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„Wenn ich fertig bin, bin ich ein Arschloch“: Fünfter Tag im Mordprozess gegen Werner M.
Bedrohliche Nachrichten und die verzweifelte Suche nach einer neuen Partnerin: Dieses Bild von Werner M. zeichnet die Aussage eines Kriminalhauptkommissars vor Gericht.
Für die Aussage des Sachbearbeiters im Ermittlungsverfahren gegen Werner M. nimmt sich das Gericht einen ganzen Tag Zeit. Von 9 bis 15 Uhr spricht der Kriminalhauptkommissar, nur von kurzen Pausen unterbrochen. Kapitel für Kapitel geht er seine Akte durch, vom Erstkontakt mit dem Angeklagten bis zur Auswertung der Router- und Mobilfunkdaten, um die Heimkehr von Claudia K. und damit die Tat zeitlich einzugrenzen.
“Ich fühle mich wie ein Mörder”
Aufbrausend erlebt der Polizist Werner M. beim ersten Gespräch mit ihm. Routinemäßig habe er gefragt, wie es M. gehe. “Es gibt ja nach so einer Tat einiges zu verarbeiten”, erklärt er. “Haben Sie schon mal wen umgebracht?”, habe Werner M. ihn angefahren und erzählt, seine Partnerin habe ihn beim Netflix-Schauen mit einem Messer angegriffen, als sie am Nachmittag des 2. März nach Hause kam. “Ich fühl mich wie ein Mörder”, soll er gesagt haben und: “Die Bundeswehr hat mich zum Monster gemacht.” Von seiner angeblichen Spezialausbildung bei der Bundeswehr hat Werner M. so ziemlich allen Einsatzkräften erzählt, mit denen er in Kontakt war. Sie ist für ihn der Grund, warum er seine Partnerin am 2. März 2025 mit 25 Messerstichen “in Notwehr” getötet hat.
Chats geben Einblick in die Beziehung
Was das Umfeld über die Beziehung zwischen Werner M. und Claudia K. wusste, geht auseinander. Während Familienangehörige von größeren Schwierigkeiten nichts berichten, schildern Freundinnen von Claudia K. bereits länger Konflikte und berichten von Sorgen um die Sicherheit der Freundin. In einer Nachricht an seinen Sohn schrieb Werner M. in der Woche vor der Tat: „Wenn sie die Polizei gerufen hätte, würde sie jetzt nicht mehr da sitzen“ und setzte ein Lach-Emoji dahinter. Auch gegenüber Claudia, die er in seinem Handy als “Engel” abgespeichert hat, schreibt er Nachrichten, die sich bedrohlich lesen, etwa: „Ich mach’ jetzt das, was mir der Bund gelernt hat“, oder „Wirst schon sehen“, schreibt er. Daraus sei Claudia wohl nicht schlau geworden, meint der Kriminalbeamte. Sie habe aber einmal geschrieben, sie habe Angst, heimzukommen.
Eine weitere Stelle aus dem Chat fällt dem Kriminalbeamten ins Auge. Dem sei wohl ein Streit vorhergegangen. Werner M. entschuldigt sich, sagt, dass er sie liebt. Sie bleibt kühl, schreibt, sie müssten nochmal reden. “Unterwürfig” ist da der Eindruck des Beamten von Werner M.
“Wenn ich fertig bin, bin ich ein Arschloch”
Auch am Nachmittag der Tat schreibt Werner M. seiner Freundin mehrere Nachrichten. Schon während sie bei einer Freundin beim Kaffee sitzt, gehen sie ein. Er sei wohl eifersüchtig, vermutet die Freundin, denn er habe nicht gewusst, mit wem sich Claudia treffe. Über die Trennung waren sich beide da schon einig. Eine der Nachrichten lautet. “Das schlimmste ist, wenn man nicht weiß, was passiert”. Außerdem will er wissen, wann sie nachhause kommt. Sie vermutet, er habe Besuch und fragt, ob sie stört. “Wirst dann schon sehen”, schreibt er ihr und “freu mich”, als sie um 16:16 Uhr schreibt, sie sei in etwa einer Stunde daheim. Kurz danach schreibt Werner M. seinem Sohn “Wenn ich fertig bin, bin ich ein Arschloch.” Die folgenden Nachrichten liest Claudia K. nicht mehr. „Melde dich ganz schnell” und “Schau ganz schnell”, schreibt er in schneller Folge. Dann telefonieren die beiden für etwa eine halbe Minute. Da muss Claudia K. schon auf dem Heimweg sein.
Nachbarn hören Schrei
Um ihre genaue Ankunftszeit in der Wohnung in Kulmbach und damit die Tatzeit geht es am Dienstagnachmittag über Stunden hinweg. Den Zeitpunkt puzzlen die Ermittler aus Aussagen der besuchten Freundin, eines Nachbarn, Mobilfunk und Routerdaten zusammen. Dabei geht es um sekundengenaue Angaben. Schließlich lässt sich ihre Ankunftszeit in der Wohnung in Kulmbach auf den Zeitraum zwischen 17:20 Uhr und 17:27 Uhr eingrenzen. Die Nachbarn hören gegen 17:30 einen Schrei, dann ein Rumpeln, entscheiden sich aber dagegen, die Polizei zu rufen, weil sie den Schrei nicht zuordnen können. Um 17:31 Uhr versucht Werner M. die Polizei Kulmbach anzurufen, spricht aber mit niemandem. Fünf Minuten später ruft er seinen Sohn an und erzählt ihm von der Tat.
Werner M. sucht unter Hochdruck eine Frau
In den Tagen vor der Tat schreibt Werner M. auf Dating-Apps, über SMS und Whatsapp mit vielen Frauen gleichzeitig. Er ist scheinbar dringend auf der Suche nach einer Nachfolgerin für Claudia K.. Fast allen schickt er Penisbilder, fast alle beenden den Kontakt mit ihm. Mit einer telefoniert er noch am Nachmittag des Tattages. Eine weitere, von der er Claudia und seinem Sohn bereits erzählt hat, erteilt ihm am Vortag eine Abfuhr. Ihr gegenüber klingt er verzweifelt: Er finde jetzt keine Frau mehr, sein Leben mache keinen Sinn.
Kommissar: Keine Hinweise auf Notwehr
Werner M.s Verteidiger Wolfgang Schwemmer fragt den Kommissar, wie intensiv die Polizei in Richtung Notwehr ermittelt habe. “Das war ja die erste Information, die wir hatten, natürlich haben wir da ermittelt”, sagt der Polizist. Schnell hätten die Ermittlungen die Beamten aber in eine andere Richtung geführt. Weitere Hinweise auf eine Tat aus Notwehr habe es aus seiner Sicht nicht gegeben.
Für den Mittwoch ist Werner M.s Bruder geladen. Ob er aussagen will, ist noch unklar. Außerdem soll die Freundin vor Gericht erscheinen, die Claudia K.s letzter Kontakt war.












Wagnerfigur im Bayreuther Zentrum. © Dirk Ellmer
Symbolbild: Pixabay