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Bayreuther Festspiele: Intendantin Wagner fordert mehr Geld – Freistaat hilft aus
Die Bayreuther Festspiele stehen vor finanziellen Herausforderungen, doch es gibt Hoffnung: Intendantin Katharina Wagner fordert mehr Geld von den Gesellschaftern, um die gestiegenen Personalkosten durch Tariferhöhungen zu decken und die künstlerische Qualität zu sichern. Bayerns Kunstminister Markus Blume hat bereits Unterstützung signalisiert.
Die Eröffnung der diesjährigen Festspiele am 25. Juli rückt näher. Im Vorfeld gab Intendantin Katharina Wagner im Podcast „BackstageClassical“ Einblicke in die aktuelle Lage und sprach offen über die finanziellen Nöte der Festspiele, die Notwendigkeit weiterer Verhandlungen und die neue Inszenierung.
Tarifsteigerungen belasten das Budget – Ruf nach Unterstützung der Gesellschafter
Katharina Wagner machte deutlich, dass die Bayreuther Festspiele aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Lage zu strukturellen Änderungen gezwungen sind. Die jüngsten Tarifsteigerungen beim Personal müssten die Festspiele derzeit aus eigener Tasche bezahlen, was de facto einer Kürzung des Etats gleichkomme. „Das Geld ist endlich“, betonte Wagner. Als Folge dessen wird in dieser Saison erstmals ein verkleinerter fester Chor auftreten, der bei einzelnen Aufführungen von Gästen unterstützt wird.
Bereits Ende 2023 mussten die Festspiele aufgrund höherer Energie- und Personalkosten sparen. Neben der Chorverkleinerung fiel auch das Jubiläumsprogramm für das kommende Jahr kleiner aus als ursprünglich geplant.
Wagner warnt jedoch: „Wir können meiner Meinung nach aus künstlerischer Sicht nur bis zu dem Punkt sparen, wo es künstlerisch keine Beeinträchtigung gibt.“
Sie fordert daher, dass die Tarifsteigerungen zukünftig von den Gesellschaftern, zu denen der Bund und der Freistaat Bayern gehören, mitgetragen werden. Andernfalls würde die künstlerische Qualität leiden. Optimistisch zeigte sie sich aber hinsichtlich gemeinsamer zukünftiger Lösungen, da sich alle Gesellschafter der Notwendigkeit weiterer Verhandlungen bewusst seien.
Künstlerfreundliches Arbeiten trotz Werkstattcharakter
Im Gespräch mit „BackstageClassical“ verteidigte Katharina Wagner auch den sogenannten Werkstattcharakter der Festspiele. Tenor Jonas Kaufmann hatte kürzlich in einem Interview kritisiert, dass dieser Charakter viele international gefragte Künstler davon abhalten würde, in Bayreuth aufzutreten, insbesondere da die Gagen nicht mit denen anderer Spitzenhäuser vergleichbar seien.
Wagner wies diese Bedenken zurück und betonte, dass Bayreuth auch über einen kleinen Flugplatz verfüge, was das Reisen erleichtere. Die Festspielleitung sei sich bewusst, dass Sänger auch anderweitig Geld verdienen und sich künstlerisch präsentieren müssen. Daher versuche man, dies zu ermöglichen, solange der „Werkstattgedanke“ seriös verfolgt werden könne. Im Gegensatz zu ihrem Vater erwarte sie nicht, dass Künstler sechs Wochen exklusiv zur Verfügung stünden, sondern versuche, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich anderweitig zu präsentieren.
„Meistersinger“ mit Bewegung und neuem Blickwinkel
Die diesjährige Eröffnung der Festspiele am 25. Juli bildet die Neuproduktion von Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg„. Regie führt Michael Davids, ein Musical-Regisseur. Diese Wahl sei eine bewusste Entscheidung für eine neue Perspektive, so Intendantin Wagner. Nach zwei sehr politischen Deutungen des Stücks habe sie diesmal eine Leichtigkeit und ein Augenzwinkern in die Inszenierung bringen wollen, mit dem Schwerpunkt auf der komischen Oper, die Wagner intendiert hatte.
Matthias Davids sei bekannt dafür, viele Menschen geschickt auf der Bühne bewegen zu können – eine Fähigkeit, die besonders für die „Meistersinger“ mit ihren großen Chor- und Statistenauftritten erforderlich sei. Die Inszenierung sei sehr choreografiert und es werde „viel los sein“ auf der Bühne, beispielsweise in der berühmten „Prügelszene“. Michael Spyres gibt sein Debüt als Stolzing. Die Aufführung kann sowohl live in Bayreuth als auch in ausgewählten Kinos verfolgt werden.
Rahmenprogramm und Jubiläumspläne
Neben den Hauptaufführungen gibt es auch in diesem Jahr wieder beliebte Open-Air-Konzerte, die das Festspielhaus für ein breiteres Publikum öffnen. Die Kinderoper bringt in diesem Jahr „Tannhäuser“ auf die Bühne und ist bereits ausgebucht. Für das 150-jährige Jubiläum im nächsten Jahr kündigte Wagner mit „Rienzi“ ein Stück an, das es in dieser Form noch nie bei den Bayreuther Festspielen gab.
Politik signalisiert Unterstützung
Nach den Aussagen von Katharina Wagner im Podcast hat sich auch die Politik zu Wort gemeldet. Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) bezeichnete Wagners Anliegen gegenüber der dpa als „absolut berechtigt“. Für den Freistaat Bayern könne er sagen: „Wir sind selbstverständlich bereit, die Tarifsteigerungen mitzutragen.“ Unabhängig davon befinde er sich mit dem Kulturstaatsminister des Bundes, Wolfram Weimer, „in guten Gesprächen“ zu den Festspielen.
Die Bayreuther Festspiele hoffen nun auf konkrete Zusagen und eine langfristige finanzielle Absicherung, um auch weiterhin höchste künstlerische Qualität bieten zu können.











Die Absolventinnen und Absolventen des Lehrgangs mit Regierungspräsident Florian Luderschmid (vorne links), Lehrgangsleiterin Iris Prey (vorne, zweite von rechts) und Hermann Ebert (links hinter Frau Prey). © Kristina Will, Regierung von Oberfranken
Alexander Nickl steht in der "Almwelt", einem neuen Trachtenladen im Bayreuther Industriegebiet Foto: bt-Redaktion