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Zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2026 | 21:04

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Stadtrat

Traglufthalle für das Kreuzsteinbad Bayreuth vorerst abgelehnt

von Katharina Müller-Sanke

Der Bayreuther Stadtrat Christian Wedlich fordert, dass eine innovative und kosteneffiziente Alternative zum geplanten Hallenbad-Neubau am Graf-Münster-Gymnasium geprüft wird: die Errichtung einer Traglufthalle über dem bestehenden Schwimmerbecken im Kreuzsteinbad. 

So könnte eine Traglufthalle aussehen. ©Christian Wedlich
So könnte eine Traglufthalle aussehen. ©Christian Wedlich

Update: Stadtrat lehnt innovative Idee ab

Die Verwaltung hat in der Stadtratssitzung am Dienstag (19. Mai 2026) die Argumente gegen die Traglufthalle vorgelegt.

Argumente gegen die Traglufthalle im Kreuzsteinbad

Ungeeignet für den Schwimmunterricht: Das Becken ist durchgehend zwei Meter tief. Eine variable oder ansteigende Wassertiefe – Grundvoraussetzung für die Schwimmausbildung – fehlt vollständig. Für Schulklassen wäre das Becken damit kaum nutzbar.

Infrastruktur nicht wintertauglich: Sanitäranlagen und Umkleiden sind nicht beheizbar und können nicht winterfest gemacht werden. Neue Einrichtungen müssten in die Halle integriert werden und verkleinern damit die ohnehin beengte Nutzfläche rund ums Becken.

Räumliche Enge am Standort: Das Becken liegt eingeklemmt zwischen Springerbecken und Hangfläche – die mögliche Hallenbreite ist damit von vornherein stark begrenzt. Eine Sommerlagerung der Hülle direkt vor Ort ist aus Platzmangel nicht möglich.

Sicherheitsrisiken im Winterbetrieb: Die Wege vom Eingang zum Becken sind unbeleuchtet und müssen im Winter schnee- und eisfrei gehalten werden. Streusalzeinsatz würde das Halleninnere belasten und die Wasserqualität gefährden.

Kosten deutlich höher als angenommen: Stadtratsmitglied Wedlichs Annahme von 600.000 Euro Anschaffungskosten ist laut Stadtwerken nicht nachvollziehbar. Allein die Halle kostet laut Angebot 2,4 Millionen Euro, die neue Energieversorgung weitere 125.000 Euro. Die Gesamtkosten pro Wintersaison belaufen sich auf rund 768.500 Euro.

Wirtschaftlichkeit nicht gegeben: Um die laufenden Kosten zu decken, wären 220.000 Gäste im Winterhalbjahr nötig – obwohl das Kreuzsteinbad in einer gesamten Sommersaison nur rund 150.000 Besucher zählt. Das Defizit müsste dauerhaft aus dem Stadthaushalt gedeckt werden.

Kannibalisierungseffekt bei anderen Bädern: Ein neues Winterschwimmangebot würde Besucher aus dem SVB-Bad und anderen städtischen Einrichtungen abziehen und dort bestehende Einnahmen schmälern, ohne insgesamt mehr Schwimmer zu gewinnen.

Steigende Energiekosten: Ab 2029 ist ein Biomethan-Pflichtanteil von mindestens 15 Prozent vorgeschrieben, was den Betrieb eines Erdgaskessels oder Blockheizkraftwerks – der einzig realisierbaren Heizlösung vor Ort – weiter verteuern wird.

Keine Fördermittel erreichbar: Die „Sportmilliarde“ fördert keine temporären Bauwerke wie Traglufthallen. Das Olympiastützpunkt-Programm richtet sich ausschließlich an anerkannte Leistungszentren, die es in Bayreuth nicht gibt. Alle drei geprüften Förderprogramme scheiden aus.

Diskussion im Stadtrat

In mehreren Wortmeldungen haben die Stadträte die Grundidee gewertschätzt. Man war sich aber weitgehend einig, dass die Entscheidung über eine mögliche weitere Prüfung davon abhängig ist, wie die Frage nach einer neuen Schwimmhalle für das Graf-Münster-Gymnasium ausgeht.

Der Verwaltungsvorschlag den Antrag Wedlichs abzulehnen wurde einstimmig angenommen. Sowohl von Seiten der CSU, namentlich insbesondere Helmut Parzen und von Seiten des Oberbürgermeisters Andreas Zippel wurde jedoch betont, dass der Antrag, sollte sich die Situation der Bäderlandschaft in Bayreuth grundlegend ändern, wieder aus der Schublade geholt werden könnte.

Ursprünglicher Artikel vom 12.5.2026

Innovative Lösung für Bayreuths Schwimmflächen-Problem

Der Bayreuther Stadtrat Christian Wedlich möchte, dass geprüft wird, ob über dem 50-Meter-Becken des Kreuzsteinbads eine Traglufthalle errichtet werden könnte, um das Freibad ganzjährig nutzbar zu machen. Ziel des Antrags ist es, zusätzliche Schwimmflächen für Schulen, Vereine und Freizeitsportler zu schaffen; und das kosteneffizienter und nachhaltiger als durch einen Neubau am Graf-Münster-Gymnasium.

