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„Leonce und Lena“ in der Eremitage: Studiobühne überzeugt mit gelungener Inszenierung
Mit Georg Büchners Komödie „Leonce und Lena“ bringt die Studiobühne Bayreuth politische Satire, Humor und Romantik auf die Bühne des Römischen Theaters. Die Inszenierung von Ulrike Zeitz nutzt die besondere Atmosphäre der Eremitage wirkungsvoll aus.
Der wichtigste Literaturpreis in Deutschland ist ausgerechnet nach einem Mann benannt, der eigentlich Mediziner war und nur ganz nebenbei mit „Dantons Tod“, „Lenz“, „Woyzeck“ sowie „Leonce und Lena“ nur vier Werke geschrieben hat, die alle erst nach dessen Tod ihre Uraufführung erlebten.
Politische Satire im Römischen Theater der Eremitage
Denn Georg Büchner, wie Richard Wagner ein Babyboomer des Jahres 1813, starb schon im Alter von 23 Jahren.
Die Studiobühne Bayreuth wartet in diesen Tagen im Römischen Theater der Eremitage mit Büchners „Leonce und Lena“ auf. Das Lustspiel ist gleichzeitig eine politische Satire. Büchner, der sich mit seiner Revolutionsschrift „Der hessische Landbote“ („Friede den Hütten! Tod den Palästen!“) als Revolutionär im Vormärz einen Namen machte, nimmt in seiner Komödie den Adel und die deutsche Kleinstaaterei kräftig aufs Korn.
Der exzentrische König Peter, von Birgit Franz großartig verkörpert, Herrscher im Königreich Popo, will seinen permanent gelangweilten Sohn Leonce mit Lena aus dem Königreich Pipi verheiraten. Auf eine arrangierte Ehe haben jedoch beide Königskinder keine Lust. Leonce flieht mit Diener Valerio nach Italien, Lena mit Gouvernante Valentina auch.
Wie’s der Zufall will: Ohne sich zu erkennen, treffen sie bald aufeinander. Sie verlieben sich, sodass schon zu Beginn des zweiten Aktes nichts mehr gegen ein Happy End einzuwenden ist.
Bis es tatsächlich soweit ist, haben Valerio und Valentina, die sich freilich auch näher kommen, alle Hände voll zu tun.
Überzeugende Darsteller
In diesen vier Hauptrollen überzeugen Tim Sokollek und Olha Hordyshevska als Leonce und Lena sowie der espritgeladene Jürgen Fickentscher als Valerio und die umsichtige Gabriela Paule als Valentina in ihrem Spiel. Sicher hätte Georg Büchner selbst den jungen Tim Sokollek als Idealbesetzung seines Leonce gesehen.
Sie alle wurden, wie auch die spielfreudigen Nebendarsteller Rebecca Brinkmann, Monika Gut, Hans-Jürgen Honikel, Levent Civan, Harald Höreth, Lars Neufer, Rahel Rosenwald und Zacharie Tissier von Martha Binder mit fantasievollen Kostümen ausgestattet.
Durchdachte Regiearbeit
Man sieht die Mühe, die sich Regisseurin Ulrike Zeitz mit ihrem Dramaturgen René Becher bei der Vorbereitung gegeben hat. In ihrer Stückfassung lassen sie Lena und Valentina in einer sehr schönen Überblendung bereits am Anfang im Königreich Pipi auftreten, während das Duo bei Büchner überhaupt erst nach der Pause vorkommt.
Erfunden hat Zeitz den Namen Valentina, die bei Büchner nur die Gouvernante ist. Wenn schon das Stück Leonce und Lena heißt und die Königreiche Popo und Pipi, warum soll nicht Valerio seine Valentina bekommen.
Überraschend stimmig baut die Regisseurin Auszüge aus Büchners „Hessischen Landboten“ in ihre Fassung ein. Nach dem Vortrag von Hans-Jürgen Honikel als Finanzminister können viele geschichtsgeschädigte Ex-Schüler humorvoll ihren Frieden mit Büchners Revolutionsschrift schließen.
Stimmungsvolles Licht im Ruinentheater
Wie bei allen Eremitage-Aufführungen der Studiobühne freut man sich in der Pause auf den zweiten Akt, wenn die Techniker nach Einbruch der Dunkelheit für stimmungsvolle Lichtspiele im Ruinentheater sorgen. Prädikat: Empfehlenswert.
Büchner und die Bayreuther
Zu Georg Büchner lassen sich Verbindungen von Persönlichkeiten in Bayreuth und Donndorf herstellen. Begeistert war Büchner von dem Bayreuther Rechtsanwalt Georg August Wirth, der 1832 das Hambacher Fest organisierte.
Sein Förderer Karl Gutzkow, der Büchners „Dantons Tod“ verlegte und in seinem Theaterstück „Zopf und Schwert“ die spätere Markgräfin Wilhelmine zu Wort kommen lässt, war Patient in der Donndorfer Anstalt für Gemütskranke St. Gilgenberg (heute das Rathaus Eckersdorf).
Dort war auch Oskar Panizza Patient. Der umstrittene Schriftsteller stand vorher im Mai 1895 in München in der Uraufführung von „Leonce und Lena“ als Hofmeister und Hofprediger auf der Bühne. Zwei Jahre nach seiner Einweisung in Donndorf wechselte er 1907 als einziger psychiatrischer Patient in das Luxussanatorium Mainschloss (Herzoghöhe) von Dr. Würzburger. Oskar Panizza, der selbst Psychater war und bis zwei Jahre vor dessen Tod im Starnberger See von Dr. Bernhard von Gudden ausgebildet wurde, starb 1921 in Bayreuth.
Wer beim Besuch in der Eremitage endgültig in die Zeit von Georg Büchner eintauchen will, betrachte die kleine Holzkapelle direkt neben Wilhelmines Ruinentheater.
Herzog Pius in Bayern, Großvater der Kaiserin Sisi, ließ die Kapelle zu Büchners Lebzeiten neben seinem Wohnsitz im Schloss Eremitage errichten. Er starb – wie Georg Büchner – im Jahr 1837.












Die Lohengrin Therme in Bayreuth. Foto: Lohengrin Therme
Maximilianstraße Bayreuth Bild: Neele Boderius