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Politik

Kita-Neubau in der Saas: Jakobstraße scheitert im Stadtrat knapp

von Stefanie Schweinstetter am 13. November 2025, Update von Michael Christensen am 19. Dezember 2025

Die geplante neue Kita in der Jakobstraße im Bayreuther Stadtteil Saas kommt vorerst nicht. Eine knappe Mehrheit des Stadtrats folgte damit nicht der Empfehlung des Stadtentwicklungsausschusses und der Verwaltung.

Die geplante neue Kita in der Jakobstraße im Bayreuther Stadtteil Saas kommt vorerst nicht. Der Stadtrat folgte am 17. Dezember damit nicht der Empfehlung des Stadtentwicklungsausschusses und der Verwaltung. Nach einer langen und teils kontroversen Diskussion sprach sich eine knappe Mehrheit dafür aus, weiter nach einer besseren und langfristig tragfähigen Lösung zu suchen.

Abstimmung zur Kita Jakobstraße zweimal durchgeführt

Am Ende entschied eine Mehrheit von 21 zu 19 Stimmen gegen den Verwaltungsvorschlag. Zuvor war es zu einer formalen Korrektur gekommen: Zunächst war über einen Antrag von Torsten Lange (BG) abgestimmt worden, bevor der Verwaltungsvorschlag zur Jakobstraße zur Entscheidung stand. Wolfgang Gruber (DU) machte den Stadtrat auf die falsche Reihenfolge aufmerksam. Die Abstimmung wurde daraufhin wiederholt – mit demselben Ergebnis gegen die Jakobstraße.

Veraltete Container erhöhen den Handlungsdruck

Unstrittig ist der schlechte Zustand der derzeit genutzten Kita- und Hortcontainer. Sie gelten seit Jahren nur noch als Übergangslösung. Eltern und Träger drängen auf Ersatz, da die Container heutigen Anforderungen an Raum, Ausstattung und Dauerbetrieb nicht mehr genügen. Sie sind eines der Hauptargumente für einen schnellen Neubau.

Diese Standorte wurden geprüft

  • Jakobstraße (altes Forsthaus)
    Ein Neubau in Modulbauweise auf einem gut erschlossenen, schulnahen Grundstück. Der Standort gilt als schnell realisierbar und erweiterbar.
  • Erikaweg (Erweiterung der bestehenden Kita)
    Bietet organisatorische Vorteile und Synergien für Personal und Träger. Allerdings fehlen Flächen, zudem wären aufwendige Planungs- und Genehmigungsverfahren nötig, was für eine lange Zeitspanne bis zur Realisierung spricht.
  • Narzissenweg
    Städtische Fläche, grundsätzlich verfügbar. Nachteil: große Entfernung zur Schule sowie hoher Zeit- und Kostenaufwand durch einen Neubau auf der grünen Wiese.
  • Ehemaliges Aldi-Gelände
    Liegt weit vom Stadtteilkern entfernt, wäre teuer im Ankauf und bietet keine geeigneten Außenflächen.

Verwaltung empfiehlt die Jakobstraße

Die Verwaltung sprach sich deutlich für die Jakobstraße aus. Ausschlaggebend seien die Nähe zur Schule, die vorhandene Infrastruktur, die schnelle Umsetzbarkeit und flexible Erweiterungsmöglichkeiten.

Baureferentin Urte Kelm bezeichnete das Areal als „Filetgrundstück“ und betonte: „Wir können hier wirklich starten.“ Ein Baubeginn wäre aus Sicht der Verwaltung bereits 2027 möglich.

Kritikpunkt: Abriss und Entmietung

Problematisch bleibt der Abriss des alten Forsthauses, das derzeit noch bewohnt ist. Die notwendige Entmietung sorgte für politische und menschliche Bedenken.

