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Musik

Hommage an Rettungskräfte: Mellow Mark veröffentlicht neue EP

Aus dem Alltag im Rettungsdienst hat Mark Schlumberger unter dem Namen „Mellow Mark“ Musik gemacht. Nun ist seine neue Single auf dem Markt. Im Interview spricht er über Dankbarkeit, Zusammenhalt und neue Pläne.

Update: Am 24. Oktober ist die Single Bully erschienen. Ende November stellt Mellow Man zusätzlich ein neues Album vor. Unser Artikel vom 19. September 2025:

„Rescue Män“ heißt die neue EP von Mellow Mark, die am 19. September erscheint. Im November folgt sein Album „Rescue Love“. Nach fünf Jahren als Rettungssanitäter bringt Mark Schlumberger als „Mellow Mark“ wieder neue Songs heraus – und widmet sie den Helden im Blaulichtdienst. Seine musikalische Laufbahn begann er Anfang der 90er Jahre in der Bayreuther Schülerband „The Fake“. Seitdem hat er durchgehend Musik gemacht, gewann den Radio-Nachwuchspreis 2003, trat beim Bundesvision Song Contest 2012 an und veröffentlichte Songs mit Culcha Candela und Gentleman.

Nach einer längeren Pause bist du mit neuer Musik zurück. Wie waren die letzten Jahre für dich?

Ich habe mich 2020 aus der Musik zurückgezogen, da wollte ich erst mal nicht jeden Tag was posten und mich auf meine Ausbildung konzentrieren. Corona war schwierig für alle in meiner Branche. Du investierst und planst dein Jahr und dann fällt alles weg. Ich hab natürlich zuhause weiter Musik gehört und gemacht, auch mit den Kindern, aber meine eigenen Sachen erstmal liegen lassen. Es war schön, mal was anderes zu erleben als das Musikerleben. Das ist schon weit weg vom Leben der meisten Menschen. Und es ist auch mal gut, wenn einen nicht alle cool finden. Aus solchen schwierigen Situationen kommen andere Texte und man kann wieder mehr geben. Diese Erfahrung macht wohl jeder Musiker. Ich bin in den letzten Jahren selten aufgetreten, 2022 vielleicht fünf Mal. Da habe ich gemerkt, dass sich meine alten Songs nicht mehr so anfühlen wie früher. Weil ich jetzt anders bin

Wie hat dich dein neuer Alltag als Rettungssanitäter verändert?

Viele Leute sagen, “Das könnte ich nicht”, wenn sie mit Rettungskräften oder Pflegekräften sprechen. Ich glaube, dass das nicht stimmt. Klar, es ist außerhalb der Komfortzone, aber das ist doch da, wo man wirklich was erlebt.

Im Rettungsdienst muss man viele Skills verbinden: empathisch sein und in Notfällen gleichzeitig extrem ruhig, fokussiert und schnell sein. Ich habe dadurch eine andere Art von Fokus gelernt, die man so eigentlich gar nicht kennt, mit Handy und so. Außerdem habe ich gelernt, Probleme einfach anzugehen. Und mit dem Thema Tod in Berührung zu sein, verändert die Perspektive und man setzt neue Prioritäten. Das Thema Tod ist ein Schlüssel zum Leben.

Wie hast du dich entschieden, wieder Musik zu machen?

Es war kein fester Plan und ich habe ja auch in den letzen Jahren immer wieder Musik herausgebracht. Aber für dieses Album waren irgendwann einfach zwei, drei Songs da. Ich habe neue Erfahrungen gemacht, die ich teilen will. Und ich hab gemerkt, dass ich mich nicht entscheiden muss, ob ich jetzt Rettungssanitäter sein will oder Musiker, sondern dass ich beides bin. Das ist genau das, was ich machen will. Und ich bin extrem dankbar, dass ich Musik machen kann.

Wie finden deine Erlebnisse Eingang in die Musik?

Nach manchen Einsätzen denke ich lange darüber nach, was ich erlebt habe. Daraus entstehen Songs. Auf dem Album gibt es einen Song, der “Broken Heart Syndrome” heißt. Das beschreibt Symptome, die aussehen wie ein Herzinfarkt, aber durch Erlebnisse wie Trennungen oder Todesfälle ausgelöst werden. Ärzte können vieles heilen, aber kein gebrochenes Herz – das müssen wir selbst verarbeiten. Sowas finde ich faszinierend.

