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Mehr Beschäftigte in Bayreuth, weniger in der Industrie
Die Stadt Bayreuth hat seit 2019 über 3.600 neue Beschäftigte gewonnen – doch hinter den positiven Zahlen steckt ein wachsendes Strukturproblem: Die Industrie verliert, der öffentliche Sektor wächst.
Bayreuth wächst – aber nicht überall
Die Stadt Bayreuth hat seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 rund 3.600 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte hinzugewonnen und zählt nun 51.627 Beschäftigte. Der Landkreis Bayreuth blieb mit einem Plus von 91 auf 24.340 Beschäftigte weitgehend stabil. Das zeigt eine regionalisierte Analyse der IHK für Oberfranken Bayreuth auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit. Damit setzt sich der Raum Bayreuth klar vom oberfränkischen Gesamttrend ab – der ist deutlich düsterer.
Wer in der Stadt zulegt – und wer verliert
Die stärksten Zuwächse in der Stadt Bayreuth verzeichnen die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+542), Erziehung und Unterricht (+478) sowie die öffentliche Verwaltung (+472). Im Minus stehen das Verarbeitende Gewerbe (-242) und die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (-116).
Im Landkreis Bayreuth fällt der Rückgang im Verarbeitenden Gewerbe mit minus 745 Stellen deutlich stärker aus. Gegenläufig entwickeln sich das Gesundheits- und Sozialwesen (+194) sowie die wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+281).
Breite Aufstellung schützt Bayreuth
Jörg Lichtenegger, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth, erklärt die vergleichsweise robuste Entwicklung der Stadt: „Unsere Industrie ist einfach breiter aufgestellt, die Abhängigkeit etwa von der Automobilindustrie ist nicht so stark ausgeprägt.“ Besonders erfreulich sei der Gesamtzuwachs von 823 Beschäftigten bei wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen in Stadt und Landkreis zusammen: „Davon profitiert der gesamte Standort Bayreuth.“
Verwaltung wächst – Industrie spart: Ein Missverhältnis
Den Beschäftigungsaufbau in der öffentlichen Verwaltung sieht Lichtenegger kritisch: „Während die wertschöpfende Industrie gezwungen ist, Stellen abzubauen und effizienter zu werden, wächst der öffentliche Sektor ungebremst weiter. Das kann so nicht weitergehen.“ Sein Appell ist klar: Prozesse müssen modernisiert, die Digitalisierung endlich voll ausgeschöpft werden. „Es kann nicht sein, dass die Privatwirtschaft mit immer weniger Personal auskommen muss, während auf Seiten der Verwaltung ständig neue Stellen geschaffen werden.“
„Wieder zum kranken Mann Europas geworden“
Den Industrierückgang bezeichnet Lichtenegger als hausgemachtes Problem – nicht als Folge geopolitischer Unsicherheiten, die andere Länder ähnlich träfen. „Wir haben uns in Deutschland zu sehr auf den Erfolgen vergangener Jahre ausgeruht und gar nicht gemerkt, dass wir wieder einmal zum kranken Mann Europas geworden sind.“ Der Standort Deutschland brauche dringend Fortschritte beim Bürokratieabbau, bei Unternehmenssteuern, bei den Energiepreisen und bei der Infrastruktur. Lichtenegger greift dabei zu einem konkreten Bayreuther Beispiel: „Wo sonst gibt es ein Oberzentrum, das monatelang nicht per Bahn, sondern praktisch nur per Schienenersatzverkehr erreichbar ist?“
Oberfranken: 15.000 Industriestellen weg seit 2019
Das Gesamtbild für Oberfranken fällt deutlich düsterer aus. Das Verarbeitende Gewerbe verlor seit 2019 15.252 Beschäftigte – ein Minus von 11,1 Prozent. Zwar entstanden oberfrankenweit in der Summe rund 4.200 neue Arbeitsplätze, doch die Entwicklung kippt: Im Vergleich zu 2024 verzeichnet die Region bereits einen Rückgang von 1.858 Beschäftigten. Wachstum gibt es noch in der öffentlichen Verwaltung (+5.741), im Gesundheits- und Sozialwesen (+3.342) sowie in Verkehr und Erziehung – strukturtragende Branchen verlieren dagegen weiter.
FAQ
Wie hat sich die Beschäftigung in Bayreuth seit 2019 entwickelt?
Die Stadt Bayreuth hat 3.603 neue Beschäftigte gewonnen und zählt nun 51.627. Der Landkreis blieb mit einem Plus von 91 auf 24.340 Beschäftigte weitgehend stabil.
Welche Branchen wachsen in Bayreuth?
Besonders stark wachsen wissenschaftliche und technische Dienstleistungen, Erziehung und Unterricht sowie die öffentliche Verwaltung.
Warum verliert die Industrie in Bayreuth weniger als anderswo?
Laut IHK ist die Bayreuther Industrie breiter aufgestellt und weniger abhängig von einzelnen Branchen wie der Automobilindustrie.
Wie sieht die Lage in Gesamtoberfranken aus?
Das Verarbeitende Gewerbe verlor seit 2019 über 15.000 Stellen. Zuletzt ist die Gesamtbeschäftigung wieder gesunken – ein Warnsignal für die Region.
Was fordert die IHK von der Politik?
Bürokratieabbau, niedrigere Unternehmenssteuern, günstigere Energiepreise und eine modernisierte Infrastruktur – sowie mehr Effizienz und Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung.












Kran Bergung in der Erlanger Straße ©Katharina Müller-Sanke
Quelle Vergleichsbild Kandagans: Von PantheraLeo1359531 - Eigenes Werk (bereitgestellt von Polizei)