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Mehr Arbeit für mehr Wachstum: IHK Oberfranken fordert Kurswechsel
Die Wirtschaft in Oberfranken steht unter Druck und sucht dringend nach Lösungen. Ein neues Positionspapier der IHK zeigt, wo Unternehmen jetzt Entlastung brauchen.
Die Lage ist ernst: Seit 2019 sind in Oberfranken laut IHK über 15.000 Industriearbeitsplätze verloren gegangen, allein 3.764 zwischen 2024 und 2025. Für IHK-Präsident Michael Waasner ist das ein klares Warnsignal. Besonders Industriebetriebe kämpfen mit steigenden Kosten und wachsendem internationalen Wettbewerbsdruck.
Hohe Kosten und viele Krankheitstage
Ein zentrales Problem aus Sicht der Unternehmen: die Personalkosten. Neben Löhnen treiben vor allem Fehlzeiten die Belastung nach oben. Deutschland liegt laut OECD bei den bezahlten Krankheitstagen mit 24,9 Tagen pro Person international an der Spitze. Für Unternehmen bedeutet das jährlich rund 76,7 Milliarden Euro an Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
Fehlzeiten steigen seit Jahren
Auch langfristig zeigt der Trend nach oben: Bei Betriebskrankenkassen stiegen die Krankheitstage von 12,6 Tagen (2008) auf 22,6 Tage (2022) – ein Plus von knapp 80 Prozent. Für viele Betriebe, gerade im Mittelstand, wird das zunehmend zur finanziellen Herausforderung.
Teilzeit auf Rekordniveau
Parallel dazu wächst die Teilzeitquote weiter. Im dritten Quartal 2025 lag sie bei 40,1 Prozent: ein neuer Höchstwert. Die IHK sieht darin ein strukturelles Problem: Weniger geleistete Arbeitsstunden insgesamt verschärfen den Fachkräftemangel zusätzlich.
Forderungen nach mehr Flexibilität
Die IHK fordert deshalb Reformen bei Teilzeitregelungen. Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm betont, dass mehr Flexibilität für Arbeitgeber und Beschäftigte nötig sei. Teilzeit müsse für beide Seiten besser planbar und effizienter gestaltbar sein.
Mehr Vollzeit durch bessere Rahmenbedingungen
Gleichzeitig spricht sich die IHK für stärkere Anreize zur Vollzeitbeschäftigung aus. Ein wichtiger Hebel: der Ausbau der Kinderbetreuung. So könnten mehr Menschen ihre Arbeitszeit erhöhen, wenn sie es möchten.
Bürokratie abbauen, Prozesse vereinfachen
Neben strukturellen Änderungen fordert die Wirtschaft auch konkrete Entlastungen im Alltag. Dazu zählen einfachere Regeln bei Krankmeldungen und eine Reduzierung bürokratischer Hürden, etwa bei der Übermittlung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen.
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Warnung vor sinkender Wettbewerbsfähigkeit
Für die Unternehmen ist die aktuelle Mischung aus hohen Kosten, Fachkräftemangel und Bürokratie gefährlich. Laut IHK droht ein Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, wenn nicht gegengesteuert wird. Besonders kleine und mittelständische Betriebe sehen sich zunehmend existenziellen Risiken ausgesetzt.
FAQ
Warum fordert die IHK mehr Vollzeitbeschäftigung?
Weil das gesamte Arbeitsvolumen sinkt und Unternehmen mehr verfügbare Arbeitsstunden brauchen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Was kritisiert die IHK an der aktuellen Teilzeitregelung?
Die bestehenden Regeln seien zu starr und würden die Bedürfnisse der Arbeitgeber nicht ausreichend berücksichtigen.
Welche Rolle spielen Krankheitstage für die Wirtschaft?
Hohe Fehlzeiten verursachen enorme Kosten durch Lohnfortzahlung und belasten besonders kleine und mittelständische Unternehmen.












Integration. Symbolbild: Pixabay
Ein VW ist auf der B2 mit einem ausgewachsenen Wildschwein kollidiert. © Pixabay