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Zuletzt aktualisiert am 24. September 2020 | 21:26

Nach Feuer

„Unsere Mitarbeiter haben geweint und hatten Angst“ – Schock nach Brand im Lebenswerk Bayreuth

Für die Mitarbeiter der Behindertenwerkstatt im Lebenswerk Bayreuth war der Brand am 27. August 2020 ein großer Schock. Die meisten von ihnen haben im Job ein zweites Zuhause gefunden. 

Nach dem Brand im Lebenswerk Bayreuth werden nun die Schäden beseitigt. Foto: Frederik Eichstädt
Nach dem Brand im Lebenswerk Bayreuth werden nun die Schäden beseitigt. Foto: Frederik Eichstädt

Der finanzielle Schaden nach dem Brand im Lebenswerk Bayreuth ist höher als angenommen. Eine größere Menge Schutt ist kontaminiert. Für die Mitarbeiter wiegt auch der emotionale Schaden schwer.

Mitarbeiter nach Brand in Behindertenwerkstatt des Lebenswerk Bayreuth schockiert

Am Morgen des 27. August 2020 waren 160 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und THW im Bayreuther Norden im Einsatz. In der Behindertenwerkstatt „Lebenswerk“ hatte es gebrannt. Das Feuer richtete einen finanziellen Schaden in Millionenhöhe an. Wie groß der emotionale Schaden für die Mitarbeiter ist, dürfe aber nicht vergessen werden, sagt Werksleiterin Birgit Richter.

Normalerweise werden die Mitarbeiter mit Behinderung an jedem Wochentag morgens von einem Fahrdienst abgeholt und zur Arbeit gebracht. Am Tag des Feuers war es nun die Aufgabe des Fahrdienstes, den Menschen mitzuteilen, dass es beim Lebenswerk ein Feuer gegeben habe und sie vorerst nicht mehr zur Arbeit kommen könnten. „Das waren dramatische Szenen. Unsere Mitarbeiter haben geweint und hatten Angst, nie mehr hier Arbeiten zu können“, erinnert sich Birgit Richter. 

Nach Brand im Lebenswerk Bayreuth – „zweites Zuhause“ fällt weg

Dass die Arbeit weggebrochen ist, ist für die Menschen mit Behinderung besonders schlimm, so die Werksleiterin. „Unsere Mitarbeiter identifizieren sich mit der Arbeit hier. Der Job ist ihr zweites Zuhause: hier haben sie ihre Freunde. Wenn wir geschlossen haben, fällt das alles weg.“ Die Mitarbeiter würden sich mit der Arbeit im Lebenswerk identifizieren und sind stolz, ihren Teil zur Gesellschaft beizutragen, sagt Richter.

Wegen des Feuers musste die Diakonie die Werkstatt vorübergehend schließen – auch alle 260 Mitarbeiter mit Handicap durften nicht zur Arbeit kommen. Auch heute (24. September 2020), vier Wochen später sind immer noch rund 160 Menschen zuhause. Viele von ihnen seien in den letzten vier Wochen gekommen, um sich die Schäden anzusehen und sich darüber zu informieren, wie es jetzt weitergehe. Einige würden jeden Tag kommen, um sich auf den neusten Stand bringen zu lassen. 

„Unsere Mitarbeiter mit Behinderung sind nach wie vor über den Brand schockiert. Für viele ist die Arbeit der wichtigste soziale Ort. Viele sind seit vier Wochen zuhause. Sie vermissen ihre Freunde.“

(Birgit Richter, Werksleiterin Lebenswerk Bayreuth)

160 Feuerwehrleute kämpften vor Ort gegen die Flammen in der Behindertenwerkstatt (Lebenswerk Bayreuth). Foto: Katharina Adler
160 Feuerwehrleute kämpften vor Ort gegen die Flammen in der Behindertenwerkstatt (Lebenswerk Bayreuth). Foto: Katharina Adler

Lebenswerk Bayreuth: Zweiter Lockdown nach Corona

Bereits im März hatte die Behindertenwerkstatt für mehrere Wochen schließen müssen. Der Grund war der Lockdown wegen des Coronavirus. Doch das Feuer und seine Konsequenzen sind weit schlimmer, erklärt Thomas Wattenbach, der die Leitung des Sozialdienstes im Lebenswerk Bayreuth inne hat. Zum einen würden die Menschen mit Behinderung die Tragweite des Feuerschadens eher begreifen. Zum anderen sei die Schließung nach dem Feuer ein zweiter emotionaler Shutdown seit dem Lockdown im März.

Auch für die Angehörigen der Mitarbeiter mit Behinderung ist die Zeit schwer. Fällt die Arbeit in der Behindertenwerkstatt aus, müssen Angehörige und Eltern in vielen Fällen ihre Familienmitglieder zuhause betreuen. Schon während Corona hätten viele Angehörige ihren Jahresurlaub aufgebraucht – und zum Teil unbezahlten Urlaub genommen. Nach dem Feuer müssten sie nun wieder ihre Arbeit hinten anstellen. „Wir ziehen unseren Hut davor, wie die Angehörigen das meistern und welche Möglichkeiten sie finden“, sind sich Wattenbach und Richter einig. 

Schaden in Bayreuther Behindertenwerkstatt größer als angenommen

Die Diakonie arbeitet derzeit daran, die Arbeitsplätze für die Menschen mit Behinderung „schnellstmöglich wieder zu aktivieren“, sagt Franz Sedlak, Vorstand des Diakonischen Werks und Geschäftsführer der Lebenswerk GmbH. Dabei ist es erforderlich, Räumlichkeiten in der Nähe zu bekommen, bei denen der Umbau nicht all zu lange dauere, so Sedlak. „Schon jetzt haben wir für 100 Mitarbeiter wieder Arbeit gefunden. Diese findet zum Teil in den Wohngruppen statt oder wird anderweitig ausgelagert – eine Arbeitsgruppe kann zum Beispiel in den Räumlichkeiten von BAT in Bayreuth arbeiten“, sagt Birgit Richter.

Die Bauarbeiten, die durch den Brand nötig geworden sind, schreiten voran, sagt Sedlak. „Ein Großteil des Brandschutts ist bereits abgetragen“, so der Geschäftsführer. Allerdings werde der Schaden größer als angenommen, so sei mehr Schutt kontaminiert, als anfangs angenommen. „Wir haben bei der Regierung von Oberfranken anfangs rund 40 Tonnen kontaminiertes Material als Sondermüll beantragt. Jetzt müssen wir wohl in die Richtung von 150 Tonnen gehen“, erklärt Sedlak.

Bayreuther Tagblatt - Frederik Eichstädt

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Frederik Eichstädt

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