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Zuletzt aktualisiert am 23. Februar 2026 | 14:25

Aichig/Bauernhöfen

Planung für Hochwasserrückhaltebecken „Bauernhöfen“ kann eingesehen werden

von Stefanie Schweinstetter (11.9.25 und 23.2.26), Michael Christensen (19.9.25) Katharina Müller-Sanke (21.10.25)

Das geplante Hochwasserrückhaltebecken „Bauernhöfen“ soll Bayreuth künftig besser vor Überflutungen schützen. Ab sofort können Bürgerinnen und Bürger die Planunterlagen online einsehen oder bis Anfang April im Amt für Umwelt- und Klimaschutz prüfen und Einwendungen einreichen.

3. Januar 2024: Hochwasser an der Mainüberdachung © Dirk Ellmer
Januar 2024: Ein ungewöhnlicher Blick auf den Roten Main in der Innenstadt. © Dirk Ellmer

Um die Stadt Bayreuth besser vor Hochwasser zu schützen, wurde ein umfassendes Hochwasserschutzkonzept entwickelt und die benötigten Flächen für Rückhaltebecken gesichert. Das erste Becken ist bereits fertiggestellt. Nun ist die Realisierung des Hochwasserrückhaltebeckens „Bauernhöfen“ vorgesehen, das ein Volumen von bis zu 950.000 Kubikmetern zurückhalten soll. Es wird sich östlich des Ortsteils Aichig erstrecken und an der Bruckmühle in der Gemeinde Weidenberg enden.

Unterlagen einsehbar

Für das Projekt hat das Wasserwirtschaftsamt Hof eine Erlaubnis zum Bau und Betrieb beantragt. Da es sich um einen Gewässerausbau handelt, bedarf das Vorhaben einer wasserrechtlichen Planfeststellung.

Die Planunterlagen können ab sofort online auf der Homepage der Stadt Bayreuth eingesehen werden. Außerdem liegen sie vom 2. März bis 2. April beim Amt für Umwelt- und Klimaschutz der Stadt Bayreuth, Wilhelm-Pitz-Straße 1, Gebäude A, 1. Stock, Zimmer 1.06, öffentlich aus. Wer die Unterlagen vor Ort einsehen möchte, sollte vorher unter 0921 25-1403 einen Termin vereinbaren.

Jeder, dessen Belange durch das Vorhaben berührt werden, kann bis spätestens 16. April schriftlich oder zur Niederschrift Einwendungen bei der Stadt Bayreuth, Amt für Umwelt- und Klimaschutz, erheben. Die Einwendungen werden in einem gesonderten Termin erörtert; die Beteiligten werden dazu schriftlich benachrichtigt. Versäumte oder verspätete Einwendungen können unberücksichtigt bleiben.

Lesen Sie auch: Hochwasserwarnung für den Landkreis Bayreuth.

Artikel vom 22. Oktober: Infoveranstaltung in Aichig

Das Wasserwirtschaftsamt Hof und die Stadt Bayreuth treiben den Hochwasserschutz weiter voran: Am Mittwoch, den 22. Oktober, um 19 Uhr fand im Landhaus Aichig (Kemnather Straße 63) eine öffentliche Informationsveranstaltung zum geplanten „Hochwasserrückhaltebecken Bauernhöfen“ statt. Bürgerinnen und Bürger hatten dort die Möglichkeit, sich umfassend über das Projekt zu informieren und Fragen an die Verantwortlichen zu richten.

Hochwasserschutz dringend nötig

Die Stadt Bayreuth gilt als stark gefährdet was Hochwasser angeht. Alte Fotos von Überflutungen in Bayreuth verdeutlichen das Risiko eindrücklich: 1909 erreichte das Hochwasser sogar den Bahnhof, 1995 kam es erneut zu schweren Überschwemmungen. Seit 2013 gibt es in der Wilhelminenaue ein Trockenbecken, das bis zu 740.000 Kubikmeter Wasser zurückhalten kann. Doch nach Einschätzung des Wasserwirtschaftsamts Hof reicht dieser Schutz nicht aus.

