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Querdenker

Gewalt bei Corona-Demo in Franken: Kind (4) wird verletzt – Polizei setzt Schlagstöcke ein

Am Sonntag (26. Dezember 2021) gab es in Schweinfurt eine Corona-Demo. Mehrere Hundert Menschen war vor Ort. Die Lage eskalierte. Ein Kind wurde verletzt.

  • Querdenker-Demo in Schweinfurt
  • Gewalt bei Corona-Demo in Unterfranken
  • Polizisten verletzt
  • Kind (4) durch Pfefferspray verletzt

Erneut beteiligten sich zahlreiche Personen am Sonntagabend (26. Dezember 2021) an einer nicht angezeigten Versammlung in der Innenstadt. Nach Angaben der Polizei Unterfranken waren Impfgegner und Querdenker in Schweinfurt unterwegs.

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„Es kam zu Zusammenstößen zwischen aggressiven Krawallmachern und der Polizei. Acht Personen wurden festgenommen“, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei. Gegen vier Beschuldigte werden im Laufe des Montags (27. Dezember 2021) in beschleunigten Verfahren Urteile durch die Justiz erwartet.

Querdenker in Schweinfurt: Acht Polizisten teils schwer verletzt

Gegen 18 Uhr versammelten sich wieder mehrere Hundert Personen, die nach Angaben der Polizei der Querdenker- und Impfgegnerszene zuzurechnen waren, in der Innenstadt in Schweinfurt um gegen die geltenden Corona-Maßnahmen zu protestieren. Unter die Masse der friedvollen Protestler mischten sich nach Polizei-Angaben zahlreiche Krawallmacher, die bereits zu Beginn der Versammlung versuchten, die Menschenmenge gegen Anordnungen der Polizei aufzuwiegeln. „Schon in der Anströmungsphase schlug den Einsatzkräften eine aufgeheizte, teils feindselige Stimmung entgegen.“

Um einen sicheren Ablauf der Versammlung unter Ausschluss unvertretbarer Infektionsgefahren gewährleisten zu können, teilte die Polizei den Demonstranten mit, Abstand zu halten, eine Maske zu tragen und stehen zu bleiben.

Dennoch formierten sich immer wieder Personengruppen in unterschiedlicher Zusammensetzung zu Aufzügen. Die Polizei setzte Polizeiketten ein, um die Aufzüge zu stoppen und zu unterbinden. „Mehrere Aggressoren versuchten mit teils massiver Gewalt und tätlichen Angriffen gegen Einsatzkräfte die Absperrungen zu durchbrechen“, meldet die Polizei weiter. Hierbei wurden insgesamt acht Polizeibeamte durch Faustschläge und Fußtritte teilweise mittelschwer verletzt.

Schweinfurt: Polizei setzt Schlagstöcke ein

Gegen 18:25 Uhr griffen zwei Männer Beamte der Bereitschaftspolizei massiv tätlich an, die eine Absperrkette errichtet hatten. Die Einsatzkräfte mussten Schlagstöcke einsetzen, um weitere Übergriffe zu unterbinden, teilt die Polizei mit.

Hierdurch zog sich ein 50-jähriger Mann eine Kopfplatzwunde zu, die in einem Krankenhaus versorgt werden musste. Neben dem 50-Jährigen wurden im Laufe des Abends weitere sechs Personen unter anderem wegen „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchte Gefangenenbefreiung, Körperverletzung und tätlichen Angriff gegen Polizeibeamte vorläufig festgenommen“, teilt die Polizei mit. Darüber hinaus wurde eine Person, die von der Polizei der rechten Szene zuzuordnen ist, festgenommen, die ein Einhandmesser in der Versammlung mit sich führte.

Kleinkind (4) durch Pfefferspraywolke der Polizei verletzt

Gegen 19:05 Uhr versuchten erneut einige Versammlungsteilnehmerinnen und -teilnehmer eine Polizeiabsperrung zu überwinden. Einsatzkräfte setzten „nach mehrfacher Androhung neben einfacher körperlicher Gewalt auch Pfefferspray ein, um ein Durchbrechen zu verhindern“, beschreibt die Polizei das Vorgehen. Ein vierjähriges Kind wurde dabei verletzt. Nach Angaben der Polizei hatte die Mutter, die eine Querdenkerin sei, versucht mit ihrem Kind die Polizeiabsperrung zu durchbrechen.

Dort kam das Kind „mit einer Pfefferspraywolke in Kontakt und musste aufgrund einer kurzfristigen Augenreizung kurz durch polizeieigene Rettungskräfte medizinisch versorgt werden“. Nach wenigen Minuten und einer Augenspülung war das Kind wieder völlig beschwerdefrei, meldet die Polizei. Gegen die Frau wurde Anzeige erstattet.

Polizei identifiziert Anführer des Protests in Schweinfurt

Neben den acht Personen, die vorläufig festgenommen wurden, konnten Polizeibeamte insgesamt vier Rädelsführer identifizieren, die den unfriedlichen Protest organisierten. Gegen die Organisatoren wurden Anzeigen nach dem Versammlungsgesetz erstattet.

Gegen 20:40 Uhr stoppten Einsatzkräfte einen Aufzug von 44 Personen, die sich trotz wiederholter Aufforderung an keinerlei Beschränkungen gehalten hatten, meldet die Polizei weiter. Gegen alle Personen aus dem Aufzug wurden Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Im Anschluss wurde die Versammlung durch die Polizei aufgelöst.

Polizisten beleidigt und bespuckt

Den gesamten Einsatzverlauf über unternahmen eingesetzte Kommunikationsteams den Versuch, verbal auf Versammlungsteilnehmerinnen und -teilnehmer Einfluss zu nehmen. Die aufgeheizte Stimmung einiger Protestler sollte beruhigt werden.

„Der Großteil der sich Versammelnden wollte allerdings nicht mit sich reden lassen“, meldet die Polizei. Beamtinnen und Beamte aus den polizeilichen Kommunikationsteams wurden stattdessen durch Versammlungsteilnehmer beleidigt und bespuckt.

Vier der acht festgenommenen Personen werden am Montagvormittag im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte der Hauptverhandlung zugeführt. Mit Urteilen gegen die drei Männer und eine Frau ist noch am späten Montagnachmittag zu rechnen.

Appell an Versammlungsteilnehmerinnen und -teilnehmer

Ein weiteres Mal appelliert die Polizei nachdrücklich an alle Versammlungsteilnehmer, friedlich von ihrem Grundrecht Gebrauch zu machen und die Versammlung vorher anzuzeigen sowie die Corona-Regeln (insbesondere den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Metern) und die im Vorfeld festgelegten Beschränkungen strikt zu beachten.

„Distanzieren Sie sich von Krawallmachern und Straftätern“, appelliert die Polizei weiter. „Lassen Sie sich nicht von Rechtsextremisten, Reichsbürgern oder Antisemiten vereinnahmen und behindern Sie keine Maßnahmen der Polizei.“