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Mordprozess gegen Leon D. – Mutter und Stiefvater beschreiben Familienleben
von Stefanie Schweinstetter und Katharina Müller-Sanke am 16.Oktober um 9 Uhr, aktualisiert um 11.30 Uhr, 14:45 Uhr und 17:45 Uhr
Am zweiten Prozesstag gegen den 19-jährigen Leon D., der im Mai dieses Jahres seine Exfreundin Rebecca S. ermordet haben soll, stehen die familiären Verhältnisse des Angeklagten und sein Verhalten direkt nach der Tat im Mittelpunkt.
Der 19-jährige Leon D. soll im Mai dieses Jahres seine Exfreundin getötet haben. Angeklagt ist er wegen Mordes. Er selbst gibt zwar zu, seine Exfreundin getötet zu haben, geplant habe er die Tötung aber nicht.
Leon D.s Mutter und Stiefvater sagen aus
Am Freitag hatte Leon D. in seiner Aussage auch seine familiäre Situation geschildert und von Suizidgedanken berichtet. Für diese Suizidgedanken machte er unter anderem seine Mutter verantwortlich. Diese habe ihn sehr unter Druck gesetzt gute Noten zu schreiben. In einem seiner Videos vom Tatabend forderte er sogar, seinen Eltern die Geschwister wegzunehmen.
Mutter des Angeklagten beschreibt normales Familienleben
Leons Mutter zeichnet in ihrer Aussage ein gegenteiliges Bild vom Familienleben. Es sei harmonisch gewesen, normal. Den Vorwurf, wegen Noten Druck ausgeübt zu haben, weist sie zurück. Im Gegenteil, sie habe ihren Sohn immer auf seinem Weg unterstützt und ihm bis zur 8 Klasse nicht einmal gesagt, dass er hochbegabt ist, auch wenn es bereits aus der Grundschulzeit einen entsprechenden Test gegeben habe. „Meine Kinder müssen kein Abitur machen, ich hab auch keins gemacht“, sagt sie vor Gericht. Leon habe gescherzt, er wolle später Käse verkaufen. Die beiden sehen sich im Gerichtssaal kurz an. Auch das wäre für sie in Ordnung gewesen, sagt Leons Mutter.
Gewalt in der Familie? Nein – sagt die Mutter
Die Vorwürfe Leons, sie würde die Kinder anschreien und ohrfeigen, widerspricht seine Mutter. Leon nickt und deutet damit ein „doch“ an. Als Belege dafür, dass sie ein Vertrauensverhältnis zu ihrem Sohn gehabt habe, führt sie an: Leon habe sich wiederholt vertrauensvoll an sie gewendet, so zum Beispiel bei einem Autounfall.
Intaktes Familienleben
Mit der Erklärung Leons konfrontiert, die Familie sei Grund für seine Suizidgedanken, sagt Leons Mutter: „Das kann ich mir nicht vorstellen“. Mutter und Sohn schildern völlig verschiedene Familienverhältnisse. Nach Leon D.s Schilderungen seien die Verhältnisse zuhause untragbar. Seine Mutter beschreibt sich zwar als dominant im Familiensystem, empfinde es aber nicht als stressig zuhause.
Schwierige Beziehung zu Rebecca
Leon habe zu Hause auch von der Trennung von Rebecca erzählt. Über die Suizidgedanken ihres Sohnes habe sie nichts gewusst, sagt Leons Mutter. Auf Nachfrage der Nebenklage verneint sie auch, dass Leon sich bei Aufregung an der Hand gekratzt habe oder regelmäßig Handschuhe getragen habe. Zwischenzeitlich habe sie sich von Rebecca respektlos behandelt gefühlt, habe eine Grillfeier aufgelöst verlassen. Rebecca habe sie persönlich schon gemocht und freundlich aufgenommen, sich aber eine andere Freundin für ihren Sohn gewünscht. Rebecca habe Leon sehr dominiert, sodass sie das Gefühl gehabt habe, dass Leon Rebecca „hörig“ gewesen sei.
