Zuletzt aktualisiert am
GALERIA in der Maximilianstraße könnte kleiner werden
Karstadt/Galeria in Bayreuth – seit über 60 Jahren an prominentester Stelle in der Maximilianstraße – steht erneut im Fokus einer bundesweiten Krisenrunde. GALERIA nimmt an 33 seiner 83 Filialen Verhandlungen über Mietkonditionen und Flächenanpassungen auf, Bayreuth ist einer der Standorte. Der Mietvertrag läuft zwar noch Jahre, das Unternehmen will trotzdem frühzeitig gegensteuern.
Anders als bei vielen der 33 betroffenen Häuser laufen die Gespräche in Bayreuth nicht aus akuter Existenznot, sondern proaktiv: Die Verkaufsfläche sei für ein modernes, produktives Warenhauskonzept schlicht zu groß, teilt GALERIA mit. Der Erhalt des Standorts soll damit auf sichere Beine gestellt werden, bevor der bestehende Vertrag überhaupt ausläuft.
Warum verhandelt GALERIA schon jetzt in Bayreuth?
Laut Unternehmensmitteilung sieht GALERIA in der „konstruktiven Haltung“ des Eigentümers der Immobilie eine gute Grundlage für die anstehenden Gespräche. Ziel sei es, durch eine Flächenoptimierung und marktgerechte Mietkonditionen die langfristige Wirtschaftlichkeit des Hauses zu sichern.
„In Bayreuth handeln wir vorausschauend. Ein kompakteres Flächenkonzept und ausgewogene Konditionen sind die Voraussetzung dafür, dass das Haus langfristig Teil unseres Netzes bleibt.“
— Philipp Kretzer, Chief Sales Officer von GALERIA, laut Unternehmensmitteilung
Ganz ausgeschlossen ist eine Schließung trotzdem nicht: Sollte keine für beide Seiten tragfähige Lösung gefunden werden, könnte sich GALERIA nach Vertragsende auch aus Bayreuth zurückziehen, heißt es weiter. Grundvoraussetzung für den Erhalt jedes einzelnen Standorts sei am Ende die wirtschaftliche Tragfähigkeit.
Das steckt hinter der bundesweiten Neuausrichtung
Die Verhandlungen in Bayreuth sind Teil einer sechs Säulen umfassenden Strategie, die GALERIA nach der im Juni 2026 vereinbarten langfristigen Finanzierung nun konkret umsetzt:
- ein wirtschaftlich tragfähiges Filialnetz
- ein auf Frequenz ausgerichtetes Sortiment
- eine höhere Flächenproduktivität durch neue Partnerschafts- und Nutzungskonzepte
- eine modernisierte Kundenansprache über GALERIA Plus und Payback
- eine effizientere Logistikstruktur sowie
- eine schlankere Kostenstruktur in allen Betriebsbereichen.
Bei neun der 33 Filialen – etwa in Berlin, Köln und München – laufen die Gespräche bereits seit Monaten, bei den übrigen 24, darunter Bayreuth, starten sie jetzt.
Diese Kriterien entscheiden über die Zukunft eines Standorts
Auf Standort-Ebene bewertet GALERIA unter anderem die Erreichbarkeit innerhalb einer Autostunde, das Kundenpotenzial, die kommunale Sicherheits- und Sauberkeitslage sowie das Umsatzrisiko im lokalen Markt. Auf Filial-Ebene zählen die aktuelle Mietbelastung, der Instandhaltungsaufwand der Immobilie, die Größe der Verkaufsfläche und die Attraktivität der jeweiligen Einkaufsstraße.
Ein Kaufhaus mit langer Geschichte in der Maximilianstraße
Dass es in Bayreuth wieder um die Zukunft des Kaufhauses geht, ist für viele in der Stadt kein neues Gefühl. Schon 2023 hatte sich der Stadtrat einstimmig für den Erhalt des damaligen Karstadt-Standorts ausgesprochen und dabei auf dessen verbindende Rolle zwischen Maximilianstraße und Rotmain-Center verwiesen. Die Sorge war damals real: Im Zuge einer bundesweiten Schließungswelle stand Bayreuth zwischenzeitlich auf einer Streichliste, ehe der Standort dank weiterer Zugeständnisse der Vermieter doch erhalten blieb. Auch bei der jüngsten großen Insolvenzwelle 2024 gehörte Bayreuth zu den Filialen, die auf der Liste der geretteten Häuser landeten.
