Zuletzt aktualisiert am

Helden

Mut, der ansteckt: Drei Oberfranken zeigen, wie Zivilcourage geht

Es sind Geschichten, die zeigen, dass Zivilcourage keine große Bühne braucht. Manchmal reicht ein beherzter Griff ans Handy, ein kurzes Zögern – und dann der Mut, das Richtige zu tun. Genau dafür hat der oberfränkische Polizeipräsident Armin Schmelzer jetzt drei Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis Wunsiedel ausgezeichnet.

In einer kleinen Feierstunde in der Polizeiinspektion Wunsiedel dankte er Pamela Gärtner aus Marktredwitz sowie Fabian Turban und Peter Sieber aus Marktleuthen persönlich für ihr vorbildliches Verhalten. Eingeladen hatte Dienststellenleiter Erster Polizeihauptkommissar Hubert Schricker.

Eine Autofahrt, die ein junges Leben rettete

Der erste Fall spielte sich am 27. November 2025 gegen 15.30 Uhr ab – auf der B 303 bei Bad Alexandersbad. Pamela Gärtner war gerade mit dem Auto unterwegs Richtung Wunsiedel, als sie eine 17-Jährige am Brückengeländer entdeckte. Ohne lange zu überlegen hielt sie an, lief zur Jugendlichen und sprach mit ihr. Mit Ruhe und Einfühlungsvermögen schaffte sie es, die junge Frau von ihrem Vorhaben abzuhalten – bis wenige Minuten später eine Streife der Polizeiinspektion Wunsiedel eintraf.
Gemeinsam mit den Beamten gelang es Frau Gärtner in einem günstigen Moment, die Jugendliche über das Geländer zurückzuziehen. Nach den Worten von Polizeipräsident Schmelzer hat sie damit ein junges Menschenleben gerettet.

Fast-Betrug in Selb: Kurierfahrer hören auf ihr Bauchgefühl

Nicht weniger beeindruckend ist der zweite Fall vom 12. Dezember 2025. Hier ging es um das gesamte Vermögen eines 88-jährigen Mannes aus Selb.
Der Senior war von Betrügern telefonisch massiv unter Druck gesetzt worden, unter der bekannten Masche der „falschen Polizeibeamten“. Er packte Bargeld und Wertsachen ein, das Paket sollte per Kurier nach Stuttgart gehen. Den Auftrag bekam ein Fahrdienst aus Marktleuthen. Erst nach der Abholung wurde dem Fahrer Fabian Turban mulmig. Statt einfach loszufahren, rief er seinen Chef Peter Sieber an. Gemeinsam entschieden sie: lieber einmal zu viel nachfragen als einmal zu wenig – und meldeten sich persönlich bei der Wunsiedler Polizei.

Mit Einverständnis des Seniors öffneten die Beamten das Paket. Der Inhalt: ein hoher fünfstelliger Bargeldbetrag, dazu Goldbarren und Goldmünzen. Schnell war klar: Der 88-Jährige wäre beinahe um sein komplettes Vermögen gebracht worden.
Dank des besonnenen Handelns der beiden Marktleuthener konnte der Betrug gestoppt werden. Die Erleichterung beim „Beinahe-Opfer“ war groß, als er sein Eigentum von der Polizei zurückbekam.

Dankschreiben vom Polizeipräsidenten

Als Anerkennung überreichte Polizeipräsident Armin Schmelzer allen drei Beteiligten ein persönlich unterzeichnetes Dankschreiben. Verbunden damit der Wunsch, dass ihr Verhalten anderen Menschen als Vorbild dienen möge. Auch der Wunsiedler Polizeichef schloss sich dem an. Beide Fälle, so betonte er, seien ein starkes Beispiel dafür, wie gut das Zusammenspiel von Bürgern und Polizei funktionieren kann.

Fazit: Hinschauen lohnt sich

Ob auf einer Brücke oder bei einem dubiosen Kurierauftrag: diese drei Menschen haben gezeigt, dass Aufmerksamkeit und Mut einen riesigen Unterschied machen können. Keine Heldenshow, kein großes Drama. Einfach richtig handeln, wenn es drauf ankommt. Genau so sieht gelebte Zivilgesellschaft im Landkreis Wunsiedel aus.