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Jetzt sind die Bürger gefragt: Beteiligung zum Agri-Solarpark in Bayreuth startet
Mit dem Beginn der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung startet nun der nächste Verfahrensschritt im Bebauungsplanverfahren für eine Agri-Photovoltaikanlage in Bayreuth. Ab dem 10. August können Bürger ihre Stellungnahmen offiziell in das Verfahren einbringen.
Die Planung für den Agri-Solarpark an der Thiergärtner Straße geht in die nächste Phase. Denn nun startet die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung des Bebauungsplanverfahrens. Vom 10. August bis zum 7. September können Interessierte die Planunterlagen einsehen und Stellungnahmen abgeben.
Planungsunterlagen liegen aus
Die Unterlagen sind ab dem 10. August online verfügbar, können aber auch im Stadtplanungsamt im Verwaltungsgebäude in der Wilhelm-Pitz-Straße 1 eingesehen werden. Das Stadtplanungsamt befindet sich dort im vierten Obergeschoss. Die Unterlagen liegen dort am Montag, Dienstag und Donnerstag von 8 bis 16 Uhr, am Mittwoch von 8 bis 18 Uhr und am Freitag von 8 bis 12 Uhr aus.
So können sich Bürger beteiligen
Wer Fragen zur Planung hat, kann diese während der Beteiligungsfrist telefonisch oder per E-Mail an das Stadtplanungsamt richten. Außerdem können Interessierte unter der Nummer 0921/251660 einen persönlichen Termin vereinbaren, um die Planunterlagen gemeinsam mit Mitarbeitern der Verwaltung zu besprechen.
Die Stadt bittet darum, Stellungnahmen möglichst elektronisch einzureichen, bei Bedarf können sie aber auch analog abgegeben werden.
Die Beteiligung ist Teil des gesetzlich vorgeschriebenen Bebauungsplanverfahrens. Die eingegangenen Stellungnahmen werden im weiteren Verfahren geprüft und vom Stadtrat bei seiner Entscheidung berücksichtigt.
Dass nun die Öffentlichkeitsbeteiligung startet, dürfte insbesondere für Anwohner sehr wichtig sein. Im Vorfeld des Stadtratsbeschlusses war von Kritikern unter anderem bemängelt worden, dass sie bislang noch nicht beteiligt worden seien. Dafür sieht das Bauleitplanverfahren diesen Verfahrensschritt vor.
Was bedeutet die Bürgerbeteiligung?
- Der Solarpark ist noch nicht beschlossen. Der Stadtrat hat lediglich das Bebauungsplanverfahren eingeleitet.
- Bis zum 7. September können Stellungnahmen abgegeben werden. Diese werden von der Stadt geprüft und in die weitere Planung einbezogen.
- Auch Fragen sind möglich. Interessierte können sich die Planung erläutern lassen oder einen Gesprächstermin mit dem Stadtplanungsamt vereinbaren.
- Erst später entscheidet der Stadtrat endgültig, ob und in welcher Form der Bebauungsplan beschlossen wird.
Das Verfahren gibt es im Detail auf der Internetseite der Stadt Bayreuth nachzulesen.
Unser Artikel vom 23. Juli – Darum geht’s
Während der Stadtentwicklungsausschuss noch einstimmig grünes Licht für die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens gegeben hatte, wurde der geplante Agri-Solarpark an der Thiergärtner Straße im Stadtrat deutlich kontroverser diskutiert. Schließlich beschloss das Gremium dennoch, das Verfahren zu starten. Damit ist das Projekt zwar einen Schritt weiter – entschieden ist über den Bau der Anlage aber noch lange nicht.
Die Feldwerke Alpha Development GmbH möchte auf einer rund 8,3 Hektar großen Teilfläche des Grundstücks Thiergärtner Straße 48 im Süden Bayreuths Photovoltaik und Landwirtschaft kombinieren. Geplant ist ein sogenannter Agri-Solarpark: Die Module sind einachsig beweglich und stehen so weit auseinander, dass landwirtschaftliche Fahrzeuge weiterhin zwischen den Reihen fahren können.
Kritik schon vor Beginn des Verfahrens
Auch wenn es mit dem Bebauungsplanverfahren noch ein weiter Weg bis zur Umsetzung ist: Im Stadtrat wurden bereits grundsätzliche Fragen zum Standort und zum weiteren Vorgehen diskutiert.
Anders als noch im Stadtentwicklungsausschuss sprach sich die CSU-Fraktion im Stadtrat mehrheitlich gegen den Start des Verfahrens aus. Stefan Specht begründete dies vor allem mit dem städtischen PV-Steuerungskonzept: Die Stadt solle sich aus Sicht seiner Fraktion auf die dort vorgesehenen Flächen konzentrieren. Neue Sondergebiete außerhalb dieser Bereiche könnten Präzedenzfälle schaffen.
