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Gesellenbrief plus Bachelor: Coburg startet einzigartigen Studiengang für Bauerhalt
Hochschule Coburg, Universität Bamberg und die Handwerkskammer für Oberfranken haben einen neuen Studiengang gegründet, der Gesellenbrief und Bachelor vereint und altes Handwerkswissen für die Zukunft rettet.
Jens Beland ist Kirchenmaler und Kreishandwerksmeister in Coburg. Sein Uropa hat aufgeschrieben, wie traditionelle Farben angemischt werden – Wissen, das nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollständig verloren ging, als Raufaser die kunstvollen Jugendstil-Malereien in Treppenhäusern überdeckte. Dieses Wissen soll jetzt nicht nur bewahrt, sondern systematisch weitergegeben werden: Die Hochschule Coburg, die Universität Bamberg und die Handwerkskammer für Oberfranken starten gemeinsam den neuen Bachelorstudiengang „Bauerhalt und traditionelle Werktechniken“.
Gesellenbrief und Bachelor
Was den Studiengang besonders macht: Wer ihn abschließt, hat nicht nur einen Bachelor in der Tasche, sondern auch einen Gesellenbrief im Handwerk. Die Kombination aus handwerklicher Ausbildung und wissenschaftlichem Studium gilt in dieser Form als bundesweit bislang einmalig. Vorbild sind historische Dombauhütten, in denen Planung, Ausführung und verschiedene Gewerke eng zusammenarbeiteten. Der Studiengang startet im Wintersemester, eine Einschreibung ist ab Anfang Mai möglich.
Drei Partner, eine gemeinsame Idee
Die Kooperation baut auf bewährten Strukturen auf. Hochschule Coburg und Universität Bamberg arbeiten seit zehn Jahren zusammen – etwa im Masterstudiengang „Digitale Denkmaltechnologien“. Der neue Studiengang ergänzt das Angebot an der Fakultät Design + Bauen und wird durch eine neue Stiftungsprofessur um Themen wie barrierefreies Bauen erweitert. Die Universität Bamberg bringt ihr Kompetenzzentrum für Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) ein. Universitätspräsident Prof. Dr. Kai Fischbach betont: Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse fließen direkt in die Ausbildung ein und die Praxis gibt der Forschung wichtige Impulse zurück.
Fachkräftemangel trifft historische Bausubstanz
Hinter dem Studiengang steckt auch eine handfeste Notwendigkeit. HWK-Präsident Matthias Graßmann erinnert sich an ein Gespräch mit dem Staatlichen Bauamt Bamberg, das den Anstoß gab: Schon damals fehlte Personal für anspruchsvolle Arbeiten am Bamberger Dom. Mit dem Renteneintritt der Babyboomer geht jahrzehntelanges Spezialwissen verloren – oft von heute auf morgen. Gleichzeitig machen Ressourcenknappheit, Klimaschutz und steigende Baukosten die Sanierung und den Umbau im Bestand immer wichtiger.
Auch ein Weg in die Selbstständigkeit
Der Abschluss öffnet mehr als nur Türen in klassische Berufsfelder. HWK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Bauer sieht den Bachelor auch als Unternehmerausbildung: In Kombination mit dem Gesellenbrief entstehen neue Wege, einen Betrieb zu gründen oder zu übernehmen – gerade in einer Branche, in der trotz voller Auftragsbücher viele Betriebe keine Nachfolge finden.
FAQ
Wo und wann kann man sich einschreiben?
Eine Einschreibung fürs Wintersemester ist ab Anfang Mai möglich. Weitere Informationen gibt es unter www.hs-coburg.de/bauerhalt-werktechniken und www.uni-bamberg.de/ba-bau-werk.
Was macht den Studiengang bundesweit einzigartig?
Die Kombination aus Gesellenbrief und Bachelor in einer gemeinsamen Kooperation von Hochschule, Universität und Handwerkskammer gilt in dieser Form als bislang einmalig in Deutschland.
Was lernt man im Studiengang konkret?
Der Studiengang vermittelt traditionelle Werktechniken und Materialien für den Erhalt und die Sanierung historischer Gebäude – verbunden mit wissenschaftlichen Methoden, Nachhaltigkeitsaspekten und betriebswirtschaftlichem Wissen.
Für wen ist der Studiengang geeignet?
Der Studiengang richtet sich an Menschen mit Interesse an Handwerk, historischer Bausubstanz und nachhaltigem Bauen – aber auch an alle, die eine Betriebsübernahme oder Selbstständigkeit im Handwerk anstreben.
Welche Institutionen sind beteiligt?
Die Hochschule Coburg, die Universität Bamberg und die Handwerkskammer für Oberfranken tragen den Studiengang gemeinsam. Das Kompetenzzentrum für Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) der Universität Bamberg ist dabei ein zentraler wissenschaftlicher Partner.
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