Zuletzt aktualisiert am
Braucht Bayreuth einen Digitalrat?
Bayreuth ist beim Onlinezugangsgesetz weit fortgeschritten. Die Fraktionsgemeinschaft Junges Bayreuth und FDP sieht jedoch noch weiteres Potenzial. Sie fordert nun einen eigenen Digitalrat für die Stadt – nach dem Vorbild Augsburgs.
Eine kaputte Bank melden oder einen Bauantrag einreichen. Das geht in Bayreuth seit einigen Jahren digital. Die JB/FDP-Stadtratsfraktionsgemeinschaft fordert einen ehrenamtlichen Digitalrat für Bayreuth, der die Digitalisierung der Verwaltung begleiten soll.
Junges Bayreuth und FDP wollen digitales Know-how bündeln
Einen entsprechenden Antrag stellte die Stadtratsfraktion am 22. Juli 2026. Ein Digitalrat könnte Politik und Verwaltung dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen und die Vorteile der Digitalisierung noch stärker für die Bürger zu nutzen, argumentiert JB-Stadträtin Ina Medick.
„Bayreuth verfügt über enormes digitales Know-how. Unsere Universität, die Fraunhofer-Institute, innovative Unternehmen und zahlreiche engagierte Akteure arbeiten bereits heute an den Lösungen von morgen. Dieses Wissen sollten wir systematisch für die Entwicklung unserer Stadt nutzen“, erklärt die JB-Stadträtin Ina Medick.
Zu diesem Zweck soll in Bayreuth ein Digitalrat entstehen. Laut Antrag verfügt Bayreuth aktuell über 2.384 digital verfügbare Verwaltungsleistungen und gilt damit als bayerischer Spitzenreiter bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG). Nach Auffassung der Fraktion verfügt Bayreuth über ideale Voraussetzungen für ein solches Gremium. Als Vorbild könnte der Digitalrat der Stadt Augsburg dienen, der dort bereits seit 2021 ehrenamtlich arbeitet.
Augsburg als Vorbild für den Digitalrat
Der Antrag orientiert sich stark am Augsburger Modell. Dort berät der Digitalrat sowohl den Stadtrat als auch die zuständigen Ausschüsse und besitzt dafür ein eigenes Berichtsrecht. Laut Satzung des Augsburger Digitalrats soll das Gremium „den Stadtrat sowie die Stadtverwaltung in allen Digitalisierungsbelangen“ beraten. Zudem soll er den Austausch zwischen Politik, Verwaltung, Bildungsträgern, Wirtschaft, Verbänden und Zivilgesellschaft fördern.
Ziel ist laut Satzung außerdem die Unterstützung der Verwaltung und der Entscheidungsträger bei Strategien und Strukturen für die digitale Transformation. Transparenz, Teilhabe und Mitgestaltung stehen dabei im Vordergrund.
In seiner ersten Amtszeit entwickelte der Augsburger Digitalrat eine „Digitale Agenda“ mit Empfehlungen für die weitere Digitalisierung der Stadt. Im Mittelpunkt stand die sogenannte „Bürger Experience“: Digitale Angebote sollten aus Sicht der Bürger gedacht werden – möglichst einfach, verständlich und für möglichst viele Menschen zugänglich.
Was könnte das für Bayreuth heißen?
Ein Bayreuther Digitalrat könnte beispielsweise den digitalen Bauantrag oder andere Online-Dienste aus Nutzersicht unter die Lupe nehmen: Was ist unverständlich? Welche Schritte sind unnötig kompliziert? Welche Angebote fehlen?
Das Thema könnte aber auch über das Rathaus hinausgehen und Mobilität, Schulen, Wirtschaft, Stadtplanung und Bürgerbeteiligung betreffen. Der Augsburger Digitalrat hat zum Beispiel ein Auge darauf, wie gut das W-LAN an den Schulen ausgebaut ist.
Digitalisierung als Gemeinschaftsaufgabe
Aus Sicht von JB und FDP geht kommunale Digitalisierung weit über gesetzliche Vorgaben hinaus. Bürgerinnen und Bürger könnten demnach auch von einer starken digitalen Infrastruktur, digitalen Bildungsangeboten und modernen Mobilitätskonzepten profitieren. Gleichzeitig beschäftigten sich Wirtschaft, Forschung und Zivilgesellschaft in Bayreuth bereits intensiv mit ähnlichen Themen. Deshalb brauche es eine bessere Vernetzung aller Beteiligten.
Ein Digitalrat soll genau diesen Austausch ermöglichen. Er soll Wissen bündeln und den Transfer zwischen den verschiedenen Akteuren erleichtern.
Schon gelesen? Wie digital ist Bayreuth – und was gibt es noch zu tun?
Wer im Bayreuther Digitalrat mitwirken könnte
JB und FDP nennen im Antrag bereits mögliche Mitglieder für den künftigen Digitalrat. Aus Forschung und Wissenschaft könnten etwa Vertreter der Universität Bayreuth, des BF/M-Forschungszentrums oder mehrerer Fraunhofer-Institute entsandt werden. Aus Wirtschaft und Gesellschaft kämen die IHK für Oberfranken, die Handwerkskammer sowie Unternehmen aus der Digital- und Start-up-Szene infrage.
Auch die Verwaltung selbst soll vertreten sein. Denkbar sind Vertreter des Amtes für Informationstechnik, der Wirtschaftsförderung, der Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH sowie der Schulverwaltung.
Die entscheidende Frage: Was folgt auf die Empfehlungen?
Ob ein Digitalrat tatsächlich etwas verändert, hängt allerdings von seiner Rolle ab. Ein Gremium, der allgemeine Ziele und Empfehlungen formuliert, dürfte wenig bewirken. Interessanter wird das Modell, wenn der Rat konkrete Projekte begleiten kann.
Wie ein Digitalrat in Bayreuth aussehen kann, will die JB/FDP-Fraktionsgemeinschaft nun zunächst prüfen lassen. Die Verwaltung soll ein Konzept mit möglichen Aufgabenfeldern, Kosten und einem Vorschlag für die Besetzung erarbeiten.
Die Idee ist damit weniger ein neuer Digitalisierungsplan als der Versuch, vorhandenes Wissen besser zusammenzubringen. Bayreuth hat bereits viele digitale Verwaltungsangebote. Die nächste Frage wäre, wie daraus Angebote werden, die Behördengänge für Bürger und die Arbeit in der Verwaltung tatsächlich einfacher machen.












Die Oberfrankenhalle. Archivbild: bt-Redaktion
Auf dem Foto sind zu sehen (v. l. n. r.): Projektleiter Thomas Weishäupl vom Fachbereich Tiefbau im Landratsamt; von der Baufirma Raab Alexandr Bogdan, Polier Peter Büttner, die beiden Geschäftsführer Wolfgang Schubert-Raab und Benedikt Raab sowie Bauleiter Sebastian Regel; Michael Schramm vom Ingenieurbüro ibbm; Hans-Peter Jander von der Regierung von Oberfranken; die Kreisräte Wolfgang Degen und Christian Hannig sowie der Hollfelder Bürgermeister Hartmut Stern; Landrat Florian Wiedemann; die Kreisräte und Bürgermeister Karl Lappe aus Mistelgau, Thomas Thiem aus Waischenfeld und Alexander Schrüfer aus Aufseß; sowie die Projektleiter Christian Höreth und Luisa Boeck und der stellvertretende Fachbereichsleiter Marco Roßner vom Fachbereich Tiefbau im Landratsamt. © Landkreis Bayreuth