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Zuletzt aktualisiert am 21. Januar 2026 | 20:08

Stadtrat

Neuer Rad- und Gehweg für den Bayreuther Osten: Stadt sagt Nein

von Katharina Müller-Sanke am 17. Januar, Update am 20. Januar 2026

Ein einfacher Fuß- und Radweg zwischen St. Johannis und der Königsallee sollte Schülern und Radfahrern einen kürzeren und sichereren Weg ins Schulzentrum Ost ermöglichen. Der Stadtentwicklungsausschuss folgte jedoch mehrheitlich der Verwaltung und lehnte den Antrag aus mehreren Gründen ab.

Westlich der Königsallee verläuft die geplante Verbindung über einen bestehenden, öffentlich gewidmeten Feld- und Waldweg im Landschaftsschutzgebiet mit bis zu acht Prozent Steigung, während östlich der Königsallee kein ausgewiesener Weg existiert, die Trasse über private Wiesenflächen führt und Steigungen von bis zu neun Prozent aufweist. © OpenStreetMap | openstreetmap.org/copyright
Westlich der Königsallee verläuft die geplante Verbindung über einen bestehenden, öffentlich gewidmeten Feld- und Waldweg im Landschaftsschutzgebiet mit bis zu acht Prozent Steigung, während östlich der Königsallee kein ausgewiesener Weg existiert, die Trasse über private Wiesenflächen führt und Steigungen von bis zu neun Prozent aufweist. © OpenStreetMap | openstreetmap.org/copyright

Der Antrag von Helmut Parzen (CSU) wurde im Stadtentwicklungsausschuss am 20. Januar kontrovers diskutiert, mit Stimmen auf beiden Seiten. Am Ende wurde er jedoch abgelehnt und der Sicht der Stadtverwaltung gefolgt.

Die Idee: Vom Feldweg zur Express-Route

Stadtrat Helmut Parzen (CSU) hat ein Auge auf eine Route geworfen, die viele bisher nur als holprigen Feldweg kennen. Der Plan: Die bestehende Verbindung von St. Johannis/Geiersnest über die Königsallee direkt zum Schulzentrum Ost und zur Wilhelminenaue soll offiziell als Fuß- und Radweg ausgebaut werden.

Das Ganze betrifft die Flurstücke Nr. 114 (Gemarkung Colmdorf) und Nr. 280 (Gemarkung St. Johannis). Der Clou: Der Weg befindet sich laut Antrag bereits in städtischem Besitz. Das spart der Stadt langwierige Verhandlungen mit Privatbesitzern.

Warum das Ganze? Sicherheit geht vor!

Bisher ist der Weg eher etwas für Mountainbike-Fans oder Wanderer. Parzen schlägt vor, die Strecke mit geringem Aufwand zu schottern oder als wasserdurchlässigen Weg zu befestigen.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Sicherer Schulweg: Schüler aus Seulbitz und St. Johannis müssten nicht mehr die großen Hauptstraßen nutzen, sondern hätten eine direkte „Pipeline“ zum Unterricht.
  • Tourismus-Boost: Auch Besucher der Eremitage und Wanderer könnten bequem unter der A9 hindurch bis in die Stadt (Obere Röth) gelangen.
  • Anschluss an die Natur: Die Verbindung zur Wilhelminenaue würde deutlich attraktiver werden.

Verwaltung sieht keine alltagstaugliche Radverbindung

Baureferentin Urte Kelm stellte die Ergebnisse der Verwaltungsprüfung am 20. Januar 2026 vor. Der Antrag sei intensiv geprüft und bereits in der Kommission für Mobilitätsplanung behandelt worden. Aus Sicht der Verwaltung spreche jedoch vieles gegen eine Umsetzung.

1. Bietet keinen zusätzlichen Nutzen

Die geplante Verbindung sei „nicht Bestandteil des qualifizierten Routennetzes“ des Radverkehrskonzepts, eine übergeordnete Netzfunktion lasse sich nicht erkennen. Wege bestehen bereits vom östlichen Bereich der A9 (Seulbitz) in die Innenstadt sowie zum Schulzentrum-Ost. Zudem sei die Querung der Königsallee problematisch, da dort „schlechte Sichtbeziehungen“ bestünden.

2. Rechtliche und praktische Hürden

Hinzu kämen rechtliche und praktische Hürden: Der westliche, von Königsallee ausgesehen, Abschnitt liege zwar auf städtischem Grund, befinde sich aber vollständig im Landschaftsschutzgebiet Oberes Rotmaintal. Dabei handelt es sich um ein Biotop.

Der östliche Abschnitt verlaufe über private Grundstücke ohne öffentliche Widmung. Dort sei „derzeit oder aktuell kein Weg erkennbar“, vielmehr werde die Fläche als Wiese genutzt.

