine besonders bittere Nachricht: Das Kaufhaus in der Maximilianstraße stand schon vor dem Insolvenzantrag auf der Liste der Häuser, deren Zukunft der Konzern prüft.
Die gute Nachricht zuerst: Der Betrieb in allen 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen, teilte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit. Das Bayreuther Haus bleibt also erst einmal geöffnet. Ob und welche Standorte am Ende schließen müssen, ist aber völlig offen.
Was die Galeria-Insolvenz für Bayreuth bedeutet
Im Juli hatte Galeria angekündigt, 33 seiner 83 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit den Vermietern über Mieten und Flächen zu verhandeln. Bayreuth war eines davon. Wie das bt damals berichtete, ging es in Bayreuth vor allem um die Größe des Hauses: Die Verkaufsfläche sei für ein modernes Warenhauskonzept schlicht zu groß, hieß es vom Unternehmen. Der Mietvertrag läuft zwar noch mehrere Jahre, Galeria wollte trotzdem früh gegensteuern.
Damals klang das noch nach vorausschauender Planung statt nach akuter Not:
„In Bayreuth handeln wir vorausschauend. Ein kompakteres Flächenkonzept und ausgewogene Konditionen sind die Voraussetzung dafür, dass das Haus langfristig Teil unseres Netzes bleibt.“
— Philipp Kretzer, Chief Sales Officer von Galeria, laut Unternehmensmitteilung (Juli 2026)
Schon im Juli war aber klar: Gibt es keine Einigung, ist ein späterer Rückzug aus Bayreuth nicht ausgeschlossen.
Fünf bayerische Häuser auf dem Prüfstand
In Bayern prüft Galeria neben Bayreuth auch die Filialen in Aschaffenburg, Memmingen, Würzburg und am Münchner Rotkreuzplatz, berichtet die dpa. Die Oberbürgermeister der betroffenen Städte hatten sich demnach erst kürzlich an die Staatsregierung gewandt. Sie solle die Interessen der Standorte gegenüber dem Unternehmen „deutlich vertreten“.
Wie überraschend der Insolvenzantrag selbst für die Städte kam, zeigt die Reaktion aus Würzburg. Dort hatte es noch im September ein Gespräch mit der Galeria-Leitung gegeben, zu dem das bayerische Wirtschaftsministerium eingeladen hatte.
„Daher überrascht es mich sehr, heute die Insolvenz des gesamten Unternehmens aus den Medien erfahren zu haben.“
— Martin Heilig, Oberbürgermeister von Würzburg, laut dpa / Onetz
Warum Galeria schon wieder insolvent ist
Zu den genauen Gründen schweigt das Unternehmen bislang. Der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen, um die Lage zu ordnen, Galeria zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen, heißt es in einer Mitteilung.
Die Warnsignale gab es aber schon seit Monaten. Im April beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Im Juni bekam Galeria dann eine neue Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers. Diese ist an einen Sanierungsplan über drei Jahre geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht.
Dazu kommt offenbar ein deutlicher Umsatzeinbruch. Nach Informationen des Handelsblatts sanken die Umsätze im Juni, Juli und August um jeweils rund 15 Prozent, Ende September sogar um etwa ein Viertel, berichtet Retail-News. Bemerkenswert: Erst 2025 hatte Galeria zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt wieder einen operativen Gewinn gemeldet.
Bangen um die Jobs – auch in Bayreuth
Bundesweit arbeiten rund 12.000 Menschen bei Galeria. Sie wurden am Freitagvormittag informiert. Ob sie Insolvenzgeld bekommen, ist unklar. Der Grund: Das Amtsgericht Essen hat die sogenannte Planüberwachung aus der letzten Insolvenz noch nicht aufgehoben. Ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit hatte dazu schon im Juni gesagt:
„Befindet sich ein Unternehmen weiterhin in der Planüberwachung, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden kann.“
— Sprecher der Bundesagentur für Arbeit, laut dpa-AFX
Jeder Fall müsse allerdings einzeln geprüft werden, so die Bundesagentur. Der Gesamtbetriebsrat wollte sich zunächst nicht äußern.
