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GKV-Spargesetz: Was sich für Patienten in Bayreuth ändert
Medikamente werden teurer, vor manchen Operationen braucht es künftig eine zweite ärztliche Meinung, und dem Klinikum fehlen Millionen. Das GKV-Spargesetz bringt ab 2027 einige Änderungen, die Patientinnen und Patienten in Bayreuth direkt spüren. Was bedeutet das für den Gang zum Hausarzt und für einen Aufenthalt im Klinikum? Das Bayreuther Tagblatt hat mit Klinikum-Geschäftsführer Dietmar Pawlik und dem Bayreuther Hausarzt Dr. Ingo Rausch gesprochen.
Montagmorgen, Fieber, Kopfschmerzen, an Arbeit ist nicht zu denken. Bisher reicht in so einem Fall oft ein Anruf beim Hausarzt, und die Krankschreibung ist erledigt. Ob das so bleibt, ist offen: Die Bundesregierung will die telefonische Krankschreibung abschaffen. Sicher ist dagegen: Wer mit dem Rezept in die Apotheke geht, zahlt künftig mehr als bisher.
Die höhere Zuzahlung ist eine der Änderungen, die das GKV-Spargesetz im Alltag bringt. Wer über eine neue Hüfte oder eine Operation an der Wirbelsäule nachdenkt oder ins Klinikum muss, wird die Folgen ebenfalls merken. Das Bayreuther Tagblatt hat mit Klinikum-Geschäftsführer Dietmar Pawlik und dem Bayreuther Hausarzt Dr. Ingo Rausch gesprochen.
Was ist das GKV-Spargesetz?
Offiziell heißt es GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Der Bundestag hat es am 10. Juli 2026 beschlossen, der Bundesrat hat es am selben Tag passieren lassen. Das Ziel: Die Krankenkassenbeiträge sollen nicht weiter steigen. Ohne Reform wären die durchschnittlichen Zusatzbeiträge laut der damaligen Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) von 2,9 auf 3,9 Prozent geklettert, berichtet das Deutsche Ärzteblatt. Die meisten Regeln greifen ab dem 1. Januar 2027.
Medikamente: Höhere Zuzahlung in der Apotheke
In der Apotheke wird es teurer. Bisher zahlen gesetzlich Versicherte pro Medikament mindestens fünf und höchstens zehn Euro zu. Künftig sind es mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro, berichtet Bibliomed. Die Beträge waren laut Ärzteblatt seit über 20 Jahren nicht mehr angepasst worden.
Hausarzt in Bayreuth: Mehr Patienten, aber nicht mehr Geld?
Mehr Versorgung werde künftig über den Hausarzt laufen, sagt Dr. Ingo Rausch. Das Spargesetz sieht allerdings vor, dass Haus- und Kinderärzte für zusätzliche Fälle weniger Geld bekommen: Steigen die Fallzahlen, gibt es pro Fall einen Abschlag. Wie hoch der ausfallen sollte, war noch nicht festgelegt, berichtet das Ärzteblatt. Fachleute sprechen von einem Fixkostendegressionsabschlag. Die Idee dahinter: Miete, IT oder Geräte werden nicht teurer, nur weil mehr Patienten kommen.
Rausch sieht darin ein Problem. „Wer arbeite schon gerne umsonst?“, fragt er. Die Praxen müssten ihr Personal bezahlen und könnten es sich nicht leisten, ihre Sprechzeiten für die Mehrarbeit auszuweiten.
Die gute Nachricht für Patienten: Bei Haus- und Kinderärzten ist die Versorgung in Bayreuth aktuell gesichert, sagt Rausch. Im Zweifel muss man eben mehrere Ärzte durchtelefonieren.
Übrigens: SPD-Gesundheitspolitiker haben angekündigt, den Abschlag für Haus- und Kinderärzte zurückzunehmen, berichtet das Ärzteblatt. Für den 7. Oktober ist dazu eine weitere Anhörung im Bundestag angekündigt.
Krankschreibung per Telefon: Abschaffung geplant, aber noch nicht beschlossen
Seit 2023 können sich Patientinnen und Patienten für die ersten drei Krankheitstage auch telefonisch krankschreiben lassen. Die schwarz-rote Koalition will diese Möglichkeit abschaffen und eine Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag verpflichtend machen. Das hat der Koalitionsausschuss Anfang Juli vereinbart, berichtet das Ärzteblatt. Die Koalition hofft, dass dadurch der Krankenstand sinkt.
Wichtig: Das ist nicht Teil des GKV-Spargesetzes. Ein eigenes Gesetz dazu gibt es noch nicht, und damit auch keinen Termin. Bis dahin bleibt die Telefon-Krankschreibung möglich. Eine Krankschreibung per Videosprechstunde soll nach derzeitigem Stand auch künftig gehen, berichtet der vorwärts.
Für die Bayreuther Hausarztpraxen heißt das: Mehr Menschen sitzen im Wartezimmer. Mehr Versorgung werde künftig über den Hausarzt laufen, sagt Dr. Ingo Rausch vom Ärztlichen Kreisverband Bayreuth. Der Deutsche Hausärzteverband befürchtet, dass Patienten mit leichten Infekten die Praxen verstopfen und dringendere Fälle länger warten müssen.
