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Hollywood in der Stadtkirche: Bayreuther L.A.-Filmkomponist Lukas Geppert im Interview
Hollywood-Filmkomponist Lukas Geppert kehrt für ein kostenloses Konzert nach Bayreuth zurück und dirigiert am Samstag in der Stadtkirche erstmals live seine eigene Musik. Im Interview gibt er Einblicke in das Projekt, was Gäste erwarten können und erklärt den Unterschied zwischen Studio- und Live-Dirigat.
Am Samstag wird die Stadtkirche mit Musik aus Hollywood gefüllt. Die Musik hat der Bayreuther und in Los Angeles lebende Filmkomponist Lukas Geppert selbst mitgeschrieben. Auch seine eigenen Werke dirigiert er zum ersten Mal vor Live-Publikum. Die Show ist kostenlos und gilt als einer der Höhepunkte des Jubiläumsjahres „150 Jahre Festspiele“.
Konzert statt Festmeile: Von Los Angeles in die Stadtkirche
Eigens aus Los Angeles angereist, gibt Lukas Geppert damit sein Debüt als Dirigent vor Live-Publikum. In der Stadtkirche leitet er sowohl eigene Kompositionen als auch Filmmusik, an der er mitgewirkt hat – erstmals mit einem echten Orchester, den Hofer Symphonikern. Einlass ist am Samstag, 25. Juli, um 19.30 Uhr. Das Konzert beginnt um 20.30 Uhr und dauert etwa 90 Minuten. Der Eintritt ist frei, Tickets werden nicht benötigt.
Ursprünglich war das Konzert Teil der inzwischen abgesagten Festmeile zum 150-jährigen Jubiläum und sollte auf einer Bühne am Luitpoldplatz stattfinden. Dass es nun unter dem hohen Gewölbe der Stadtkirche über die Bühne geht, ist akustisch wie atmosphärisch kein schlechter Tausch.
Filmmusik lebe von einem großen, hallenden Klangbild, sagt Geppert – und dafür eigne sich eine Kirche ideal: „Ich glaube, da wird es einen sehr, sehr schönen, breiten Klang geben.“
Es ist Gepperts zweiter öffentlicher Auftritt in diesem Jahr. Bereits im Frühjahr hielt er beim kontrast Filmfest im ZENTRUM einen Vortrag über die Brücke von Bayreuth nach Hollywood. Wagner habe die Filmmusik maßgeblich beeinflusst: Wiederkehrende Leitmotive für Figuren oder bestimmte Themen seien heute ein zentrales Gestaltungsmittel vieler Filmmusiken.
Vom Tonstudio zum Live-Konzert: Das Interview
Wie kam das Projekt überhaupt zustande?
Der Anstoß kam direkt nach meinem Vortrag im Februar. Nur wenige Minuten später kam Florian André Unterburger [Koordinator 150Festival] auf mich zu und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, etwas zur geplanten Festmeile beizutragen. Aus dieser ersten Idee entstand schnell ein richtiges Team. Die organisatorische Arbeit hat vor allem Magdalena Aderhold übernommen – sie war der absolute Rockstar des Projekts. Unterstützt wurde ich außerdem von meinem Arbeitskollegen Clemens Kraus bei der Orchestrierung sowie von früheren Weggefährten, unter anderem meiner ehemaligen Dirigierprofessorin an der University of Southern California, Amy Andersson. Von der ersten Idee bis zu den fertigen Partituren, die genau auf die Besetzung des Orchesters zugeschnitten werden mussten, hat der Prozess ab Februar beziehungsweise März etwa einen Monat gedauert.
Du hast bislang vor allem in Hollywood-Tonstudios dirigiert. Was unterscheidet das Studio vom Live-Konzert?
Im Studio geht es sehr pragmatisch darum, die perfekte Aufnahme zu bekommen. Weil die Musik exakt zum Filmbild passen muss, arbeiten wir mit einem Klick-Track – einem Metronom im Ohr, das genau vorgibt, wie schnell dirigiert und gespielt werden muss. Gleichzeitig läuft die Filmszene auf einer Leinwand, sodass Bild und Musik exakt synchron sind. Außerdem kann man, ähnlich wie bei einem Popsong, taktweise schneiden und neu aufnehmen, wenn etwas nicht passt. Im Konzert fällt all das weg. Da können wir viel freier interpretieren. Eine Stelle darf organischer oder langsamer sein, ein Solist bekommt mehr Raum. Ohne Metronom im Ohr ist das musikalischer, aber auch anspruchsvoller, wenn man es nicht gewohnt ist.
Wie läuft eine Orchesteraufnahme im Studio ab?
Bei großen Hollywood-Produktionen gibt es meist zwei Möglichkeiten. Entweder nimmt das komplette Orchester – Streicher, Blech, Holzbläser und Percussion – gemeinsam auf, während Regie und Produktion im Kontrollraum die Filmszene verfolgen. Oder die Instrumentengruppen werden nacheinander aufgenommen. Das bietet später beim Mischen mehr Flexibilität, wenn zum Beispiel eine Melodie geändert werden soll. Bei Final Destination 6 haben wir uns bewusst dafür entschieden, alle gemeinsam aufzunehmen. Das erzeugt eine ganz eigene Magie, weil die Musiker viel besser miteinander interagieren.
Was steht beim Konzert in der Stadtkirche auf dem Programm?