Deine Single „Rescue Män“ ist den Rettungs- und Pflegekräften gewidmet. Warum ist dir das wichtig?

Ich wollte einfach sagen: „Danke, dass ihr das macht.“ Der Song ist eine Hommage an die Menschen im Rettungsdienst. Klar, es gibt das Bild vom „Rettungsrambo“, das singe ich auch ironisch im Song. Aber in Wirklichkeit kommt es auf den Zusammenhalt im Team an – und auf die Fähigkeit, Fehler einzugestehen.

Wie reagieren denn deine Kolleginnen und Kollegen auf deine Musik?

Ich bin da eigentlich sehr zurückhaltend. Um meine Musik geht’s auf der Wache eigentlich nicht. Manchmal redet man aber schon drüber. Natürlich kommen Szenen aus der Wache in den Songs vor. Den „Rescue Män“ gibt es bei uns auf der Wache wirklich. Das ist sein Spitzname unter Kollegen. Und ein anderer Kollege hat unseren Job mal so beschrieben: „Pisse, Blut und Kacke“. Und das steckt ja auch im Song.

Ich würde gerne noch mehr für die Einsatzkräfte tun. Ich fände es total schön, verschiedene Einsatzkräfte zu einer Art Blaulicht-Fest zusammenzubringen, also Feuerwehr, Rettungsdienst, THW. Der Zusammenhalt ist in einem Beruf, in dem man zum Teil harte Erfahrungen macht, sehr wichtig. Es ist ein besonderer Job, wo man an die eigenen Grenzen geht. Bei so einem Fest stelle ich mir vor, mal einfach gemeinsam Party zu machen, das ist gut für den Teamgeist und man lernt die Kolleginnen und Kollegen besser oder neu kennen.

Was möchtest du mit deiner Musik erreichen?

Ich möchte Leute, die im Rettungsdienst und in der Pflege arbeiten, empowern. Ich will ihnen sagen: „Du bist was Besonderes, du bist toll und was du machst ist cool.“ Ein wichtiges Thema, das oft verdrängt wird, ist die psychische Gesundheit bei Rettungs- und Pflegekräften. Stichwort posttraumatische Belastungsstörung. Es gibt da glücklicherweise viele Hilfsangebote. Musik kann da vermitteln: „Du bist nicht allein“ und „Wenn du betroffen bist, bitte hol dir rechtzeitig Hilfe.“

Wir setzen als Gesellschaft oft die falschen Schwerpunkte: Es kann nicht nur darum gehen, ein möglichst bequemes Leben zu haben und schnell einen möglichst hohen Status zu erreichen. Es geht um das menschliche Zusammenleben. Und da ist es unglaublich wichtig, dass die Grundlagen des Zusammenlebens gesichert sind und es einen Zusammenhalt gibt. Und für diese Basis sind Pflege und Rettung elementar. Ich glaube: Veränderung kommt nicht aus der Politik, sondern aus der Gesellschaft. Und auch die müssen wir irgendwie retten.

Viele Menschen erleben ein starkes Gefühl von Zusammengehörigkeit bei Konzerten. Siehst du Kunst und Musik als Weg, diesen Zusammenhalt herzustellen?

Klar, gute Musik kann helfen, die Gedanken zu fokussieren und eine Plattform sein. Wobei ich nicht sagen würde, dass meine Musik politisch ist. Ich möchte auch kein Gegeneinander aufmachen, von wegen “Du darfst zum Konzert kommen und dich will ich nicht dabeihaben”. Wir sind als Menschen halt so, dass wir Gegensätze aufbauen, aber es sollte mehr um das Zusammen gehen und weniger um das Gegeneinander. Ich wünsche mir, dass die Leute sich auf meine Musik einlassen können und zusammen eine gute Zeit haben. Ich würde auch gerne mal wieder in Bayreuth und Umgebung auftreten.

Songs wie „Rescue Män“ oder „Sanitäta“ machen gute Laune, im Rettungsalltag erlebst du ja aber sicher auch Belastendes. Ist das eine Art Bewältigungsstrategie?

Die EP hat eine Leichtigkeit, man darf auch lachen oder schmunzeln. Aber im Album steckt mehr Schwere, weil ich dort verschiedene Themen aus dem Rettungsalltag verarbeitet habe. Ich finde: In manchen Berufen braucht man Humor, um die Realität auszuhalten – und auch das gehört in meine Musik.

Mellow Mark zu Besuch in der bt-Redaktion. © Stefanie Schweinstetter