Bier

Leergut-Situation bei Bayreuther Brauereien: Bald acht Euro Pfand pro Kasten Bier?

Dass der Rücklauf von Leergut an die Brauereien schon mal ins Stocken kommen kann, ist nicht neu. Das macht die Lage allerdings nicht besser. Das bt hat in der Stadt und im Landkreis Bayreuth nachgefragt – bei denen die es wissen müssen.

Dieses Problem wird gerne mal für einen Marketing-Gag gehalten: Den Brauereien geht im Sommer das Leergut aus. Das bt hat sich dazu umgehört und bei Brauereien in und um Bayreuth nachgefragt. In einer Brauerei brauen die ausgelernten Azubis sogar ihr eigenes Bier.

„Corona hat die Lage verschärft“: Deswegen betteln Brauereien förmlich um die Rückgabe von Leergut

Bayerischer Bauernbund

„Corona führt zu längeren Umlaufzeiten des Leerguts“, erklärt Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer vom Bayerischen Bauernbund auf Nachfrage des bt. Der Grund: Vor den Erleichterungen in Sachen Infektionsschutz seien die Menschen nicht in der Regelmäßigkeit einkaufen gegangen wie vor der Pandemie. Vereinfacht gesagt: Viele haben nicht nur Klopapier gehortet, sondern auch Getränke auf Vorrat gekauft. „Diese Kisten stehen jetzt in den Kellern und Vorratskammern.“ Das Problem sei damit noch nicht vollumfänglich beschrieben.

„Es gibt Veränderungen im Konsum“, erklärt Lothar Ebbertz weiter. „Der Pro-Kopf-Verbrauch sinkt.“ Dagegen würde die Vielfalt steigen: Biertrinker würden sich bewusst für mehrere Marken und Sorten entscheiden. „Da wird dann im Getränkemarkt eine Kiste mit verschiedenen Bieren und damit verschiedenen Flaschen zusammengestellt.“ Weiter gedacht zur Bevorratung: Menschen kaufen mehr auf einmal, trinken aber deswegen nicht schneller. „Corona hat dieses Problem nicht leichter gemacht“, sagt Ebbertz.

Auch die Möglichkeit, im gut sortierten und gut vernetztem Getränkefachhandel Bierspezialitäten aus ganz Deutschland bekommen zu können, führe zum Leergut-Engpass. Die Kisten auf den Höfen von Getränkemärkten wenigstens nach Brauereien zu sortieren sei bei kleinen und Kleinstmengen einer speziellen Kiste reiner Luxus. „Sie stehen erstmal nur rum und nehmen Platz weg.“ Die Folge: „Diese Kisten brauchen erheblich länger, bis sie zur eigentlichen Brauerei zurückkommen.“

Zusammenfassung: Es wird nicht mehr getrunken, im Gegenteil. Bier wird genossen und in der Pandemie bevorratet. Das führt zu längeren Umlaufzeiten. Die Verfügbarkeit von Bierspezialitäten überall und praktisch aus ganz Deutschland verstärkte das Problem schon vor Corona.

Bereits das sind viele Faktoren. Ein weiterer ist die Flaschendiversität. Neben gestiegenen Rohstoffpreisen und dem langen Pfandrücklauf gehe es auch um die vielen unterschiedlichen Flaschen, so Ebbertz. Auch deswegen stünden Brauereien für eine Erhöhung des Pfandes ein.

Brauerei Gebr. Maisel, Bayreuth

Dass es in den Sommermonaten schon mal eng werden kann mit dem Leergut, sei ganz normal, so Marc Goebel, Geschäftsführer Braubetrieb der Brauerei Maisel. Dort werde zwar massiv in Leergut investiert, es sei aber schwierig, die Spitzen abzudecken. Kurzfristig könne es zu Engpässen kommen. „Daher bitten wir darum, die Kisten nicht ewig einzulagern, sondern frühzeitig zum Getränkehändler zurückzubringen.“

Bei der Brauerei Maisel werden drei verschiedene Flaschenarten benutzt: NRW-Flasche, Longneck-Flasche 0,33 l und 0,75-l Flasche. Die Qualität der zurückgegeben Kisten sei in punkto Sortenreinheit der Flaschen ganz unterschiedlich. „Wir freuen uns natürlich sehr über Kisten, die mit der richtigen Flaschensorte vollständig befüllt sind“. Es gebe aber auch jede Menge Kisten, die unterschiedliche Flaschen enthalten. „Die Flaschenarten, die wir selbst nicht verwenden, müssen wir wieder dem Mehrwegkreislauf zuführen.“

Vor und bei der Abfüllung muss das Leergut in einer Brauerei sortiert werden: Andersartige Flaschen wie etwa die Individualflaschen (z.B. Veltins) werden gesammelt und mit einem Leerguthändler getauscht. Das kostet und diese Kosten steigen, insbesondere weil es so viele Individualflaschen gibt. „Die Kosten liegen mittlerweile bei einem niedrigen zweistelligen Betrag pro Hektoliter Verkaufsbier“, sagt Marc Goebel. „Das läppert sich.“

„Einige bayerische Brauer haben vor zwei Jahren ein höheres Kastenpfand gefordert. Das ist nachvollziehbar, doch die damalige Vorgehensweise der beteiligten Brauer halte ich für kontraproduktiv. Bevor man mit einem solchen Thema an die Öffentlichkeit geht, sollten sich alle Beteiligten erst einmal zusammensetzen, offene Fragen klären und gemeinsam eine funktionierende Lösung erarbeiten. Fragestellungen wären beispielsweise, wie Flaschen mit unterschiedlichen Pfandsätzen in der Umstellphase gekennzeichnet werden. Dies ist leider bis heute nicht geschehen.“

Marc Goebel (Geschäftsführer Braubetrieb Brauerei Gebr. Maisel)

Die Mehrwegflaschen seien in der Anschaffung teurer geworden und würden nicht mehr die Umlaufzahlen von früher erzielen. „Wenn sich alle einig wären und es eine praktikable Lösung gäbe, wären auch wir dafür, die Pfandsätze zu erhöhen.“

Krug-Bräu, Breitenlesau

„Es ist eine Katastrophe“, sagt Konrad Krug vom Krug-Bräu in Breitenlesau. Die Situation in Sachen Leergut-Umlauf sei schon vor Corona bekannt gewesen. „Das Virus hat sie verschärft.“ Rohstoffknappheit führe zu höheren Preisen für neue Flaschen und Kisten, um die Nachfrage nach Vollgut bedienen zu können. Darüber hinaus würden große Braukonzerne den Markt für Leergut (Flaschen wie Kisten) leerkaufen. Krug rechnet vor:

  • Eine Kiste kostet in der Anschaffung 4,80 Euro.
  • Eine sogenannte EURO-Flasche, wie sie die Brauerei Krug verwendet, kostet 15 Cent.
  • Das macht bei 20 Flaschen pro Kiste also 3 Euro.
  • Zwischensumme: 7,80
  • Pfand derzeit: 3,10 Euro

„Wir brauchen einen Pfand von acht Euro pro Kiste“, fordert der Bierbrauer aus Breitenlesau. Die kleinen und mittelständischen Brauereien könnten sonst nicht mit den Großen mithalten.

Bayreuther Tagblatt - Raphael Weiß

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Raphael Weiß