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Graserschule: 4 Millionen Mehrkosten, neuer Plan
Die Graserschule-Sanierung in Bayreuth bleibt eine Dauerbaustelle. Das neue Planungsbüro deckt weitere Mängel auf, die Kosten für den ersten Bauabschnitt steigen um vier Millionen Euro. Trotzdem soll der erste Bauabschnitt noch Ende des Jahres abgeschlossen werden.
Die Stadt Bayreuth trennte sich Anfang 2025 von ihrem bisherigen Architekturbüro für die Sanierung der Graserschule. Bei der anschließenden Bestandsaufnahme stellte das Team um Michael Fränkel von P+ Architekten und Ingenieure aus Bayreuth erhebliche Mängel an der geplanten Sanierung fest. Diese Ergebnisse stellte das Büro den Stadträten Ende Januar 2026 vor.
Mängel bei der Graserschule-Sanierung aufgedeckt
Die ursprüngliche Planung war laut Fränkel unvollständig, zudem lagen systematische Mängel in der Bauausführung vor. Besonders kritisch ist demnach der Brandschutz, von dem die weiteren Arbeiten in der ersten Bauphase maßgeblich abhängen. Fränkel bezeichnete ihn als „zentrales Steuerungsthema“, das nahezu alle Ausbaugewerke betreffe.
Zu den festgestellten Defiziten zählen unter anderem Fehler im Treppenhaus, fehlende Anschlussdetails an Fassade und Türen sowie unzureichende Durchdringungspläne für Brandschutzdecken. Auch die Anschlüsse zwischen Alt- und Neubau weisen Höhenunterschiede auf. Zudem wurde im Gebäude Hausschwamm festgestellt, dessen ursprünglich vorgesehenes Sanierungsverfahren sich als aufwendig und fehleranfällig erwies. Diese Mängel machen laut Fränkel umfangreiche Nacharbeiten notwendig.
Beim Quartalsbericht vor dem Stadtentwicklungsausschuss am 14. Juli präsentierte Fränkel weitere Mängel, aber auch neue Lösungen. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts soll demnach wie bereits im Februar angekündigt erhalten bleiben, allerdings mit deutlichen Mehrkosten. Das gesamte Projekt soll nun bis 2031 abgeschlossen sein, statt wie vom ursprünglichen Architekturbüro einst angekündigt bereits 2028.
Zeitplan und Kosten für Bauabschnitt 1
Zum ersten Bauabschnitt zählen Mensa, Verwaltungsräume und Sporthalle. Nach aktuellem Stand summieren sich die Mehrkosten auf rund vier Millionen Euro, sodass der erste Bauabschnitt insgesamt etwa 14 Millionen Euro kosten wird. Eine verlässliche Gesamtkostenübersicht für das Projekt liegt derzeit noch nicht vor.
Im Stadtrat sorgte diese Entwicklung für Unmut. Christopher Süß (JB) verwies auf einen alten Flyer eines Bürgerbegehrens, der einst Gesamtkosten für die Stadt von 5,5 Millionen Euro nannte.
Kanalsanierung sorgt für zusätzliche Kosten
Während der laufenden Bauarbeiten entdeckten die Verantwortlichen Schäden am Kanalnetz unter dem Schulhof. Eine Kamerabefahrung zeigte, dass eine Schmutzwasserleitung über 1,7 Kilometer angerissen ist. In einer Regenwasserleitung ist der Querschnitt durch Ablagerungen um rund 70 Prozent verringert, stellenweise fehlt zudem die Rohrsohle.
Für die notwendige Sanierung rechnet die Stadt mit zusätzlichen Kosten von etwa 150.000 Euro. Die Arbeiten sollen noch zum Ende des ersten Bauabschnitts erfolgen, damit der Schulhof rechtzeitig für den zweiten Bauabschnitt nutzbar ist.
