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Bayreuth

Klimakleber-Aktion in Bayreuth: Das sagen Aktivisten und Polizei

Klimakleber haben in Bayreuth den Feierabendverkehr blockiert. Das bt hat mit Aktivisten, Polizei und Passanten gesprochen.

Die Aktivisten der “Letzten Generation” haben den Feierabendverkehr in Bayreuth auf einer wichtigen Straße gestört. Polizisten forderten die Klimakleber zum Gehen auf, doch ohne Erfolg.

Das bt hat vor Ort mit den Beteiligten gesprochen.

In Bayreuth kleben, damit Berlin handelt

Drei Aktivisten wollten sich an der Kreuzung Bernecker Straße/Albrecht-Dürer-Straße festkleben. Doch zwei waren zu langsam, Polizisten haben sie weggetragen, bevor sie sich festkleben konnten. Erfolgreicher war der Klimaaktivist Simon. Er war extra aus Regensburg angereist für die Aktion. “Wir sitzen hier, weil wir von der Bundesregierung fordern, dass wir ein 9-Euro-Ticket wiederbekommen”, sagte er zum bt. “Weil wir einen schnellen Wandel im Verkehrssektor benötigen.” Die Bundesregierung habe das nicht im Griff. Er verwies auch auf Dürren in Italien und Frankreich.

Simon selbst sagt, er habe kein Auto. “Aber es geht nicht darum, was Individuen tun. Es geht darum, dass wir in dieser Gesellschaft Regeln brauchen. Und die muss unsere Regierung machen.” Von Beruf sei er Elektroingenieur. “Ich hab meinen Beruf aber niedergelegt, weil ich jetzt im zivilen Widerstand bin, um unsere Lebensgrundlage zu schützen.” Das sei seine Hauptbeschäftigung zurzeit. Das ganze Interview mit Simon gibt es im Video weiter unten zu sehen.

Eine Polizistin löste seine festgeklebte Hand, forderte ihn zum Gehen auf. Er jedoch wollte sitzen bleiben, bis die Regierung handelt. Polizisten trugen auch ihn davon. Der Feierabendverkehr konnte daraufhin etwa eine halbe Stunde nach Beginn der Aktion wieder normal fließen.

Was droht den Aktivisten?

Einsatzleiter Benjamin Böhm von der Bayreuther Polizei wertete die Polizeiarbeit als Erfolg: “Insgesamt haben wir das doch sehr schnell gelöst.” Man habe den Aktivisten Zeit gelassen, den Protest auszudrücken und mit der Presse zu reden. “Wir wägen verschiedene Interessen gegeneinander ab”, sagte Böhm gegenüber dem bt. “Natürlich haben wir die Interessen der Autofahrer im Berufsverkehr, die nach einem Arbeitstag schnell nachhause wollen. Andererseits haben wir aber auch die Interessen der Klimaaktivisten.” Er als Einsatzleiter würde das als Versammlung einstufen. “Es steht unter dem Lichte des Versammlungsgesetzes. Und das ist in Deutschland ein sehr hohes Gut. Gottseidank ist das so.”

Droht den Aktivisten eine Strafe? Friedlicher Protest sei jederzeit möglich, so Böhm. In diesem Fall gebe es aber “den Anfangsverdacht einer Nötigung”, da Autofahrer gegen ihren Willen aufgehalten wurden. Außerdem müsse man Versammlungen eigentlich anmelden, was hier nicht geschehen sei. “Wir werden das Ganze natürlich zur Anzeige bringen”, sagte der Einsatzleiter. Die Polizei werde auch Kosten für den Einsatz erheben. Auf die Aktivisten könnte “ein niedriger vierstelliger Betrag zukommen”, falls sie zahlen müssen.

So haben Autofahrer und Passanten reagiert

Zwischendurch waren allerdings auch immer wieder Beschimpfungen von Autofahrern und Passanten zu hören gewesen. Ein 20-jähriger Bayreuther etwa hat sich am Straßenrand mit einem der Aktivisten gestritten. Er habe Verständnis für die Forderungen, sagte er, aber nicht für diese Aktionen. Auch eine 41-jährige Bayreutherin kritisierte die Form des Protests: “Klimaaktivisten sollen erstmal arbeiten”, sagte sie.

Einsatzleiter Böhm sah allerdings keinen großen Konflikt mit den Autofahrern. Der Verkehr sei ohnehin kaum zum Erliegen gekommen, weil stets eine Fahrspur frei gewesen sei. “Die meisten Autofahrer haben es recht gelassen genommen.”