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Katze anschaffen? Was Halter in Bayreuth vorher bedenken sollten
Katzen gehören zu den beliebtesten Haustieren in Deutschland. Doch bevor ein „Stubentiger“ einzieht, sollten künftige Halter nicht nur an Futter, Tierarztkosten und Platz denken. Auch ein oft unterschätzter Aspekt spielt eine Rolle: Hauskatzen sind effektive Jäger – und können erhebliche Auswirkungen auf Singvögel, Mäuse oder junge Hasen haben.
Erfolgreiche Jäger – auch in Wohngebieten
Selbst gut gefütterte Katzen jagen. Der Jagdtrieb ist ein natürlicher Instinkt und hat nichts mit Hunger zu tun. Besonders im Frühjahr und Sommer werden Freigängerkatzen für viele Wildtiere zur Gefahr.
Zu den typischen Beutetieren zählen:
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Singvögel wie Amseln, Meisen oder Rotkehlchen
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Junge Feldhasen und Kaninchen
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Mäuse und andere Kleinsäuger
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Eidechsen und Amphibien
Naturschutzverbände weisen seit Jahren darauf hin, dass Katzen in dicht besiedelten Gebieten erheblichen Druck auf lokale Vogelpopulationen ausüben können.
Gerade während der Brutzeit sind Vögel besonders gefährdet, etwa wenn Jungvögel das Nest verlassen und noch nicht richtig fliegen können.
Ein ungewöhnlicher Nebeneffekt: Der „Kampftiger“ gegen Tauben
Dass Katze auch Problemlöser sein können, zeigt eine Anekdote von Amtstierarzt Braunmiller: Ein Ehepaar in Bayreuth wurde seine Taubenplage auf der Photovoltaikanlage weder mit Raben–Attrappen noch mit Greifvogel–Geräuschen los. Erst der hauseigene „Kampftiger“ löste das Problem dauerhaft – nachdem die Katze die ersten Tauben geschlagen hatte, mieden die Vögel das Grundstück.
Verantwortung der Halter
Experten betonen deshalb: Wer eine Katze hält, trägt auch Verantwortung für die Auswirkungen auf die Umgebung.
Mögliche Maßnahmen sind zum Beispiel:
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Katzen während der Vogelbrutzeit zeitweise im Haus behalten
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Glöckchen oder spezielle Halsbänder, die Beutetiere warnen
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strukturreiche Gärten, in denen Vögel Versteckmöglichkeiten finden
Viele Tierheime empfehlen außerdem, Katzen nicht in den frühen Morgenstunden hinauszulassen – zu dieser Zeit sind viele Vögel besonders aktiv.
Passt eine Katze zu meinem Alltag?
Bevor der Einzug einer Katze geplant wird, lohnt sich ein realistischer Blick auf die eigene Lebenssituation.
Eine sehr kleine Wohnung kann für Katzen problematisch sein – besonders, wenn es keine Kletter- oder Rückzugsmöglichkeiten gibt. Wohnungskatzen brauchen Beschäftigung, Kratzbäume und Aufmerksamkeit.
Auch die Zeit spielt eine wichtige Rolle. Wer regelmäßig länger als acht Stunden außer Haus ist, sollte darüber nachdenken, zwei Katzen zu halten, damit sich die Tiere gegenseitig Gesellschaft leisten können.
Kosten werden oft unterschätzt
Neben Futter fallen regelmäßige Tierarztkosten für Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen an. Auch unerwartete Behandlungen können schnell mehrere hundert Euro kosten.
Ein wichtiger Sicherheitstipp für Wohnungen: Fenster sollten unbedingt mit einem Kippschutz gesichert werden, um lebensgefährliche Verletzungen zu vermeiden.
Beratung und Katzen kennenlernen im Tierheim Bayreuth
Wer sich noch unsicher ist, kann sich Unterstützung beim Tierschutzverein Bayreuth und Umgebung e.V. 1876 holen, der das Tierheim Bayreuth betreibt.
Dort warten Katzen jeden Alters auf ein neues Zuhause. Die Tiere werden vor der Vermittlung tierärztlich untersucht, geimpft und meist kastriert.
Für Menschen, die erst ausprobieren möchten, ob ein Zusammenleben mit Katzen passt, gibt es im Tierheim auch eine besondere Möglichkeit: Ehrenamtliche können als „Katzenstreichler“ Zeit mit den Tieren verbringen und erste Erfahrungen sammeln.
Verwilderte Katzen: So geht Bayreuth das Problem an
Neben Hauskatzen beschäftigt die Stadt auch das Thema verwilderter Tiere.
Dr. Braunmiller vom Veterinäramt Bayreuth erklärt:
„Eine verwilderte Katze will mit Menschen nichts zu tun haben. Sie kommt zum Fressen, lässt sich aber nicht anfassen.“
Um die Population zu kontrollieren, verfolgt Bayreuth seit einigen Jahren eine Strategie aus Einfangen, Kastrieren und Freilassen.
Die Tiere werden:
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eingefangen
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tierärztlich behandelt und kastriert
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anschließend wieder in ihr Revier zurückgebracht
Laut Veterinäramt konnte die Zahl der verwilderten Katzen so auf etwa 40 Prozent des ursprünglichen Bestands reduziert werden.
Warum es in Bayreuth keine Kastrationspflicht gibt
Tierschutzorganisationen fordern vielerorts eine verpflichtende Kastration für Freigängerkatzen. In Bayreuth wurde ein entsprechender Antrag jedoch im Haupt- und Finanzausschuss abgelehnt.
Die Begründung der Stadt: Da das bestehende Projekt erfolgreich arbeitet und derzeit nur noch etwa 44 freilebende Katzen registriert sind, sieht die Verwaltung aktuell keine rechtliche Grundlage für eine verpflichtende Verordnung.
Damit bleibt die Verantwortung weiterhin bei den Haltern.
Rechte und Pflichten für Katzenhalter
Wer in Bayreuth eine Katze hält, sollte auch einige rechtliche Punkte kennen.
Mietrecht
Katzen gelten rechtlich nicht automatisch als Kleintiere. In vielen Mietverträgen ist daher die Zustimmung des Vermieters erforderlich.
Nachbarschaft
Nach aktueller Rechtsprechung müssen Nachbarn in Bayern meist das Streunen von bis zu zwei Katzen auf ihrem Grundstück dulden.
Kennzeichnung
Tierärzte empfehlen dringend, Katzen zu chippen und bei Registern wie TASSO e.V. oder FINDEFIX zu registrieren. Nur so kann ein entlaufenes Tier im Tierheim Bayreuth schnell seinem Besitzer zugeordnet werden.
. Nur so kann ein entlaufenes Tier schnell seinem Besitzer zugeordnet werden.
Artenschutz
Während der Vogelbrutzeit sollten Halter besonders darauf achten, dass Freigängerkatzen Wildtiere nicht gefährden.
Checkliste: Bin ich bereit für eine Katze?
✔ Habe ich genügend Platz und sichere Fenster oder Balkon?
✔ Kann ich laufende Tierarztkosten und mögliche Notfälle bezahlen?
✔ Wird die Katze kastriert – besonders bei Freigang?
✔ Ist das Tier gechippt und registriert?
✔ Habe ich – falls nötig – die Zustimmung meines Vermieters?
Fazit
Katzen können wunderbare Begleiter sein. Gleichzeitig sind sie jedoch auch Raubtiere mit einem ausgeprägten Jagdinstinkt. Wer sich für eine Katze entscheidet, sollte deshalb nicht nur an das eigene Zuhause denken – sondern auch an die Auswirkungen auf Wildtiere in der Umgebung.












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