Dass Leon seine Freundin herabwürdigen soll, wie es aus Chats der beiden hervorgeht, habe sie nie mitbekommen. Auch sonstige Streitigkeiten seien ihr nicht bekannt. Als die Richterin die Mutter fragt, wie sie selbst mit der Tat ihres Sohnes umgeht, sagt diese: „Ich habe ganz viele Fragezeichen, aber keine Erklärung“. Am Abend der Tat habe sich noch mit Leon telefoniert, da sei er ihr normal vorgekommen.
Stiefvater bestätigt die Aussage seiner Frau
Als letzter Zeuge tritt Leon Ds. Stiefvater auf. Er bestätigt die Aussagen seiner Frau. Leon sei ein in sich gekehrter Charakter, er sei viel für sich gewesen, immer schon. Er sehe Leon als sein Kind an und habe nie einen Unterschied zwischen Leon und seinen Geschwistern gemacht. Seinem Eindruck nach sei Leon kaum aus der Ruhe zu bringen. Streiten könne man mit ihm eigentlich nicht. Diskutieren schon eher, das sei auch öfter mal vorgekommen. Von Streits zwischen Rebecca und Leon habe er nie Konkretes mitbekommen. Die Trennung sei für Leon schwer gewesen, räumt der Stiefvater ein. Er habe mit ihm auch darüber gesprochen.
Ob zuhause viel geschrien wurde, wie es der Angeklagte in seiner Aussage beschrieben hatte, wollte Richterin Deyerling wissen. Sicher werde es mal lauter, so der Zeuge, grundsätzlich werde in der Familie aber nicht geschrien und geschlagen auch nicht. Ob seine Frau impulsiv sei? „Lebhaft“ treffe es eher, sagt Leons Stiefvater. Seine Frau sei diejenige, die die Familie managt. Leon D.s Stiefvater war am ersten Verhandlungstag im Publikum, hat die Aussage seines Sohnes also „live“ miterlebt. Wie es ihm denn damit gegangen sei? Es habe ihn schon geschmerzt, das am Freitag zu hören, sagt der Zeuge. „Aber es bleibt mein Leon“, fährt er fort. Das habe er seinem Sohn auch am Freitag nach der Verhandlung gesagt und betont, dass er weiterhin für ihn da sei.
Zeugen aus dem Freundeskreis sagen aus
Ein ehemaliger Freund aus Leons Freundesgruppe sagt über mehrere Stunden hinweg aus. Rebecca habe er über Leon kennengelernt, sich dann immer mehr mit ihr angefreundet. „Ich habe versucht, den beiden nach der Trennung emotionalen Support zu geben“, sagt er. Er habe viel mit beiden telefoniert. Was genau bei diesen Telefonaten besprochen wurde? Der 23-Jährige bleibt unkonkret, will sich nicht festlegen, was die zunächst noch ermutigende Richterin zunehmend ungeduldig macht. „Wem wollen Sie denn hier einen Gefallen tun?“, fragt sie. Leon sei eifersüchtig und sehr sensibel gewesen, habe keine Sticheleien vertragen, sagt der Zeuge schließlich. Von körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Rebecca und Leon habe er nichts mitbekommen. Nach der Trennung habe Rebecca mehr Abstand von Leon und seinen Problemen gewollt.
Leon habe Rebecca nicht loslassen können. Möglicherweise habe Rebecca aber auf ihn, den Zeugen, ein Auge geworfen. Das interpretierte er aus einem Angebot Rebeccas, gemeinsam ein Spa zu besuchen. Am Tatabend hätten sie zusammen eine Serie geschaut und gekocht, ihr Treffen aber vor Leon geheim gehalten. Dieser habe mehrmals versucht beide zu erreichen, kurz mit dem Zeugen gesprochen. Dass er bei Rebecca sei, habe er bei diesem Telefonat nicht erwähnt. Einen bestimmten Grund gebe es dafür aber nicht, so der Zeuge.