Bayreuth und Galeria: Die vierte Zitterpartie
Für Bayreuth ist das Bangen um das Kaufhaus nichts Neues. Seit mehr als 60 Jahren prägt das Haus in der Maximilianstraße die Innenstadt – erst als Karstadt, heute als Galeria. Und fast genauso lange scheint es inzwischen um seine Zukunft zu gehen.
2022 suchte Galeria Karstadt Kaufhof zum zweiten Mal Rettung in einem Schutzschirmverfahren, damals bangte Bayreuth bereits mit. Im März 2023 stand die Bayreuther Filiale dann tatsächlich auf der Streichliste und sollte spätestens Ende Januar 2024 schließen. Der damalige Oberbürgermeister Thomas Ebersberger gab sich damals kämpferisch. Der Stadtrat sprach sich einstimmig für den Erhalt aus. Am Ende blieb das Haus dank weiterer Zugeständnisse der Vermieter doch geöffnet.
Auch bei der Insolvenz 2024, ausgelöst durch die Pleite des damaligen Mutterkonzerns Signa um René Benko, landete Bayreuth auf der Liste der geretteten Häuser. Seitdem gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz.
Einordnung: Das Ende der Warenhaus-Ära?
Der Blick auf die Zahlen zeigt, wie stark das Warenhaus-Geschäft geschrumpft ist. 2019 setzte Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen laut Handelsforschungsinstitut EHI noch 4,5 Milliarden Euro um. Sechs Jahre später waren es mit weniger als halb so vielen Häusern nur noch 2 Milliarden Euro, wie die dpa berichtet. Der Marktanteil von Kauf- und Warenhäusern im Einzelhandel sank laut EHI seit 2020 von 4,2 auf 1,2 Prozent.
Galeria ist dabei kein Einzelfall. Die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel hat laut Kreditversicherer Allianz Trade ein Zehnjahreshoch erreicht. Das Kaufhausverbindet in Bayreuth Maximilianstraße und Rotmain-Center. Bei einer Schließung stünde deutlich mehr auf dem Spiel als ein einzelnes Geschäft.
Häufige Fragen
Schließt Galeria in Bayreuth jetzt?
Nein, nicht sofort. Alle 83 Galeria-Filialen, auch die in der Bayreuther Maximilianstraße, sollen vorerst weiter geöffnet bleiben. Welche Standorte im Laufe des Verfahrens schließen müssen, ist noch offen.
Warum ist die Bayreuther Galeria-Filiale besonders gefährdet?
Bayreuth gehört zu den 33 Filialen, die Galeria schon seit Juli auf ihre Wirtschaftlichkeit prüft. In Bayreuth ging es dabei vor allem um eine zu große Verkaufsfläche und die Mietkonditionen. Ein Ergebnis der Verhandlungen war bis zuletzt nicht bekannt.
Wie oft war Galeria schon insolvent?
Der aktuelle Antrag ist der vierte innerhalb von sechs Jahren – nach 2020, 2022 und 2024. Bayreuth stand dabei schon mehrfach auf der Kippe, wurde aber bisher jedes Mal gerettet.
Bekommen die Galeria-Beschäftigten Insolvenzgeld?
Das ist derzeit unklar. Weil die Planüberwachung aus der letzten Insolvenz noch nicht aufgehoben ist, hält die Bundesagentur für Arbeit eine erneute Zahlung für unwahrscheinlich. Geprüft wird aber jeder Einzelfall.
Welche Galeria-Filialen in Bayern stehen auf dem Prüfstand?
Neben Bayreuth sind das Aschaffenburg, Memmingen, Würzburg und die Filiale am Münchner Rotkreuzplatz. Insgesamt betreibt Galeria in Bayern nach eigenen Angaben noch 14 Häuser in elf Städten, davon vier in München.












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