Kritik von der Gewerkschaft: Sorge um die Beschäftigten
Bundesweit sieht die Gewerkschaft ver.di die immer neuen Verhandlungsrunden mit Sorge. Vorstandsmitglied Silke Zimmer kritisiert vor allem, dass bei GALERIA seit Jahren zu wenig investiert werde, während die Beschäftigten die Unsicherheit ausbaden müssten. Die ständigen Spekulationen über Filialschließungen seien für die Belegschaft eine enorme Belastung, so Zimmer. Sie fordert die Eigentümer auf, endlich Verantwortung für ein zukunftsfähiges Konzept zu übernehmen.
Seit der jüngsten Insolvenz 2024 gehört GALERIA einem Konsortium um den US-Investor NRDC und die Beteiligungsfirma BB Kapital des Unternehmers Bernd Beetz, ergänzt um eine Minderheitsbeteiligung von Bain Capital. Trotz eines neuen Millionenkredits bleibt die finanzielle Lage des Konzerns angespannt.
Einordnung: Kein Einzelfall, sondern Dauerzustand
Für Bayreuth ist es bereits die dritte Runde der Ungewissheit seit 2022. Auf die erste große Schließungswelle folgte 2023 die Rettung, 2024 die nächste Insolvenz mit erneuter Rettung – und nun, 2026, die nächste Verhandlungsrunde, diesmal ohne akute Kündigungsdrohung, aber mit klarer Ansage: Wird keine Lösung gefunden, ist ein späterer Rückzug nicht ausgeschlossen. Bundesweit hat der Strukturwandel in ehemaligen GALERIA-Häusern bereits Spuren hinterlassen – in mehreren Städten sind mittlerweile Nachmieter wie Woolworth oder Intersport in frühere Kaufhof-Flächen eingezogen.
Häufige Fragen
Ist Galeria und Karstadt das gleiche?
Galeria Kaufhof und Karstadt gehören zusammen und sind infolge einer Fusion im Jahr 2019 zu einem einzigen Unternehmen verschmolzen. Beide Marken wurden zunächst unter dem gemeinsamen Namen Galeria Karstadt Kaufhof betrieben und sind mittlerweile in der verkürzten Marke Galeria aufgegangen
Muss die GALERIA-Filiale in Bayreuth jetzt schließen?
Nein, eine Schließung steht nicht unmittelbar bevor. GALERIA verhandelt proaktiv über Miete und Flächenzuschnitt, obwohl der bestehende Vertrag noch mehrere Jahre läuft. Scheitern die Gespräche dauerhaft, ist ein Rückzug aber nicht ausgeschlossen.
Warum verhandelt GALERIA in Bayreuth, wenn der Mietvertrag noch läuft?
Weil die aktuelle Verkaufsfläche laut Unternehmen für ein modernes, wirtschaftlich tragfähiges Warenhauskonzept zu groß ist. GALERIA will frühzeitig gegensteuern, statt erst kurz vor Vertragsende zu reagieren.
Welche anderen bayerischen Standorte sind betroffen?
Neben Bayreuth verhandelt GALERIA auch für die Filialen in Aschaffenburg, Memmingen, München-Rotkreuzplatz und Würzburg über Mietkonditionen und Flächenanpassungen.
Wie oft stand der Bayreuther Kaufhof-Standort schon vor dem Aus?
Seit der ersten großen Galeria-Insolvenz 2022/2023 gehört Bayreuth wiederholt zu den Standorten auf Streichlisten, konnte aber bislang jedes Mal gehalten werden – zuletzt auch bei der Insolvenz 2024.
Wer entscheidet am Ende über die Zukunft des Standorts?
Das Ergebnis hängt von den laufenden Verhandlungen zwischen GALERIA und dem Eigentümer der Immobilie in der Maximilianstraße ab. Grundvoraussetzung für den Erhalt ist laut Unternehmen die nachhaltige Profitabilität des Hauses.












Symbolbild: Pixabay
Das neue Café in der Friedrichstraße: so/season ©bt-Redaktion