Im Stadtrat fragte Halil Tasdelen (SPD) kritisch nach, warum die bereits im April 2025 erstellten Kameraaufnahmen erst jetzt bekannt wurden. Fränkel verwies darauf, dass auch das vorherige Planungsbüro gekündigt worden sei und entsprechende Unterlagen fehlten. Als das neue Planungsbüro von den Schäden erfuhr, war es aus seiner Sicht wichtig, das Problem frühzeitig anzugehen, bevor Eingriffe in bereits fertiggestellte Räume nötig werden.
Sporthallendach muss neu berechnet werden
Eine turnusgemäße statische Überprüfung des Sporthallendachs brachte weitere Probleme zutage. Die vorhandene Konstruktion entspricht nicht mehr den aktuellen technischen Regelwerken. Ein früheres Gutachten aus dem Jahr 2006 erwies sich laut Fränkel als nicht belastbar, unter anderem wegen falscher Schneelast-Annahmen.
Statt zahlreicher Einzelverstärkungen schlägt P+ Architekten zusätzliche Brettschichtholzbinder vor, die die Lasten auf mehrere Träger verteilen. Diese Lösung gilt laut Fränkel als übersichtlicher und wirtschaftlicher. Nach aktuellem Stand soll die Maßnahme keine zusätzlichen Terminverschiebungen verursachen.
Rissbildung an der Sandsteinfassade
An einzelnen Fensterstürzen der historischen Sandsteinfassade zeigten sich zudem Risse. Weitere Untersuchungen sollen nun klären, ob Sicherungs- oder Instandsetzungsmaßnahmen nötig sind. Fränkel betonte im Stadtrat, dass die Risse nichts mit der Statik oder dem Fundament zu tun hätten.
Aktuell stützen provisorische Elemente die betroffenen Bereiche zwischen den Fenstermittelpfosten ab. Laut Kelm plant die Stadt keine umfassende Fassadensanierung, solange die vorhandenen Fenster funktionieren.
Neue Pausenhalle spart Geld
Im Zuge der Planung für den zweiten Bauabschnitt entwickelte P+ Architekten zudem einen alternativen Entwurf für die Pausenhalle. Die neue Variante ist als Holzbaukonstruktion vorgesehen und schließt niveaugleich an den Schulhof an. Gegenüber dem ursprünglichen, architektonisch auffälligeren Entwurf reduziert sich der Verglasungsanteil deutlich.
Die Stadt rechnet mit einer Kostenreduzierung von rund 800.000 Euro brutto gegenüber der bisherigen Planung. Auch die Bauzeit soll sich dadurch verkürzen. Christiane Angerer (SPD) begrüßte im Stadtrat die Suche nach Alternativlösungen, die den städtischen Haushalt entlasten.
Ausblick auf die weiteren Bauabschnitte
Nach dem Abschluss des ersten Bauabschnitts soll der zweite Bauabschnitt Anfang 2027 beginnen. Für die Bauabschnitte zwei und drei kalkuliert die Stadt jeweils rund 2,5 Jahre Bauzeit. Die gesamte Sanierung der Graserschule soll bis Ende 2031 abgeschlossen sein.
Für die weiteren Bauabschnitte plant P+ Architekten außerdem eine Stahlträgerkonstruktion anstelle des ursprünglich vorgesehenen Ortbeton-Ringbalkens. Diese Lösung erfordert weniger Eingriffe in die historische Bausubstanz und soll zusätzlich Kosten sparen.
Der Stadtentwicklungsausschuss nahm den Bericht zur Kenntnis und stimmte den vorgestellten Planungsänderungen einstimmig zu. Eine detaillierte Gesamtkostenübersicht für alle Bauabschnitte will die Verwaltung im nächsten Quartalsbericht vorlegen.












Zersplitterte Fensterscheibe Symbolbild: Pixabay
Gewitterfront über Gefrees 14-07.2026 ©NEWS5/Stephan Fricke