Zudem verwies Specht auf Bedenken von Anwohnern und Landwirten. Mögliche Auswirkungen etwa durch Reflexionen, Einschränkungen bei der Bewirtschaftung oder Veränderungen des Umfelds müssten berücksichtigt werden. Auch Maximilian Maul (AfD) und Karl-Heinz Breitzmann (PRO BTH) verwiesen auf Beschwerden von Nachbarn.
Christopher Süss (JB) widersprach der Darstellung, dass mit dem Aufstellungsbeschluss bereits Fakten geschaffen würden. Gerade das Bebauungsplanverfahren diene dazu, offene Fragen fachlich zu prüfen. Die notwendigen Gutachten, etwa zu Umwelt, Landwirtschaft oder möglichen Auswirkungen auf die Umgebung, würden erst im weiteren Verfahren erstellt. Auch Behörden, Nachbarn und Öffentlichkeit würden dann beteiligt.
Diskussion um PV-Steuerungskonzept
Auch für Zweiten Bürgermeister Stefan Schuh (CSU) stand die Frage im Mittelpunkt, ob Bayreuth außerhalb der im städtischen PV-Steuerungskonzept festgelegten Vorrangflächen überhaupt neue Solarprojekte zulassen sollte. In dem 2023 beschlossenen Konzept legt die Stadt sogenannte Fokusräume fest, in denen PV-Anlagen vorrangig angesiedelt werden sollen. Das geplante Projekt liegt außerhalb dieser Bereiche.
Schuh kritisierte, dass dies der damaligen Zielsetzung widerspreche, Solarprojekte auf geeignete Standorte zu konzentrieren. Baureferentin Urte Kelm hielt dagegen: Das Steuerungskonzept schließe Projekte außerhalb der festgelegten Bereiche nicht grundsätzlich aus. Vielmehr müsse der Stadtrat in solchen Fällen im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens im Einzelfall entscheiden. „An dem Punkt sind wir heute“, sagte sie. Zudem sei man bei der Umsetzung eines Agri-Solarparks auf die Beteiligung eines Landwirts angewiesen. Eine andere Fläche für das Projekt zu finden sei deshalb schwierig.
Klaus Wührl-Struller (Grüne) zog Bilanz: „Wenn wir jetzt dieses Bebauungsplanverfahren einleiten, dann können wir die offenen Fragen in Ruhe und mit Anhörung aller betroffenen Fachleute diskutieren.“
Ein Antrag, zunächst Gespräche mit dem Investor über einen Standort innerhalb der Vorranggebiete zu führen, kam nicht mehr zur Abstimmung. Zuvor hatte der Stadtrat bereits mehrheitlich beschlossen, das Bebauungsplanverfahren einzuleiten. Bei 41 anwesenden Stadträten gab es 18 Gegenstimmen.
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Aus dem Stadtentwicklungsausschuss am 14. Juli: Das Besondere an der Agri-PV-Anlage
Das zur Debatte stehende Areal entspricht einer Fläche von fast 12 Fußballfeldern. Die Modulreihen sind entlang einer Nord-Süd-Achse aufgeständert und einachsig beweglich, sodass sie der Sonne von Ost nach West folgen und bei Bedarf senkrecht gestellt werden können. Dadurch bleiben nach Angaben der Vorhabenträgerin mindestens 85 Prozent der Fläche weiterhin landwirtschaftlich nutzbar. Geplant sind Weidehaltung und Mahd. Die Module stehen dabei so weit auseinander (6 bis 9 Meter Arbeitsbreite), dass landwirtschaftliche Fahrzeuge weiterhin durchkommen.
Laut Antrag der Feldwerke Alpha Development GmbH soll die Anlage eine installierte Spitzenleistung von etwa 6.415 Kilowatt-Peak (kWp) haben. Das entspricht ungefähr der Leistung von 600 bis 650 typischen Solaranlagen auf Einfamilienhausdächern.
Ergänzt wird die Anlage durch einen Batteriespeicher mit einer Leistung von 10 bis 20 Megawatt. Je nach Pufferdauer von zwei bis vier Stunden ergibt sich daraus eine Speicherkapazität von rund 20 bis 80 Megawattstunden – genug, um den täglichen Strombedarf von mehreren tausend Haushalten zwischenzuspeichern.
