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Jean Pauls verborgenes Bayreuth: Neue Gedenktafel enthüllt ersten Wohnsitz des Dichters
Wolfgang Walther wusste nichts über die Geschichte seines Hauses in der Maximilianstraße. Dank eines Hinweises von Stadtrat und Hobbyhistoriker Stephan Müller erinnert nun eine frisch enthüllte Gedenktafel an diesen lange übersehenen Ort.
Wolfgang Walther staunte nicht schlecht, als er vor ein paar Monaten in einem Artikel im Bayreuther Tagblatt von Stadtrat und Hobbyhistoriker Stephan Müller las, dass auch sein Haus in der Maximilianstraße 9 einst das zu Hause von Jean Paul war. Das Haus in dem auch das Bayreuther Lokal Zollhaus IX ist, war sogar die erste Wohnung des Dichters in Bayreuth! Walther hat die Gelegenheit ergriffen, Stephan Müller angerufen und eine Gedanktafel besorgt. Heute wurde die Tafel enthüllt. Ein Tag, der passender kaum sein könnte.
Heute, am 14. November 2025, jährt sich der Todestag des bedeutenden Schriftstellers Jean Paul (eigentlich Johann Paul Friedrich Richter) zum 200. Mal.
Der wahre Startpunkt in Bayreuth: Maximilianstraße 9
Die Maximilianstraße 9, das ehemalige Palais der Justizratswitwe Münch, war der tatsächliche Ort, an dem die Richters am 12. August 1804 Quartier bezogen. Und daran war seine Frau gar nicht unschuldig. Die war nämlich hochschwanger und wollte unbedingt eine Wohnung im Erdgeschoss oder maximal in der ersten Etage. Am Sonntag, den 12. August 1804, kam der damals 40-jährige Jean Paul völlig übermüdet mit seiner schwangeren Frau Caroline, den Kindern Emma (zwei Jahre) und Max (ein Jahr) sowie dem Spitz per Gepäckwagen in Bayreuth an.
Der monatelange Briefwechsel vor dem Umzug dokumentiert Carolines Wunsch, „eine untere Etage zu bewohnen, wo keine oder höchstens eine Treppe zu ersteigen ist.“ Und so bezogen sie die sechs Zimmer im ersten Stock des Hauses (damals Hauptstraße 54 genannt) für 100 Gulden im Jahr.
Die Entdeckung
Trotz der anfänglichen Mühen bemerkten die Richters erst am Tag nach ihrer Ankunft, „wie herrlich das Logis“ mit seinem großen Garten war. Die neue Gedenktafel an der Maximilianstraße 9 erinnert nun fest an diesen ersten, oft übersehenen Wohnsitz des Dichters in seiner Wahlheimat.
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Der letzte Weg: Vom Schwabacher Haus in den Leichenwagen
Die letzte Station von Jean Pauls Leben in Bayreuth war das Haus in der Friedrichstraße 5, bekannt als das Schwabacher Haus. Auch im Angesicht des Todes bewahrte der Dichter seinen charakteristischen, philosophischen Humor. Er schrieb an den Hausherrn, er wolle das Haus in der Friedrichstraße 5 „nicht anders verlassen als in einem bequemen Wagen ohne alles Gepäck, welchen die Leute den Leichenwagen nennen.“
Was dann am 14. November 1825 auch tatsächlich geschah. Die Würdigung des 200. Todestages verbindet somit den Anfang und das Ende von Jean Pauls Bayreuther Leben, von der ersten Wohnung in der Maximilianstraße 9 bis zu seinem Sterbehaus in der Friedrichstraße 5.











Kranzniederlegung zum 200. Todestag Jean Pauls ©Stadt Bayreuth
Symbolbild: Pixabay