Standort: Becken hinter der Bahnlinie geplant

Das neue Becken soll rechts neben dem Wohngebiet Aichig am Roten Main entstehen – südlich der Bahnlinie Bayreuth–Weiden und nahe der Polarstraße.

  • Links des Damms: das Wohngebiet Aichig.
  • Rechts: der Rote Main mit einem Drosselbauwerk, das Wasser kontrolliert abführt.

Der Damm soll bis zu 7,5 Meter hoch werden und eine Einstaufläche von rund 30 Hektar umfassen. Bei Vollstau können bis zu 950.000 Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden. Sonst soll das Becken trocken bleiben.

Das ausgewählte Gebiet habe sich dabei als beste Lösung herausgestellt – sowohl aus technischer als auch aus naturschutzfachlicher Sicht.

Bauzeit und ökologische Aspekte

Der Bau soll frühestens im März 2027 beginnen und rund zwei Jahre dauern. Währenddessen soll die Belastung für Anwohner so gering wie möglich bleiben

Das Bauwerk werde so gestaltet, dass Fische und andere Tiere durchkommen, heißt es von Seiten der Verantwortlichen.

Baukosten steigen auf 15,2 Millionen Euro

Die Kosten für das Becken sind seit 2022 von 11,5 auf 15,2 Millionen Euro gestiegen – ein Plus von rund 30 Prozent. Die Stadt Bayreuth muss 35 Prozent davon tragen, also rund fünf Millionen Euro.

Schon gelesen? Bauernhöfen bewegt auch eine von Christian Wedlich ins Spiel gebrachte Umgehungsstraße

Diskussion aus dem Stadtentwicklungsausschuss am 16. September 2025

„Ein Hochwasserschutzkonzept wurde bereits in Studien untersucht, und daraus entstanden unsere heutigen Pläne für Hochwasserbecken“, erklärte Stefan Reil vom Ingenieurbüro Tractebel. Er stellte gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt Hof die Entwurfsplanung vor. „Zum Hochwasserschutz brauchen wir drei Rückhaltebecken. Eines gibt es bereits, das zweite soll jetzt bei Bauernhöfen gebaut werden“, so Baureferentin Urte Kelm in der Stadtratssitzung im September.

Fragen aus dem Stadtrat

CSU-Stadtrat Stefan Specht forderte Tempo: „Wir brauchen insgesamt drei Rückhaltesysteme, um die Betonrinne des Mains im Stadtgebiet endlich zu beseitigen.“

Zur Frage, ob das dritte Rückhaltebecken erst nach 2029 geplant werde, sagte Matthias Ebert vom Wasserwirtschaftsamt Hof: „Nein, wir beginnen nicht erst 2029. Derzeit prüfen wir, ob das Becken an der Altmühle oder das bei der Hochmühle umgesetzt wird. Erste Planungen sollen Ende nächsten Jahres starten.“

Kritik an jahrelangen Verzögerungen

Stephan Müller (BG) erinnerte an die lange Vorgeschichte: „Schon 2014 wurde das Raumordnungsverfahren abgeschlossen. Baubeginn sollte 2017 sein, Fertigstellung 2020. Heute reden wir von 2029 – das sind 15 Jahre. Die Kosten sind explodiert.“

Die Vertreter des Wasserwirtschaftsamts reagierten zunächst sprachlos.

Oberbürgermeister Thomas Ebersberger kam erst zum Wort: „Es ist so, wie es ist. Wir fragen regelmäßig nach, und die Mitarbeiter bemühen sich. Oft scheitert es jedoch an Personal und Kapazitäten.“

Ebert ergänzte anschließen: „Der Mitarbeiter, von dem Sie sprechen, ist in wohlverdienten Ruhestand gegangen. Wir haben 2019 das VGV-Verfahren angefangen und wir mussten dreimal die Baugrunduntersuchung ausschreiben, weil wir keinen Auftragnehmer gefunden haben. Das hat uns anderthalb Jahre zurückgeworfen. Das ist der einzige Punkt, den ich sagen kann, warum es jetzt so lange gedauert hat.“

„Ich bin mir sicher, dass wir mit diesem Engagement die Einweihung im Jahr 2029 wirklich feiern können“, so Müller.

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