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Leerstandsmanagement Bayreuth: Konzepte gegen Leerstand

Leerstandsmanagement in Bayreuth: Wenn aus leeren Schaufenstern neue Lebensräume werden

von Sinan Ottavianelli

Leere Ladenflächen gelten oft als Zeichen des Niedergangs. Doch Bayreuth geht einen anderen Weg: Die Stadt versteht Leerstand als „Ermöglichungsraum“. Vom Pop-up-Café bis zur Theaterbühne zeigt sich, wie kreative Konzepte die Innenstadt beleben – und wo das Leerstandsmanagement an seine Grenzen stößt.

Leerstand in der Innenstadt muss kein Verlust sein – im Gegenteil. In Bayreuth sieht die Stadtverwaltung leerstehende Gebäude bewusst als Chance. Das Ziel des Leerstandsmanagements ist es, diese Räume temporär zu nutzen, sie dadurch zu beleben und langfristig neue Perspektiven zu schaffen. Durch Beratung, Vermittlung und gezielte Förderprogramme sollen Flächen für Wohnraum, Gewerbe oder Kultur geöffnet werden, die sonst ungenutzt verfallen würden.

Kultur statt Staub: Pop–Up–Konzepte als Impulsgeber für Bayreuth

Bereits seit einigen Jahren sorgen kreative Zwischennutzungen dafür, dass Schaufenster und Ladenflächen Teil des öffentlichen Lebens bleiben. Ein prominentes Beispiel: Während des „Bayreuth Sommertime“ 2020 verwandelten Studierende der Theaterwissenschaften ein leerstehendes Geschäft in der Richard–Wagner–Straße in eine Bühne. Das Projekt „RW 11“ verlieh der City urbanes Flair und schlug eine wichtige Brücke zwischen der Universität und der Stadtgesellschaft.

Auch 2021 setzte die Performance „DAZWISCHEN“ ein deutliches Zeichen für das Potenzial temporärer Nutzung. Dass diese Konzepte oft nur von kurzer Dauer sind, liegt in ihrer Natur: Im Falle der RW 11 konnte kurz darauf ein neuer Einzelhändler als dauerhafter Mieter gewonnen werden – ein Erfolg für das Leerstandsmanagement. 2022 wurde mit dem „Jean–Paul–Art–Space“ in der Friedrichstraße bereits die nächste Spielstätte erschlossen.

Das Beispiel LOLA: Von Europaletten und urbanem Lebensgefühl

Ein Paradebeispiel für gelungene Belebung ist das Pop–Up–Gastronomiekonzept LOLA. In ehemaligen Ladenflächen, etwa in der Eysserhauspassage, entstehen immer wieder temporäre Bars oder Cafés. Mit ihrem charakteristischen provisorischen Charme – oft eingerichtet mit Möbeln aus Europaletten oder Fundstücken aus Betriebsauflösungen – ist LOLA zum festen Treffpunkt für junge Menschen geworden. Solche Projekte werden häufig direkt durch die Leerstandsinitiative der Wirtschaftsförderung angestoßen.

Dass aus Provisorien Dauerhaftigkeit entstehen kann, zeigen auch andere Projekte: Die Malgemeinschaft am Röhrensee fand in der Kunstkaserne eine neue Heimat. Die Galerie RW44 bestand über fünf Jahre lang als fester Bestandteil der Kunstszene, bevor das Gebäude saniert wurde.

Netzwerk–Management: Vermittler zwischen Eigentümern und Kreativen

Trotz aller Erfolge ist der Weg zur Zwischennutzung oft steinig. Kultur– und Kreativschaffende sowie Start–Ups stoßen bei Immobilienbesitzern häufig auf Vorbehalte. Fehlende Referenzen oder Netzwerke erschweren den Zugang zu freien Flächen.

Hier greift das städtische Leerstandsmanagement als Moderator ein. Es vermittelt zwischen Eigentümern und Interessenten, baut Vertrauen auf und öffnet Türen zur Immobilienbranche. Das Ziel ist eine Win–Win–Situation: Eigentümer profitieren von der Aufmerksamkeit und dem Werterhalt ihrer Immobilie, während Nutzer bezahlbare Räume für ihre Visionen erhalten.

Über eine interne „Suche & Biete–Kartei“ werden Kontakte systematisch geknüpft. Das Angebot gilt für die gesamte Region: Bayreuth kooperiert eng mit Hof und Wunsiedel im Fichtelgebirge, um den Ortskernen ein neues Gesicht zu geben.

Wenn Pläne scheitern: Das Rätsel um das Fitness–Konzept „The.Gym“

Dass jedoch nicht jedes ambitionierte Projekt von Erfolg gekrönt ist, zeigt ein aktuelles Beispiel im Gewerbegebiet „Glocke“. In der Karl–von–Linde–Straße 6, wo einst der Real–Markt ansässig war, sollte im Januar 2026 das Fitnesskonzept „The.Gym“ eröffnen. Mit 800 Quadratmetern Trainingsfläche und einem 24/7–Konzept wurde das Projekt seit Mai 2025 auf Instagram beworben.

Doch wer heute vor dem Gebäude steht, blickt auf verlassene Werbebanner. Stand Ende Januar 2026 herrscht Funkstille: Die Website ist nicht mehr erreichbar, auf Social Media gab es seit September kein Lebenszeichen mehr und vor Ort deutet nichts auf einen baldigen Trainingsbetrieb hin. Es bleibt abzuwarten, ob sich in der Karl–von–Linde–Straße noch etwas bewegt oder ob das Leerstandsmanagement hier erneut gefordert ist, nach einem dauerhaften Nachmieter zu suchen.

Service & Kontakt für Eigentümer und Mieter

Eigentümer und Interessierte finden beim Leerstandsmanagement professionelle Unterstützung:

  • Sanierungscoaching: Fachliche Einschätzung zu Umbau, Kosten und Machbarkeit.
  • Fördermöglichkeiten: Beratung zu Städtebau– und Klimaschutzprogrammen.
  • Genehmigungen: Vermittlung zum Bauordnungsamt und Denkmalschutz.

Kontakt: leerstandsmanagement@stadt.bayreuth.de