Geteilte Meinungen im Stadtrat

Für die CSU bezeichnete Stefan Specht die Jakobstraße als „den besten Standort aus mehreren Gründen“. Entscheidend seien Wirtschaftlichkeit und Tempo: „Das ist das Angebot, das die zeitliche Realisierbarkeit am raschesten garantiert.“

Die SPD bevorzugte weiterhin den Erikaweg. Andreas Zippel verwies auf Vorteile für Träger und Personal: „Wenn wir alles an einem Standort konzentrieren, erleichtert das Vertretungen und gemeinsame Nutzung von Räumen.“ Eltern seien bereit, längere Planungen in Kauf zu nehmen, wenn die Lösung dauerhaft tragfähig sei.

Auch die Grünen zeigten sich überwiegend skeptisch gegenüber der Jakobstraße. Sabine Steininger erklärte, kurze Wege und bessere Abläufe sprächen für den Erikaweg. Die Kombination von Kita und Tagespflege an der Jakobstraße sei zwar „reizvoll“, müsse aber sauber geklärt werden – insbesondere bei der Entmietung.

Torsten Lange (BG) lehnte den Verwaltungsvorschlag deutlich ab und sprach von einem „bitteren Weihnachtsgeschenk“ für Eltern und Erzieher. Er verwies auf längere Wege, fehlende Synergien und Risiken durch die Nähe zum Tierheim. Als Alternative brachte er erneut eine Erweiterung am Erikaweg und die Doppelnutzung eines Spielplatzes ins Spiel.

OB Ebersberger wirbt für schnelle Entscheidung

Oberbürgermeister Thomas Ebersberger betonte die Vorteile der Jakobstraße: viel Grün, Schulnähe und eine schnelle Umsetzung. Lärmprobleme durch das Tierheim seien rechtlich unproblematisch, da Kinderbetreuung eine reine Tagesnutzung sei. „Wenn man es zügig machen will und den Kostenrahmen betrachtet, spricht mehr für diese Variante“, so Ebersberger.

Wie geht es weiter?

Mit dem knappen Votum gegen die Jakobstraße ist die Standortfrage erneut offen. Der Stadtrat will weiter nach einer nachhaltigen Lösung suchen. Besonders im Blick sind die vom Stadtrat vorgeschlagenen Ideen, die nun von der Stadtverwaltung geprüft werden sollen. Klar ist: Der Druck bleibt hoch, denn der Zustand der Container lässt kaum Zeit für jahrelange Verzögerungen. Eine endgültige, nachhaltige Entscheidung wird nun im kommenden Jahr erwartet.

Artikel vom Stadtentwicklungsausschuss

Der Weg zur neuen Kita im Stadtteil Saas ist entschieden: Der Stadtentwicklungsausschuss empfiehlt dem Stadtrat, das Gelände an der Jakobstraße – das sogenannte alte Forsthaus – als Standort für den Neubau von Kita und Hort festzulegen. Damit endet eine monatelange Standortprüfung, bei der vier mögliche Alternativen gegeneinander abgewogen wurden.

Container sollen endlich ersetzt werden

Seit Jahren drängen Eltern und Träger auf eine dauerhafte Lösung: Die Kita Saas nutzt derzeit Container, die längst ersetzt werden müssten. Auch die Hort-Container an der Grundschule sollen verschwinden. Eine Bedarfsanalyse von Stadt und Diakonie ergab, dass mindestens drei Gruppenräume neu gebaut werden müssen, eine altersgemischte Gruppe ist zusätzlich geplant.

Standort 1: Jakobstraße – Favorit der Verwaltung

Das Gelände des alten Forsthauses in der Jakobstraße 128 überzeugte die Verwaltung vor allem durch seine Lage. Das Grundstück, das der Hospitalstiftung gehört, liegt in unmittelbarer Nähe zur Grundschule Lerchenbühl. Auch zur evangelischen KiTa am Erikaweg ist es nicht weit. Das Grundstück ist gut erschlossen und liegt im Grünen.