Wir spielen hauptsächlich Musik, die ich selbst geschrieben habe oder an der ich beteiligt war. Dazu gehören unter anderem Stücke aus Final Destination 6, die Titelmusik zu Lego Ninjago und das für die „SoundTrack_Cologne“ nominierte Stück zum Kurzfilm Lantern. Dazu kommen vier epische Popsongs mit Orchesterbegleitung – ein bisschen im James-Bond-Stil –, die das Programm auflockern. In zwei bis vier Stücken habe ich außerdem bewusst Leitmotive von Richard Wagner in moderne Filmmusik eingebaut. Das knüpft an meinen Vortrag über Wagners Einfluss auf die heutige Filmmusik an.
Es ist eher wie ein klassisches Konzert mit vielen kürzeren Stücken. Anders als in der Oper gibt es keine festgelegten Akte oder Pausen. Eine Pause haben wir nicht eingeplant. Dafür gibt es zwischen den Werken kurze Moderationen – teilweise auch von Regisseuren der Filme.
Wer steht mit dir auf der Bühne?
Das Orchester bilden die Hofer Symphoniker mit 44 Musikerinnen und Musikern unter Konzertmeister Vladimir Stanusev. Bei den Popsongs singen meine ehemalige Schulkameradin vom Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium, Silke Höher, und mein früherer Bandkollege Sven Barthmann, der auch Gitarre spielt. Am Klavier sitzt Clara Schina, ebenfalls eine ehemalige MWG-Schülerin und heute professionelle Pianistin. Es ist schön zu sehen, wie sich die Wege wieder zusammenführen – egal, wo inzwischen alle leben.
Verändert sich deine Musik, wenn sie ein echtes Orchester spielt statt eines Computers?
Ja, das passiert immer wieder. So gut man ein Stück auch vorbereitet – mit echten Musikerinnen und Musikern klingt es am Ende immer anders und meistens auch besser. Dafür haben wir insgesamt vier Orchesterproben und zusätzlich eine Probe mit den Sängerinnen, dem Sänger und der Pianistin.
Du hast auch schon erlebt, dass ein anderer Dirigent deine Musik interpretiert – etwa bei „Dreamzoned“. Wie war das?
Dreamzoned ist eine sinfonische Komposition, die ich 2024 für ein Friedenskonzert geschrieben habe. Aufgeführt wurde sie in Bamberg von der Klassischen Philharmonie Bonn gemeinsam mit mehreren internationalen Chören. Ich konnte damals wegen der Arbeiten an Final Destination nicht dabei sein und kenne die Aufführung deshalb nur aus einer Videoaufzeichnung, die nun beim Planet Earth Filmfestival im Reichshof gezeigt wurde.
Bist du als Komponist offen dafür, dass andere deine Musik verändern?
Absolut. Als Filmkomponist arbeitet man ohnehin sehr pragmatisch. Am Ende entscheidet immer das Zusammenspiel mit Regie und Produktion darüber, welche Musik im Film landet. Deshalb hänge ich nicht an einer einzigen unveränderlichen Version eines Stücks.
Gibt es neue Projekte?
Der Kinofilm 7 Dogs, der vor rund einem Monat gestartet ist, war für mich bisher der größte Karriereschritt. Als Score Producer habe ich gemeinsam mit Lorne Balfe an der Musik gearbeitet. Vor der Kamera stehen unter anderem Martin Lawrence, Monica Bellucci und Giancarlo Esposito. Der Film hat eine wohl weltrekordverdächtige Explosion und einen entsprechend großen orchestralen Action-Score, auf den ich besonders stolz bin.
Du arbeitest aber nicht nur an Filmmusik, oder?
Nein. Ich schreibe auch Musik für Werbespots. Vor Kurzem habe ich an einer Kampagne für ein neues Unternehmen gearbeitet, das dafür sogar das Los Angeles Coliseum gemietet hat. Außerdem habe ich im vergangenen Jahr mit mehreren Rockbands zusammengearbeitet und Orchesterparts für ihre Alben geschrieben – unter anderem für eine schwedische Metal-Band Imminence, die schon bei Rock im Park und auf dem Wacken Open Air gespielt hat.
Wie fühlt es sich an, dein Live-Debüt ausgerechnet in Bayreuth zu geben?
Das ist ein absoluter Traum. Ich freue mich riesig. Viele der Projekte, an denen ich heute arbeite, waren früher nur Träume. Deshalb bin ich sehr dankbar. Die Zeit mit Familie und Freunden in Deutschland tut mir außerdem richtig gut. Im Vergleich zum dichten Verkehr und dem Alltag in Los Angeles ist das für mich eine echte Erholung. Gerade im Sommer hat Deutschland für mich eine ganz besondere Atmosphäre.
Bleibst du den Sommer über in Deutschland?
Ja. Ich arbeite derzeit von Bayreuth aus und bleibe wegen mehrerer Hochzeiten und Geburtstage im Freundes- und Familienkreis voraussichtlich bis Ende August. Danach geht es wieder zurück nach Los Angeles.
FAQ
Wann findet das Konzert statt?
Das Konzert „Hollywood – made in Bayreuth“ findet am Samstag, 25. Juli 2026, statt. Beginn ist um 20:30 Uhr.
Wo wird das Konzert veranstaltet?
Veranstaltungsort ist die Stadtkirche Bayreuth. Der Einlass startet um 19:30 Uhr.
Muss man Eintritt bezahlen?
Nein. Der Eintritt zum Konzert ist für alle Besucherinnen und Besucher kostenlos.












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