Ausgangslage: Schwimmflächen dringend gesucht

Bayreuth hat ein Problem, das viele Städte haben: fehlende Wasserzeiten in den Wintermonaten. Vor allem nachdem die Schwimmhalle am Graf Münster Gymnasium nicht mehr genutzt werden kann, wird die Lage eng. Schulen und Schwimmvereine kämpfen um knappe Hallenzeiten, während das Kreuzsteinbad, eine der beliebtesten Freizeiteinrichtungen der Stadt, in der kalten Jahreszeit ungenutzt bleibt.
Wedlichs Antrag setzt genau hier an: Mit einer energieeffizienten Traglufthalle könnte das vorhandene 50-Meter-Becken auch im Winter betrieben werden.

Beispiel Frankfurt zeigt: Es funktioniert

Als Vorbild dient die Stadt Frankfurt am Main. Dort wurde im Stadtteil Nieder-Eschbach über einem Freibad eine Traglufthalle des Herstellers Paranet Deutschland errichtet: ein Modellprojekt, das sich laut Wedlich in der Praxis bewährt hat. Die Vorteile liegen auf der Hand: kurze Aufbauzeiten, modulare Nutzung, hohe Energieeffizienz und die Möglichkeit, bestehende Infrastruktur weiter zu verwenden.

Energiekonzept mit Blockheizkraftwerk und Wärmerückgewinnung

Das technische Konzept sieht den Einsatz eines Blockheizkraftwerks (BHKW) in Kombination mit einem Zentrallüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung vor. Das BHKW übernimmt die Beckenwassererwärmung und versorgt gleichzeitig die Lüftung mit Wärme.
Die Lüftungsanlage entfeuchtet die Halle, führt Frischluft zu und speist bis zu 80 % der Wärmeenergie zurück in den Kreislauf.
Dadurch sinken die Energiekosten erheblich, während CO₂-Emissionen reduziert werden: ein klarer Pluspunkt im Sinne der Nachhaltigkeit.

Technische Umsetzung: Flexible Traglufthalle mit langer Lebensdauer

Die geplante Traglufthalle soll aus einer mehrschichtigen Membrankonstruktion bestehen – innen PVC, dazwischen zwei Isolierfolien, außen PE.
Wichtige Merkmale:

  • UV-beständig, Brandschutzklasse 1, Nutzungsdauer mindestens 20 Jahre
  • Saisonaler Betrieb: Aufbau im Herbst, Abbau im Frühjahr
  • Lagerung direkt vor Ort im Kreuzsteinbad
  • Nutzung bestehender Umkleiden und Duschen – bei Bedarf winterfest umgestaltet

Damit wäre ein nahtloser Übergang vom Sommer- in den Winterbetrieb möglich, ohne große bauliche Eingriffe.

Kostenrahmen: Deutlich günstiger als ein Neubau

Laut Antrag belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 800.000 bis 1 Million Euro.
Davon entfallen:

  • ca. 600.000 Euro auf die Traglufthalle
  • ca. 250.000 Euro auf die zentrale Haustechnik (BHKW, Lüftung, Steuerung)

Zum Vergleich: Ein klassischer Hallenbadneubau – etwa am Graf-Münster-Gymnasium – wird vermutlich über 10 Millionen Euro kosten.
Zusätzliche Einsparungen ergeben sich durch die Nutzung bestehender Infrastruktur und mögliche PV-Eigenstromnutzung.

Vorteile für Schulen, Vereine und Freizeitsport

Eine Traglufthalle über dem Kreuzsteinbad würde gleich mehrere Ziele erfüllen:

  • Mehr Schwimmzeiten für Schulen und Vereine
  • Förderung des Schwimmunterrichts für Kinder
  • Gesundheits- und Breitensportförderung in der Region
  • Schnelle Realisierung und niedrige Betriebskosten
  • Nachhaltige Nutzung bestehender Anlagen statt teurem Neubau

Damit wäre Bayreuth in der Lage, den Schwimmunterricht und Vereinssport langfristig zu sichern – ohne hohe Investitionssummen.

Antrag an die Stadt Bayreuth

Stadtrat Christian Wedlich beantragt daher, dass die Stadt prüft:

  • die Errichtung einer Traglufthalle über dem Schwimmerbecken im Kreuzsteinbad,
  • die Umsetzung eines Energiekonzepts mit BHKW, Zentrallüftungsgerät und PV-Unterstützung,
  • sowie die Einholung von Angeboten und die Durchführung einer Wirtschaftlichkeitsanalyse.

Fazit: Projekt mit möglichem Vorbildcharakter soll geprüft werden

Die Idee einer Traglufthalle im Kreuzsteinbad Bayreuth klingt nach Innovation, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Mögliche Einwände gegen das Projekt wird die Verwaltung erarbeiten. Sie wird – wenn der Stadtrat zustimmt – das Projekt umfassend prüfen. Ob Bayreuth diesen Weg einschlägt, liegt in den Händen des Stadtrats.

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