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Eichenprozessionsspinner in Bayreuth: So geht die Stadt gegen die Raupen vor
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners treten in diesem Jahr besonders früh und stark vermehrt auf. Die Stadt Bayreuth hat deshalb ihren Aktionsplan aktiviert und ergreift Maßnahmen zum Schutz der Bürger. Experten raten zudem dringend dazu, den Kontakt mit den Raupen und ihren Nestern zu vermeiden.
Nach Angaben des Stadtgartenamts Bayreuth kommt der Eichenprozessionsspinner an allen Eichenarten vor. Besonders wohl fühlt sich der Schädling in warmen und trockenen Regionen wie lichten Eichenwäldern, an Waldrändern, in Alleen oder an einzeln stehenden Bäumen.
In Trockenjahren kann es zu Massenvermehrungen kommen. Dann werden nicht nur ältere, sondern auch jüngere Eichen befallen. Der Eichenprozessionsspinner ist ein nachtaktiver Schmetterling. Seinen Namen verdankt er den oft langen Prozessionen, in denen die Raupen unterwegs sind.
Die Weibchen legen innerhalb weniger Tage bis zu 300 Eier an ein- bis dreijährige Zweige, bevorzugt an der sonnenzugewandten Südseite der Baumkrone. Bereits im Herbst entwickeln sich die Eiräupchen, bevor sie in der ersten Aprilhälfte schlüpfen.
Gefährlich wird es ab dem dritten Larvenstadium
Die Entwicklung der Raupen umfasst insgesamt sechs Stadien. Von Beginn an sind sie stark behaart. Ab dem dritten Larvenstadium bilden sie die charakteristischen Brennhaare mit dem Nesselgift Thaumetopein aus. Erst ab diesem Zeitpunkt werden sie für Menschen und Tiere gefährlich.
Am Ende ihrer Entwicklung können die Raupen eine Körperlänge von bis zu vier Zentimetern erreichen.
Warum die Raupen für Menschen problematisch sind
Die Larven des Eichenprozessionsspinners verfügen über einen äußerst effektiven Schutzmechanismus, der für Menschen zu großen Unannehmlichkeiten bis hin zu einer ernstzunehmenden Gefahr werden kann. Die feinen Brennhaare dringen leicht in Haut und Schleimhäute ein und setzen sich dort mit kleinen Widerhaken fest.
Die Symptome reichen von Juckreiz über gerötete Haut und Quaddeln bis hin zu ausgeprägten Hautentzündungen. Die Reaktionen ähneln denen nach einem Kontakt mit Brennnesseln, können jedoch deutlich stärker ausfallen.
Beschwerden treten manchmal zeitversetzt auf
Besonders tückisch ist, dass die Beschwerden nicht immer sofort auftreten. Symptome können erst Stunden nach dem Kontakt einsetzen. Unbehandelt halten die Hautreaktionen häufig ein bis zwei Wochen an.
Werden Brennhaare eingeatmet, können Reizungen der Mund- und Nasenschleimhäute entstehen. In schweren Fällen sind Bronchitis oder asthmaähnliche Beschwerden möglich. Begleitend können Schwindel, Fieber, Müdigkeit oder Bindehautentzündungen auftreten. In seltenen Fällen kommt es bei besonders empfindlichen Personen zu allergischen Schockreaktionen.
Für Menschen besonders gefährlich sind die Brennhaare während des dritten Larvenstadiums, also vor allem in den Monaten Mai und Juni. Gesundheitliche Beschwerden können jedoch grundsätzlich das ganze Jahr über entstehen, da Brennhaare auch in alten Nestern erhalten bleiben.
In öffentlichen Parks und Naherholungsgebieten wie dem Hofgarten oder der Wilhelminenaue, wo die Lebensräume von Mensch und Tier aufeinandertreffen, kann es daher zu unerfreulichen Begegnungen kommen.
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So geht die Stadt Bayreuth gegen den Befall vor
Die Stadt Bayreuth arbeitet bei der Bekämpfung nach einem festen Aktionsplan. Meldungen über befallene Bäume werden zunächst erfasst und anschließend nach Prioritäten abgearbeitet.
Die höchste Priorität haben Bäume an Schulen, Kindergärten und Kinderspielplätzen. Danach folgen Bäume an Schulwegen und stark frequentierten Bereichen. Geringer priorisiert werden Standorte an Nebenwegen, auf Wiesen neben Wegen oder in Bereichen entlang von Straßen und waldähnlichen Beständen.
Nicht bekämpft werden die Raupen in waldartigen Beständen sowie in Grünflächen und Parkanlagen abseits der Wege.
Bekämpfung erfolgt durch Fachfirmen
Die Bekämpfung erfolgt mechanisch. Dabei werden die Brennhaare zunächst mit einem speziellen Kleber fixiert. Anschließend werden die Nester abgeschabt oder abgesaugt.
Im öffentlichen Raum hat sich diese Methode nach Angaben der Stadt bewährt. Seit dieser Woche wird die Stadt dabei von zwei externen Fachfirmen unterstützt.
