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Nachts betreut, tagsüber zu Hause: Bayreuth führt neues Pflegemodell ein
Ab sofort gibt es im AWO Zentrum in Bayreuth ein Pflegeangebot, das es in dieser Form bislang in keiner anderen Einrichtung Bayerns gibt: die eingestreute Nachtpflege. Möglich gemacht hat das der AWO Kreisverband Bayreuth-Stadt e. V. im Rahmen der Pflegesatzverhandlungen – und ist damit landesweit Vorreiter.
Für Bayreuther Familien, die einen Angehörigen zu Hause pflegen, ist das eine handfeste Neuerung: Wer nachts an seine Grenzen kommt, kann die pflegebedürftige Person künftig stundenweise in professionelle Obhut geben, ohne dass gleich der Umzug ins Heim ansteht.
Wie funktioniert die neue Nachtpflege im AWO Zentrum?
Im AWO Zentrum stehen drei Plätze für die Nachtpflege zur Verfügung, nutzbar montags bis freitags. Wer sie in Anspruch nimmt, wird auf Wunsch abends von zu Hause abgeholt und am nächsten Morgen wieder zurückgebracht – ein eigener Fahrdienst übernimmt das.
„Wir wollen Pflege nicht ausschließlich in Kategorien denken. Nicht jede Familie braucht sofort eine vollstationäre Versorgung, manchmal braucht es ganz konkrete Unterstützung zu bestimmten Tages- oder Nachtzeiten. Genau hier setzen wir mit der Nachtpflege an.“
— Marion Tost, Geschäftsführerin und Vorständin der AWO Bayreuth-Stadt
Für wen ist die Nachtpflege gedacht?
Die Zielgruppe sind Menschen mit Demenz, chronischen Erkrankungen oder unruhigem Schlafverhalten, die nachts zusätzliche Betreuung brauchen. Der entscheidende Unterschied zur stationären Pflege: Der Lebensmittelpunkt bleibt das eigene Zuhause, die Nacht im AWO Zentrum ist eine punktuelle Entlastung, keine dauerhafte Unterbringung.
„Mit der Kombination aus stationärer Pflege, Tagespflege und nun auch eingestreuter Nachtpflege möchten wir einen weiteren Baustein für eine flexible und bedarfsgerechte Pflege schaffen.“
— Marion Tost, Geschäftsführerin der AWO Bayreuth-Stadt
Warum ist Bayreuth hier Vorreiter in Bayern?
Nachtpflege ist in Bayern generell noch selten – anders als die längst etablierte Tagespflege gibt es davon bislang nur vereinzelte Angebote im Freistaat, wie die Koordinationsstelle Pflege und Wohnen in Bayern einordnet. Den Weg für das Bayreuther Modell bereitet hat ein Pilotprojekt, das zwei Einrichtungen in Bad Neustadt und Karlstadt in Unterfranken ab 2023 erprobt haben. Es wurde 2024 erfolgreich abgeschlossen und soll nun bayernweit eingeführt werden. Bayreuth ist nun die erste Einrichtung, die das Modell tatsächlich in den Pflegesatzverhandlungen durchsetzen konnte.
Wie passt das Angebot in die bayerische Pflegepolitik?
Der Ausbau von Nachtpflegeplätzen ist auch politisch gewollt. Erst Anfang September machte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach anlässlich des Tags der pflegenden Angehörigen deutlich, dass sich der Freistaat für mehr Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflegeplätze einsetzen will. Über das Förderprogramm „Pflege im sozialen Nahraum“ wurden demnach seit 2020 bayernweit mehr als 10.000 solcher Plätze mit rund 487 Millionen Euro gefördert. Der Hintergrund: Rund 83 Prozent der etwa 630.000 Pflegebedürftigen in Bayern werden zu Hause versorgt, meist von Angehörigen.
Wie ist die Pflegesituation in Bayreuth konkret?
Auch die Pflegebedarfsplanung der Stadt Bayreuth zeigt, wie groß der Bedarf an Entlastungsangeboten ist: Aktuell sind in der Stadt schon 3.600 bis 3.900 Menschen privat in die Pflege eines Angehörigen eingebunden, bis 2040 sollen es rund 5.400 werden. Gleichzeitig rechnet die Stadt damit, dass bis 2040 bis zu 300 vollstationäre Pflegeplätze fehlen werden – unabhängig vom ohnehin akuten Fachkräftemangel. Angebote wie die Nachtpflege, die pflegende Angehörige stützen, statt sie in die vollstationäre Pflege zu drängen, gewinnen vor diesem Hintergrund an Bedeutung.
Häufige Fragen
Was ist eingestreute Nachtpflege?
Eingestreute Nachtpflege bedeutet, dass Nachtpflegeplätze in eine bereits bestehende Pflegeeinrichtung integriert sind, statt in einer eigenen, separaten Nachtpflege-Einrichtung. Im AWO Zentrum in Bayreuth sind es drei solcher Plätze.
Wer kann die Nachtpflege im AWO Zentrum Bayreuth nutzen?
Das Angebot richtet sich an pflegebedürftige Menschen, die zu Hause von Angehörigen versorgt werden – insbesondere bei Demenz, chronischen Erkrankungen oder unruhigem Schlafverhalten. Es kann montags bis freitags genutzt werden.
Wie viele Plätze gibt es und muss ich meinen Angehörigen selbst bringen?
Aktuell stehen drei Plätze zur Verfügung. Ein Fahrdienst holt die Nachtgäste auf Wunsch abends von zu Hause ab und bringt sie am nächsten Morgen wieder zurück.
Warum ist das Angebot in Bayreuth eine Besonderheit?
Der AWO Kreisverband Bayreuth-Stadt ist die erste Einrichtung in Bayern, die eingestreute Nachtpflege fest in den Pflegesatzverhandlungen vereinbart hat. Grundlage ist ein Pilotprojekt, das 2023/2024 in Unterfranken erfolgreich getestet wurde.
Muss mein Angehöriger dauerhaft im AWO Zentrum bleiben?
Nein. Anders als bei vollstationärer Pflege bleibt der Lebensmittelpunkt zu Hause. Die Nacht in der Einrichtung ist eine punktuelle Entlastung für pflegende Angehörige, keine dauerhafte Unterbringung.












Der Jean Paul Art Space in der Friedrichstraße 5. © bt-Redaktion
Betroffen ist der westliche Ortseingang von Kauerndorf. Karte mit OpenStreetMap erstellt © openstreetmap.org/copyright