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Gemeinsam das Klima schützen: Klimaportal Bayreuth geht online
Die Initiative Klimastimmen Bayreuth hat ein digitales Klimaportal veröffentlicht. Es soll den Fortschritt der Stadt auf dem Weg zur Klimaneutralität 2040 transparent machen – und Bürgerinnen und Bürgern zugleich zeigen, wie sie selbst beitragen können.
Unter dem Motto „Bayreuth verfehlt sein Klimaziel 2040. Gemeinsam geht viel mehr – wir zeigen, wie.“ ist das neue Klimaportal Bayreuth online gegangen. Die Plattform der Initiative Klimastimmen Bayreuth (ehemals Klimaentscheid) ist ab sofort erreichbar.
Ziel ist es, die Klimapolitik der Stadt kritisch zu begleiten, konkrete Vorschläge für wirksamen Klimaschutz zu machen und Bürgerinnen und Bürgern Mitmachmöglichkeiten aufzuzeigen.
„Wir wollen eine ehrliche Bestandsaufnahme“, betont Klimastimme Stephan Heinrich.
Rund zehn Mitglieder arbeiteten etwa ein halbes Jahr ehrenamtlich an dem Projekt, unterstützt vom Berliner Unternehmen Wandel WerkStadt, das Monitoring-Portale für Kommunen entwickelt. „Viele Nachtschichten, akribische Vorarbeit“, berichtet Mitglied Cornelia Huth. Ausgangspunkt war die Frage: Wo steht Bayreuth beim Klimaziel 2040?
Analyse: Drei zentrale Schwächen in Bayreuths Klimapolitik
Die Auswertung der Klimastimmen zeigt: Bayreuth ist beim Erreichen seiner Klimaziele schlecht aufgestellt. „Wenn die Trends so weiterlaufen, wäre Bayreuth selbst im Jahr 2100 noch nicht klimaneutral“, warnt Heinrich.
Die Initiative benennt drei zentrale Schwächen:
- Fehlende Quantifizierung: 92 % der Maßnahmen enthalten keine Zahlen.
- Kaum Umsetzung: 58 % der Projekte bleiben Vorarbeiten ohne konkrete Wirkung.
- Fehlende Verzahnung: Stadtwerke, Klinikum und GEWOG handeln ohne Einbindung in ein Gesamtkonzept.
Besonders kritisch sei der Bereich Wärme, der rund die Hälfte aller Emissionen verursacht.
Das Portal stützt sich auf öffentlich verfügbare Quellen wie das Marktstammdatenregister und statistische Jahrbücher. Neue Daten und Korrekturen werden laufend eingearbeitet. Auch eine engere Zusammenarbeit mit der Stadt und städtischen Unternehmen sei wünschenswert, um genauere Datensätze einzubinden.
„Unser Klimaportal lebt auch von den Ideen der Bayreutherinnen und Bayreuther“, betont Heinrich. Rückmeldungen und Vorschläge können an kontakt@klimaportal-bayreuth.de gesendet werden.
„Nur meckern kann jeder – wir wollen die Menschen in Bayreuth auch ermutigen und zeigen, was sie selbst tun können.“
Konstruktive Vorschläge
Die Klimastimmen betonen, dass ihre Arbeit nicht gegen die städtischen Klimaschutzmanagerinnen gerichtet sei, sondern die Diskussion bereichern solle.
Das Portal bündelt daher:
- eine kritische Analyse der aktuellen Klimapolitik,
- einen eigenen Klimaaktionsplan mit 40 Maßnahmen,
- sowie praktische Tipps und Mitmach-Angebote für Bürgerinnen und Bürger.
Auch Unternehmen sind ausdrücklich eingeladen, sich einzubringen. „Erfolgreich sind wir dann, wenn die Menschen verstehen: Ich kann meinen Beitrag leisten – und nicht nur die Stadtverwaltung ist verantwortlich“, fasst Heinrich zusammen.
Ulf Boderius ergänzt: „92 Prozent der Emissionen liegen außerhalb des direkten Einflusses der Stadt. Deshalb ist jeder gefragt – vom privaten Haushalt bis zum lokalen Unternehmen.“ Ein Vorbild sei die Firma Schlaeger in Bayreuth/Bindlach, die seit 2019 klimaneutral wirtschaftet.
Schon gelesen? Die Stadt Bayreuth hat seit einiger Zeit eine eigene Klimawebseite
Klimaaktionsplan: 40 Maßnahmen für das Ziel 2040
Um zu zeigen, wie Klimaneutralität tatsächlich erreichbar wäre, haben die Klimastimmen einen eigenen Klimaaktionsplan erarbeitet. Dieser basiert auf den „Topmaßnahmen“ des bundesweiten Netzwerks LocalZero, in dem sich mehr als 90 kommunale Initiativen engagieren.
Monitoring und Mitmachen: Was Bürger tun können
Das Klimaportal Bayreuth bietet neben Monitoring auch ganz konkrete Mitmachmöglichkeiten:
- Meldung von Dach- und Freiflächen für Solaranlagen an die Bayreuther Energiegenossenschaft BayTEG,
- Energieberatung für Haushalte,
- Übersicht über zivilgesellschaftliche Initiativen zum Schutz von Klima und Natur.
Damit wird das Portal zu einer Schnittstelle zwischen Politik, Zivilgesellschaft und engagierten Bürgern.
Drei zentrale Forderungen an die Stadt Bayreuth
Die Initiative richtet drei Kernforderungen an die Stadt:
- Versprechen halten – Umsetzung des Stadtratsbeschlusses von 2021 zur Klimaneutralität bis 2040.
- Wirkung entfalten – echte Emissionsreduktion durch wirksame Maßnahmen statt nur begleitender Konzepte.
- Mit allen gestalten – breite Bürgerbeteiligung, auch für benachteiligte Gruppen.
Hintergrund: Vom Klimaentscheid zu den Klimastimmen
Die Initiative geht aus dem Bürgerbegehren Klimaentscheid Bayreuth hervor, das 2021 über 5.200 Unterschriften für eine Klimaneutralität bis 2030 gesammelt hatte. Da die Forderung damals als „zu unbestimmt“ eingestuft wurde, erklärte die Stadt das Bürgerbegehren für unzulässig. Eine Klage dagegen scheiterte 2023 vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth.
Die Gruppe benannte sich 2024 in Klimastimmen Bayreuth um und arbeitet seitdem an einer unabhängigen Begleitung der Bayreuther Klimapolitik.
Ausblick
„Wir wollen Austausch schaffen“, sagt Huth. Besonders wichtig: die Regionale Klimakonferenz im November 2025. Sie findet zum dritten Mal in Bayreuth statt, diesmal mit einer eigenen Teilkonferenz Zivilgesellschaft. Dort wird das Klimaportal vorgestellt, ergänzt durch Workshops und Mitmachangebote.
Termin: Samstag, 15. November 2025, 13–17 Uhr im neuseum in der Innenstadt.











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