Das alte Forsthaus auf dem Grundstück, müsste der Kita weichen. Es ist allerdings derzeit bewohnt. Der Begriff „Entmietung“ machte einigen Stadträten im Stadtentwicklungsausschuss Bauchschmerzen. Im Haus wohne ein älteres Paar, für das die Wohngegebenheiten im Forsthaus nicht mehr komfortabel seien, sagte Baureferentin Urte Kelm. Man sei in guten Gesprächen, sowohl mit der Hospitalstiftung, als auch mit dem Ehepaar und den Angehörigen. Mehrere Stadträte baten mit Nachdruck darum, hier sensibel vorzugehen.

Zukünftig soll auf dem Gelände einen Neubau in Modulbauweise entstehen, der zunächst vier Gruppen aufnehmen kann. Eine Erweiterung ist möglich. Durch die Vorprägung des Areals und die bestehende Infrastruktur könnte die Kita hier schnell entstehen, so Urte Kelm.

Standort 2: Erikaweg – Synergien, aber lange Verfahren

Die Erweiterung am bestehenden Kindergarten Erikaweg ist der Favorit des Trägers Diakonie, da so alle Betreuungsangebote gebündelt wären. Synergieeffekte im Personal- und Raumnutzungskonzept sprechen für den Standort. „Wenn wir effizient mit den Erzieherinnen und Erziehern umgehen wollen, wäre das die beste Lösung“, sagte SPD-Stadtrat Andreas Zippel. „Aber die Zeitachse spricht dagegen.“

Allerdings sind zusätzliche Grundstücksflächen nötig, und möglicherweise wäre eine Änderung des Flächennutzungsplans erforderlich. Das würde das Verfahren erheblich verzögern.

Am Standort Erikaweg hat die Verwaltung noch eine weitere Möglichkeit geprüft: Einen Neubau gegenüber der bestehenden Kita. Zum Teil würde diese Kita einen städtischen Kinderspielplatz verdrängen, der an anderer Stelle ersetzt werden müsste. Ein weiteres Problem: Die neue Kita wäre durch einen Fuß- und Radweg von der bestehenden Kita getrennt. Für den Hol- und Bringverkehr nicht ideal.

Standort 3: Neubau am Narzissenweg – isoliert am Stadtrand

Der Standort Narzissenweg liegt am Rand der Saas auf einer städtischen Wiese. Die Fläche wäre sofort verfügbar, denn sie gehört der Stadt bereits. Die Diakonie als Träger findet die Lage allerdings ungünstig: Um dort auch einen Hort unterzubringen, sei der Standort zu weit von der Schule entfernt.

Auch das Hochbauamt hat Bedenken: Ein kompletter Neubau auf der „grünen Wiese“ würde viel Zeit und höhere Kosten bedeuten.

Standort 4: Ehemaliges Aldi-Gelände – teuer und ungeeignet

Das alte Aldi-Gelände an der Karl-von-Linde-Straße war von Beginn an eher ein Außenseiter. Es liegt im Stadtteil Glocke, also weit entfernt vom Siedlungskern der Saas.

Ein Umbau des ehemaligen Supermarktes wäre technisch aufwendig und teuer, so die Stadtverwaltung. Denn die Gegebenheiten eines Supermarkt-Gebäudes entsprechen den Anforderungen einer Kita nicht. Zudem verlangt der Eigentümer einen Kaufpreis von rund 1,5 Millionen Euro.

Zudem fehlen Grünflächen für Außenspielbereiche. Ein weiterer Punkt: Die Stadt möchte ihre ohnehin knapp bemessenen Gewerbeflächen nicht weiter verkleinern.

Schrittweise Umsetzung geplant

Laut Verwaltung können die Arbeiten in der Jakobstraße zügig starten. Nach der Entmietung des alten Forsthauses soll ein Erbbaurechtsvertrag mit der Hospitalstiftung geschlossen und ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt werden.

Die neue Einrichtung soll zunächst Platz für vier Gruppen bieten, mit Option auf Erweiterung. Durch die Modulbauweise kann später ein Hort ergänzt werden. Wenn alles klappt, kann 2027 mit dem Bau begonnen werden.

Zwei Mitglieder des Ausschusses stimmten gegen den Verwaltungsvorschlag.