Eine flächendeckende Kennzeichnung befallener Bereiche erfolgt in der Regel nicht, da dies nach Aussage der städtischen Pressestelle nur Aufmerksamkeit für die betroffenen Bereiche verursacht. Bei besonders starkem Befall können jedoch einzelne Wege oder Bereiche vorübergehend gesperrt werden.
Was tun bei einem Befall im eigenen Garten?
Wer Eichenprozessionsspinner auf dem eigenen Grundstück entdeckt, sollte vor allem eines tun: Abstand halten. Raupen und ihre Nester dürfen nicht berührt oder mechanisch beschädigt werden.
Nach Angaben des Stadtgartenamts verhalten sich die Raupen meist sehr passiv und die Gespinste sind gut verklebt. Deshalb ist die Gefahr einer Kontamination auch bei geringem Abstand vergleichsweise niedrig. Dennoch sollte man sich nicht unnötig in der Nähe befallener Bäume aufhalten.
Besondere Vorsicht gilt bei alten oder am Boden liegenden Gespinsten. Werden diese beispielsweise beim Rasenmähen oder bei anderen Pflegearbeiten beschädigt, können Brennhaare aufgewirbelt und großflächig verteilt werden.
Von eigenen Bekämpfungsversuchen raten Experten ausdrücklich ab. Egal ob Absaugen, Anzünden oder Besprühen: Keine im Privathaushalt mögliche Methode kann zuverlässig sicherstellen, dass kein Kontakt mit den Brennhaaren entsteht. Wenn ein Befall die Nutzung des Gartens einschränkt, sollten Fachfirmen oder die zuständigen Behörden kontaktiert werden.
Auch für Eichen wird der Schädling zunehmend zum Problem
Nach Angaben des Stadtgartenamts beschränkte sich der Fraß des Eichenprozessionsspinners früher meist auf einzelne Eichen in Parks, Alleen oder an Waldrändern. Seit den 1990er Jahren tritt der Schädling jedoch vielerorts in Massenvermehrungen auf.
Während Eichen einen einmaligen Kahlfraß meist durch ihren sogenannten Johannistrieb ausgleichen können, schwächt wiederholter Befall die Vitalität der Bäume. Dadurch werden sie anfälliger für weitere Schädlinge und Krankheiten. Die Folgen reichen von Wachstumsverlusten bis hin zum Absterben einzelner Bäume.
Natürliche Feinde helfen bei der Eindämmung
Der Eichenprozessionsspinner besitzt zahlreiche natürliche Feinde. Besonders wichtig sind verschiedene Ei- und Raupenparasiten sowie räuberische Käferarten wie der Puppenräuber.
Auch der Kuckuck zählt zu den natürlichen Gegenspielern. Er frisst die behaarten Raupen trotz ihrer Brennhaare. Diese zeigen bei ihm keine Wirkung, da der Vogel seine Magenschleimhaut regelmäßig erneuert und die darin festsitzenden Haare wieder ausscheidet.
Das empfiehlt das Stadtgartenamt nach einem Kontakt
Besteht der Verdacht, mit Brennhaaren in Berührung gekommen zu sein, empfiehlt das Stadtgartenamt folgende Maßnahmen:
- Kleidung sofort wechseln und bei mindestens 60 Grad waschen.
- Schuhe nass reinigen.
- Sichtbare Brennhaare mit einem Klebestreifen entfernen.
- Gründlich duschen und die Haare waschen.
- Augen mit Wasser ausspülen.
- Arbeitsgeräte, Fahrzeuge oder Gartengeräte feucht reinigen.
- Hunde nach möglichem Kontakt baden.
Bei Hautreaktionen sollte eine Apotheke oder ein Arzt aufgesucht werden. Treten Atembeschwerden oder Atemnot auf, sollte umgehend der Rettungsdienst verständigt werden.
Informationen für Bürger
Das Stadtgartenamt Bayreuth hat ein Informationsfaltblatt entwickelt, das bald im Rathaus ausliegen wird. Darüber hinaus informiert die Stadt bei Bedarf gemeinsam mit den örtlichen Medien über die aktuelle Lage und notwendige Schutzmaßnahmen.
Kontakt Stadtgartenamt Bayreuth:
Telefon: 0921 73800
E-Mail: stadtgartenamt@stadt.bayreuth.de
FAQ
Wann sind die Raupen besonders gefährlich?
Ab dem dritten Larvenstadium, vor allem in den Monaten Mai und Juni, entwickeln die Tiere ihre gesundheitsgefährdenden Brennhaare.
Kann ich ein Nest im eigenen Garten selbst entfernen?
Nein. Fachleute raten dringend davon ab, da dabei Brennhaare freigesetzt werden können.
Was sollte ich nach einem Kontakt mit Brennhaaren tun?
Kleidung wechseln, duschen, sichtbare Haare entfernen und bei Beschwerden einen Arzt aufsuchen. Bei Atemnot sollte sofort der Rettungsdienst verständigt werden.












Tiffany eröffnet am Samstag ihren Second Hand laden in Bayreuth. ©Katharina Müller-Sanke
Symbolbild: mit KI erstellt