Hüfte, Wirbelsäule, Schulter: Vor manchen Operationen wird eine Zweitmeinung Pflicht
Bei bestimmten planbaren Eingriffen müssen Patientinnen und Patienten künftig eine zweite ärztliche Meinung einholen. Ohne sie kann die Klinik die Operation nicht abrechnen. Ab 2028 legt der Gemeinsame Bundesausschuss dafür jedes Jahr zwei Eingriffe fest. Als geeignet nennt das Gesundheitsministerium vor allem den Hüftgelenkersatz und Eingriffe an der Wirbelsäule (ab 2028), die Entfernung von Gallenblase oder Gebärmutter (ab 2029) sowie Mandel-Operationen und Gelenkspiegelungen an der Schulter (ab 2030), berichtet das Schleswig-Holsteinische Ärzteblatt.
Klinikum-Geschäftsführer Pawlik hält das für sinnvoll, „wenn es ordentlich bezahlt wird“. Er verweist auf die hohe Zahl an Gelenkersatz-Operationen in Deutschland. Tatsächlich werden hierzulande so viele künstliche Hüftgelenke pro Einwohner eingesetzt wie in kaum einem anderen Land, nur die Schweiz liegt laut OECD-Daten vorn, berichtet Medscape. „Eine gute Zweitmeinung zeige Alternativen auf, etwa gezieltes Training statt einer schnellen Operation“, sagt Pawlik. So könne der Patient tatsächlich eine eigene Entscheidung treffen.
Klinikum Bayreuth: Angebot bleibt, Helfer auf Station fallen weg
Dem Klinikum Bayreuth fehlen durch das Gesetz 2027 nach Angaben von Pawlik rund acht Millionen Euro, bis 2030 steigt die Lücke auf 20 Millionen Euro im Jahr. Am medizinischen Angebot will das Klinikum trotzdem nichts ändern, sagt Pawlik. In vielen Bereichen sei das Haus für die ganze Region die letzte Anlaufstelle: mit der größten Kinderklinik der Region, einer der größten Notaufnahmen der Region, Kardiologie und Herzchirurgie sowie einer überregionalen Stroke Unit für Schlaganfallpatienten.
Diese Leistungen ließen sich kaum zurückfahren, sagt Pawlik. Niemand anderes könne sie in dieser Menge auffangen. Bei der Qualität zu sparen, sei gegenüber den Patienten nicht verantwortbar.
Auf den Stationen werden Patienten die Einsparungen trotzdem merken. Das Klinikum hat bisher zusätzliche Unterstützungskräfte beschäftigt, die den Pflegekräften bei der Arbeit helfen. Bezahlt wurden sie über einen Zuschlag im Pflegebudget, den das Gesetz kürzt.
„Diese Stellen werden die ersten sein, die wir jetzt nicht mehr finanziert bekommen, die wir streichen müssen.“
— Dietmar Pawlik, Geschäftsführer der Klinikum Bayreuth GmbH
Wo das Klinikum außerdem sparen will und welche Ideen Bayreuther Mediziner für das Gesundheitssystem haben, lest ihr im zweiten Teil: GKV-Spargesetz: Wo gespart wird und wo Bayreuther Sparpotenzial sehen.
Häufige Fragen
Kann ich mich noch telefonisch krankschreiben lassen?
Ja, vorerst schon. Die Koalition will die Telefon-Krankschreibung abschaffen, ein Gesetz dazu gibt es aber noch nicht. Das GKV-Spargesetz ändert daran nichts.
Wie viel muss ich künftig für Medikamente zuzahlen?
Die Zuzahlung pro Medikament beträgt künftig mindestens 7,50 Euro statt fünf Euro und höchstens 15 Euro statt zehn Euro.
Muss ich mir vor einer Hüft- oder Wirbelsäulen-OP eine Zweitmeinung holen?
Bei bestimmten planbaren Eingriffen wird eine zweite ärztliche Meinung Pflicht. Ab 2028 legt der Gemeinsame Bundesausschuss jedes Jahr zwei solche Eingriffe fest. Das Gesundheitsministerium nennt als Erstes den Hüftgelenkersatz und Eingriffe an der Wirbelsäule.
Ändert sich das Angebot am Klinikum Bayreuth?
Nein. Kinderklinik, Notaufnahme, Herzmedizin und Stroke Unit sollen laut Geschäftsführer Dietmar Pawlik erhalten bleiben. Streichen will das Klinikum aber Stellen von Unterstützungskräften, die bisher die Pflege auf den Stationen entlastet haben.
Ist die hausärztliche Versorgung in Bayreuth gefährdet?
Aktuell nicht. Laut Hausarzt Dr. Ingo Rausch ist die Versorgung bei Haus- und Kinderärzten in Bayreuth gesichert. Die Praxen kritisieren aber, dass zusätzliche Patienten nach dem Spargesetz nicht voll bezahlt werden sollen. Diese Regel will die Koalition allerdings wieder zurücknehmen.












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