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Zuletzt aktualisiert am 17. März 2026 | 08:26

Hollfeld

Glasfaser-Stopp in Hollfeld: Bürger und Politik fassungslos

von Katharina Müller-Sanke

Die digitale Zukunft der Stadt Hollfeld steht derzeit unter keinem guten Stern. Während die Bauarbeiten das Stadtbild seit Jahren prägen, folgt nun der Schock: Die Telekom-Tochter „Glasfaser Plus“ zieht sich aus Teilen der Innenstadt zurück. Betroffene Bürger, die Verwaltung und die Politik reagieren mit Unverständnis und Wut.

Glasfaser-Geschwindigkeit kommt nach Waischenfeld. Symbolbild © stock.adobe / Andreas Gruhl
Glasfaser-Geschwindigkeit kommt nach Waischenfeld. Symbolbild © stock.adobe / Andreas Gruhl

Seit rund drei Jahren ist Hollfeld eine Dauerbaustelle. Aufgerissene Gehwege, provisorisch geflickte Straßen und die Vorfreude auf schnelles Internet gehörten zum Alltag. Doch für rund 80 Haushalte im Bereich Marienplatz, Judengasse, Steinweg, Am Graben und Oberes Tor ist der Traum vom schnellen Netz vorerst geplatzt.

Verwaltung erfährt nur durch Zufall vom Ausbaustopp

Besonders brisant: Die Verwaltungsgemeinschaft Hollfeld erfuhr nach eigenen Angaben nur durch Zufall von den Plänen. Als die Stadtverwaltung Mitte Dezember selbst einen Anschluss für das „Rostenhaus“ buchen wollte, hieß es plötzlich: Das Gebiet ist nicht mehr buchbar.

Erst nach mehrmaligem Nachhaken und einem Krisengespräch am 5. Februar 2026 rückte die Glasfaser Plus mit der Sprache raus. Per E-Mail vom 13. Februar wurde dann das bestätigt, was viele befürchtet hatten: Ein sogenannter „Gebietsschnitt“. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde das Ausbaugebiet nachträglich verkleinert.

„Leider zeigt sich die Glasfaser Plus wenig kooperativ, was die Situation für uns sehr schwierig macht. Wir kämpfen jedoch für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger!“, so das deutliche Statement der Verwaltung.

Offener Brief an Finanzministerium und Abgeordnete

Mehrere Stadträte haben sich nun in einem Offenen Brief hilfesuchend nach München gewandt. Sie appellieren an Minister und Staatssekretär sie mögen intervenieren und die Stadtverwaltung beim Konflikt mit der Telefon und der Glasfaser Plus unterstützen. Neben der Tatsache, dass viele Haushalte trotz Ankündigung nicht mit schnellem Internet versorgt werden und der Netzanbieter sein Versprechen somit nicht eingehalten hat, ärgert es sie auch, dass diverse Arbeiten angefangen und abgebrochen wurden.

„Teilweise wurden Glasfaserleitungen bereits bis in Gebäude verlegt, können jedoch aufgrund fehlender Netzanschlüsse nicht in Betrieb genommen werden. In anderen Bereichen wurden lediglich Leerrohre eingebracht, ohne dass bislang eine tatsächliche Anbindung erfolgt ist“, die Stadträte sorgen sich darum, dass nun auch noch die Kosten für die Wiederinstandsetzung der Straßen an der Gemeinde hängen bleiben könnten.

MdL Franc Dierl fordert Konsequenzen

Der Landtagsabgeordnete Franc Dierl (CSU) findet deutliche Worte für das Vorgehen des Unternehmens. Er spricht von einem „Glasfaser-Chaos“, das das Vertrauen in den digitalen Wandel massiv beschädige.

Kritikpunkte im Überblick:

  • Gebrochene Versprechen: Erst werden Verträge abgeschlossen und Baustellen verursacht, dann zieht man sich aus „wirtschaftlichen Gründen“ zurück.
  • Infrastrukturschäden: Die Stadt darf nicht auf den Kosten für schlecht wiederhergestellte Straßen und Gehwege sitzen bleiben.
  • Zukunftschancen: Ohne Glasfaser drohe der ländliche Raum bei Homeoffice, Bildung und Telemedizin abgehängt zu werden.

Dierl kündigte an, sich mit Finanzstaatssekretär Martin Schöffel und der Bundestagsabgeordneten Staatssekretärin Silke Launert abzustimmen, um staatliche Fördermöglichkeiten zu prüfen, wo der eigenwirtschaftliche Ausbau der Telekom versagt.

Wut im Netz: Stadträte und Bürger fühlen sich übergangen

In den sozialen Medien brodelt es ebenfalls. Stadtrat Manfred Neumeister machte seinem Ärger auf Facebook Luft und postete:

„2023 großmächtig angekündigt… heute noch offene Baustellen und nun die Katastrophe.“ Besonders bitter: Neumeister selbst wartet nach eigenen Angaben bereits seit 894 Tagen auf seinen Anschluss.

Die Kritik richtet sich vor allem gegen die mangelnde Informationspolitik. Dass Stadträte und Bürger erst durch private Anschreiben oder Zufälle von der Kehrtwende erfuhren, sorgt für ein Gefühl der Ohnmacht.

Betroffene Gebiete 

  • Marienplatz: Ausbau gestoppt
  • Judengasse: Ausbau gestoppt
  • Steinweg: Ausbau gestoppt
  • Am Graben:Teilweise gestoppt
  • Oberes Tor: Teilweise gestoppt

Wie geht es jetzt weiter?

Die Verwaltungsgemeinschaft Hollfeld arbeitet derzeit unter Hochdruck an Lösungen. Ziel ist es, alle betroffenen Anschlussnehmer zu einem gemeinsamen Termin mit den Verantwortlichen der Glasfaser Plus einzuladen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass das Unternehmen konkrete Lösungsvorschläge auf den Tisch legt.

Für die Hollfelder bleibt vorerst nur die Hoffnung, dass der Druck aus dem Rathaus und der Landespolitik ausreicht, um die Telekom-Tochter doch noch zum Einlenken zu bewegen oder dass Fördergelder den digitalen Scherbenhaufen im Herzen der Stadt kitten können.




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