3. Der Verlauf des Weges wäre ohnehin zu steil

Auch die Topografie spreche gegen den Ausbau. Auf rund 500 Metern müssten Höhenunterschiede von etwa 26 Metern überwunden werden, mit Steigungen von bis zu acht Prozent, teils sogar neun Prozent. Nach Einschätzung der Verwaltung handle es sich daher „keine alltagstaugliche Verbindung“.

Schon gelesen? Maximilian Stöhr ist neuer Nahmobilitätsbeauftragter in Bayreuth.

Diskussion im Stadtrat

Argumente der Befürworter: kürzer, direkter, sicherer

Unterstützung erhielt der Antrag aus der CSU. Stefan Specht sprach von der „direktesten, kürzesten und schnellsten Verbindung“ zwischen Innenstadt, Eremitenhof und Schulzentrum Ost. Die Alternativroute über St. Johannis bedeute für Radfahrer einen deutlichen Umweg. Zwar räumte Specht ein, dass Steigungen und Eigentumsverhältnisse „nahezu ein K.-o.-Argument“ seien, er plädierte aber dafür, die Trasse „im Hinterkopf der Verwaltung“ zu behalten.

Mirko Matros (CSU) verwies auf konkrete Gefahrenstellen an der Königsallee. Dort würden Kinder auf dem Weg zum Sporttraining die Straße queren und anschließend auf der Fahrbahn weiterfahren. Eine alternative Führung über den Feldweg könne solche Situationen entschärfen. Steigungen seien „im Zeitalter der E-Bikes ehrlich gesagt nicht mehr zeitgemäß“.

Stephan Müller (BG) positionierte sich in der Debatte deutlich gegen die ablehnende Haltung der Verwaltung und stimmte entsprechend gegen den Beschluss. Er zeigte wenig Verständnis für die vorgebrachten naturschutzrechtlichen Bedenken und verwies darauf, dass die betroffenen Flächen bereits landwirtschaftlich genutzt würden: „Da fahren mit Sicherheit auch Traktoren hin.“ Aus seiner Sicht hätte die Stadt zumindest das Gespräch mit den Grundstückseigentümern suchen müssen, statt den Antrag frühzeitig als kaum umsetzbar zu bewerten.

Auch FDP-Stadtrat Stephan Huttner warb zumindest für Gespräche mit den Eigentümern. Die Bürger würden eher akzeptieren, wenn die Stadt sagen könne: „Wir haben alles versucht“, statt frühzeitig abzuwinken.

Kritische Stimmen: Alltagstauglichkeit und Kosten im Fokus

Mehrere SPD-Stadträte äußerten Zweifel. Andreas Zippel bezeichnete den Vorschlag zwar als „charmant“, stellte aber die Frage, für wen der Weg im Alltag wirklich relevant sei. Viele Radfahrer nutzten bereits andere Routen. Ohne ordentliche Befestigung bleibe offen, „wer fährt dann im Alltagsweg diesen Weg“.

Thomas Bauske (SPD) betonte, dass unbefestigte Wege in Kombination mit starken Steigungen den Kraftaufwand massiv erhöhten. Auf der Karte sehe die Strecke attraktiv aus, „bloß man muss da hoch und auf der anderen Seite wieder runter“. Für eine breite Nutzergruppe sei das kaum alltagstauglich.

Halil Tasdelen (SPD) sah den Schwerpunkt eher an bestehenden Gefahrenpunkten. Ohne eine Entschärfung des Knotenpunkts an der Königsallee bringe ein neuer Weg wenig. Er regte stattdessen langfristig einen parallel zur Straße verlaufenden Geh- und Radweg an.

Stadtplanungsamt: Grunderwerb und Unterhalt kaum realistisch

Ulrich Meyer von Helligen vom Stadtplanungsamt widersprach dem Eindruck, die Verwaltung suche nur Gründe gegen das Projekt. Man habe intensiv geprüft und auch mit Radverbänden gesprochen. Ein Grunderwerb im östlichen Bereich sei jedoch „nicht realistisch“. Zudem müsse klar sein: Sobald ein Weg ertüchtigt werde, gingen Unterhalt und Kosten auf die Stadt über.

Aus Sicht der Verwaltung habe daher der Ausbau der Radverkehrsführung an der Königsallee Priorität. „Das ist der wichtigste Punkt, der Knackpunkt“, so Meyer von Helligen.

Entscheidung: Antrag abgelehnt, Thema bleibt offen

Am Ende folgte der Ausschuss dem Vorschlag der Verwaltung. Oberbürgermeister Thomas Ebersberger fasste zusammen, der Antrag solle „derzeit nicht weiterverfolgt werden“. Sollten sich Eigentumsverhältnisse oder Rahmenbedingungen ändern, könne man das Thema erneut aufgreifen.

Bei der Abstimmung sprachen sich lediglich drei Stadträte gegen den Beschluss der Stadtverwaltung aus. Damit bleibt der Feldweg zwischen St. Johannis und Königsallee vorerst unverändert.

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