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Kirche Nemmersdorf: Maroder Turm, leeres Konto und die Zeit läuft
Die Kirche in Nemmersdorf war voll besetzt bei der Infoveranstaltung zur Sanierung. Die Kirche Nemmersdorf kämpft nicht nur gegen marode Mauern, sondern auch gegen ein Millionenloch.
Die Kirche Nemmersdorf bei Weidenberg steht vor einer Sanierungsaufgabe, die größer kaum sein könnte. Nicht nur nagt der Zahn der Zeit am Ostturm und am Dachstuhl, auch das finanzielle Fundament der Gemeinde bröckelt. Während das staatliche Bauamt dringenden Handlungsbedarf attestiert, reichen die bisherigen Eigenmittel der Kirchengemeinde, rund 227.000 Euro, kaum über den ersten Bauabschnitt hinaus. Insgesamt werden etwa 1,5 Millionen Euro benötigt. Und das in einer Phase, in der die evangelische Landeskirche ohnehin den Rotstift ansetzt.
Baumängel aus der Nähe: Dach marode, Turm in Notfixierung
Die Prüfung des staatlichen Bauamts zeichnen ein deutliches Bild: Die historische Kirche braucht dringend Hilfe. Dächer und Ostturm sind so stark beschädigt, dass Handwerker nicht einfach loslegen können. Zuerst musste ein umfassendes Sanierungskonzept her. Immerhin liegt das Konzept für die Dächer inzwischen vor, und der schrittweisen Umsetzung steht zumindest auf dem Papier nichts im Weg.
Ostturm im Fokus: Provisorien halten das Schlimmste ab
Besonders der Ostturm ist zur Problemzone geworden. Seile, Notabdichtungen: Was provisorisch zu sichern war, ist gesichert. Doch das hält nicht ewig. Die Sanierung des Dachstuhls samt Schieferdeckung schlägt mit einem kirchlichen Anteil von etwa 615.000 Euro zu Buche. Auch das Haupthaus, insbesondere die Übergänge zum Ostturm, ist in schlechtem Zustand. Weitere 316.000 Euro sind hier veranschlagt. Und selbst der westliche Turm verlangt rund 480.000 Euro an kirchlichen Mitteln.
Millionenprojekt auf dünnem Finanzpolster
Bis 2031 soll die Sanierung vollendet sein. Ein Drittel der Kosten übernimmt der Staat, der Rest bleibt an der Kirchengemeinde hängen. Doch die muss die fehlenden Mittel erst zusammentragen. Die Herausforderung ist gewaltig, denn parallel rollt der landeskirchliche „Prozess 2025“: Aufgrund sinkender Mitgliederzahlen, Kriegsfolgen und Corona-bedingter Einbrüche sollen kirchliche Gebäude langfristig halbiert werden. In dieser Sortierung könnte die Zukunft der Kirche Nemmersdorf ungemütlich werden.
Kirchensparkurs 2025: Wer bleibt, wer muss gehen?
Die Landeskirche entwickelt gerade Kriterien, nach denen entschieden wird, welche Gebäude in Zukunft bestehen dürfen. Die Kirche Nemmersdorf muss sich ihren Platz auf dieser Liste hart erkämpfen – und das mitten in einer millionenschweren Sanierung.
Fazit:
Die Sanierung der Kirche Nemmersdorf ist ein Wettlauf gegen Zeit, Witterung und den eigenen Geldbeutel. Dennoch stemmt sich die Gemeinde mit großer Entschlossenheit gegen den drohenden Niedergang eines kulturell wie historisch bedeutenden Bauwerks. Ob der Einsatz am Ende reicht, wird nicht nur am Zustand der Mauern entschieden, sondern auch am Kurs der Kirche insgesamt. Die Kirche jedenfalls rüstet sich und sammelt Spenden, Fördergelder und Zuschüsse. Eine Crowdfunding-Aktion ist ebenfalls angedacht.











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