Freundin Rebeccas berichtet von Eifersucht
Eine Arbeitskollegin und Freundin Rebeccas beschreibt Rebecca als offen, sehr nett und freundlich, hilfsbereit, verlässlich und oft gut gelaunt. Schon zu Beginn der Freundschaft im September 2023 habe Rebecca geäußert, dass sie sich von Leon habe trennen wollen. Die Zeugin berichtet detailliert von einem Abend, an dem sie mit Rebecca, Leon und einer größeren Freundesgruppe feiern gewesen seien. Das sei bereits nach der Trennung von Leon und Rebecca gewesen, Leon habe aber trotzdem nicht verkraftet, dass Rebecca mit einem anderen Mann getanzt hätte. Er habe deshalb auf der Feier an diesem Abend lange geweint und seine Ex-Freundin auf dem Heimweg laut beschimpft. Trotzdem habe Rebecca ihm erlaubt, gemeinsam mit der Freundesgruppe bei ihr zu übernachten. Sie sei insgesamt sehr verständnisvoll gewesen, findet die Freundin. Ab und zu sei Rebecca schon genervt von Leon gewesen, er habe auch auf die Freundschaft zwischen den beiden Frauen eifersüchtig geblickt. „Für die hast du Zeit, aber für mich nicht“, habe er sich sinngemäß bei Rebecca beschwert. Die Freundin habe Leons Verhalten ungerechtfertigt gefunden und Rebecca habe das wohl auch so gesehen. Als streitsüchtig oder aggressiv will die Zeugin Rebecca nie erlebt haben.
Zeugen stimmen überein: Leon D. wirkte nach der Tat emotionslos
Am zweiten Verhandlungstag am Landgericht Bayreuth haben mehrere Rettungskräfte und Polizeibeamte ausgesagt. Leon D. habe sich nach der Tat überraschend ruhig und emotionslos verhalten und sei nicht aufgebracht gewesen.
Leon D. hat nach der Tat kurz nach elf Uhr abends selbst den Notruf gewählt. Im Gerichtssaal wird der Mitschnitt davon abgespielt. „Ich habe versucht, Suizid zu begehen, nachdem ich einen Mord begangen habe“, sagt er darin. Insgesamt dauert das Telefonat mit der Rettungsleitstelle rund 15 Minuten. Er sagt darin, dass er hofft zu verbluten. Er hat Wunden an Armen und Händen. Gegen Ende des Mitschnitts kann man im Hintergrund Stimmen hören. Zu dieser Zeit treffen die ersten Polizisten ein. Die Polizeibeamtinnen und -beamten schildern den Abend des 24. Mai 2024 übereinstimmend. Schon von der Haustüre aus seien Blutspuren sichtbar gewesen, bei Rebecca seien keine Vitalzeichen mehr vorhanden gewesen und Leon habe sich widerstandslos festnehmen lassen. Die Zeugen beschreiben Leon D. als ruhig, klar und gefasst, einige zeigen sich darüber überrascht. Viele Menschen seien aufgebracht, wenn sie einen Kampf hinter sich hätten, sagt ein Beamter. Die Nacht über wurde Leon D. im Krankenhaus behandelt. Bei der Untersuchung dort habe er nicht von Verletzungen berichtet, so eine Kriminalbeamtin. Am Morgen wurde er in die JVA nach St. Georgen überstellt.
Ein an der Überstellung beteiligter Polizeibeamte schildert Leons Verhalten im Krankenhaus. Der Ernst der Lage sei ihm wohl nicht ganz bewusst gewesen, so der Eindruck des Beamten. Für die Worte des anwesenden Richters habe er sich nicht sonderlich interessiert und stattdessen eine Schwester schroff darauf hingewiesen, dass er mit seinen Verbänden nicht aus seinem Becher trinken könne. Auf dem Weg in die JVA habe Leon D. den Zeugen dann gefragt, ob er ihn für einen schlechten Menschen halte. Im selben Gespräch habe er auch geäußert, noch alle Details der Tat zu wissen. Am ersten Verhandlungstag hat der Angeklagte ausgesagt, sich nicht an Details des Tathergangs zu erinnern.
Schon gelesen? Das war das Ergebnis des ersten Prozesstages im Mordprozess gegen Leon D.












Von links: Regierungspräsident Florian Luderschmid, Tajana Kaiser-Ruska, Georg Kaiser, Yannic Hönle, Bezirkstagspräsident Henry Schramm, Miriam Martín González, Stefan Frühbeißer, MdL, 1. Vorsitzender Alfons Hrubesch, Bezirkstagsvizepräsident Klaus Peter Söllner und Susanne Werner. © Oberfrankenstiftung
Das neue Beet am Annceyplatz mit Stauden und Kletterpflanzen. Foto: Michael Christensen