Stadt sieht Standort als geeignet an
Weil das Grundstück im Außenbereich liegt und keine gesetzliche Ausnahme für die Anlage greift, braucht es einen eigenen Bebauungsplan. Der Stadtrat hat am Mittwoch, den 22. Juli 2026, entschieden, das Verfahren offiziell einleiten und die Verwaltung beauftragt, Öffentlichkeit und Behörden frühzeitig zu beteiligen.
Die Verwaltung befürwortet das Projekt aus mehreren Gründen. Es passt zum Klimaschutzkonzept der Stadt, das ausdrücklich ein Agri-PV-Modellprojekt vorsieht. Zudem stufen die zuständigen Fachämter – Umwelt- und Klimaschutz, Stadtförsterei, Stadtgartenamt, Bauordnungsamt – die Fläche übereinstimmend als vergleichsweise unproblematisch ein. Zwar liegt der Standort nicht in einem der bevorzugten Räume aus dem städtischen PV-Steuerungskonzept, doch gilt dieses laut Verwaltung nicht als abschließende Ausschlussliste.
Die Diskussion im Stadtentwicklungsausschuss
In der Sitzung am 14. Juli zeigte sich der Ausschuss überwiegend aufgeschlossen, wenn auch nicht ganz einhellig begeistert. Stefan Specht (CSU) machte deutlich, dass seine Fraktion dem Vorhaben mit gemischten Gefühlen begegnet:
„Ich verhehle nicht, dass meine Fraktion mit dem Vorhaben ein bisschen Bauchschmerzen hat“, so Specht – schließlich handle es sich hier nicht um eine ohnehin schon vorbelastete Fläche wie etwa entlang einer Autobahn, sondern um bislang uneingeschränkt nutzbares Ackerland zugunsten eines auswärtigen Investors.
Photovoltaik auf Dachflächen oder überdachten Parkplätzen seien vorzuziehen. Blockieren wollte die CSU die Einleitung des Verfahrens dennoch nicht, behielt sich aber vor, das Projekt im weiteren Verlauf kritisch zu begleiten oder ihre Zustimmung zurückzuziehen.
Deutlich positiver äußerten sich SPD, Grüne, Bürgergemeinschaft (BG) und Junge Bayreuther (JB). Thomas Bauske (SPD) bezeichnete das Projekt als „modellhaft für Bayreuth“, weil es Photovoltaik und Landwirtschaft erstmals in dieser Form kombiniere, und grenzte es ausdrücklich von reinen Freiflächenanlagen ab, wie sie an anderer Stelle entlang der Autobahn diskutiert werden.
Johanna Schmidtmann (Grüne) begrüßte den Ansatz ebenfalls. Ihr Fraktionskollege Ulf Boderius nannte die Kombination aus nachgeführten Modulen und Speicher „das Modernste, was wir haben“ und bezeichnete das Vorhaben als „absolut förderungswürdig, unterstützungswürdig“.
Georg Kämpf (BG) zeigte sich gespannt, „ob das ein wirklich gangbarer Weg ist“, das Konzept der Doppelnutzung in der Praxis zu bewähren. Christopher Süss (JB) knüpfte seine Zustimmung an den Appell, „dass wir da wirklich auch alle Möglichkeiten ausschöpfen“, damit sich die Stadt oder eine Bürgerenergiegenossenschaft finanziell an der Anlage beteiligt – etwa über den Kauf von Betriebseinheiten –, um die Wertschöpfung auch vor Ort zu verankern.
Der Beschluss im Stadtentwicklungsausschuss
Der Stadtentwicklungsausschuss stimmte am Ende einstimmig für die Empfehlung an den Stadtrat, das Bebauungsplanverfahren einzuleiten und die frühzeitige Beteiligung von Öffentlichkeit sowie Behörden zu starten. Formal entscheidet darüber nun der Stadtrat – dieser Tagesordnungspunkt steht für Mittwoch, den 22. Juli, an.
Fällt die Entscheidung wie erwartet aus, ist das allerdings erst der Auftakt eines längeren Verfahrens.
Als Nächstes stehen laut Verwaltung die Festlegung des Untersuchungsrahmens für die Umweltprüfung, die Erstellung notwendiger Fachgutachten sowie die Erarbeitung der Entwürfe für Bebauungsplan, Vorhaben- und Erschließungsplan sowie Durchführungsvertrag an.
Parallel muss auch der Flächennutzungsplan geändert werden; die entsprechende Beratung im zuständigen Gremium ist nach der Sommerpause vorgesehen. Die Feldwerke Alpha Development GmbH selbst kalkuliert mit dem eigentlichen Bauleitplanverfahren bis frühestens Anfang 2027 und einem möglichen Baubeginn nicht vor Mitte 2027.












Demonstrierende vor dem Bayernland-Areal ©NGG