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Zuletzt aktualisiert am 30. April 2026 | 17:25

Oberfränkische Ermittler heben internationales Betrüger-Callcenter in Madrid aus

von bt-Redaktion

Ein Callcenter in einer Madrider Ferienwohnung, täglich massenhafte Betrugsanrufe nach Deutschland und Beute im Wert von mehreren hunderttausend Euro. Oberfränkische Ermittler haben die Bande jetzt gemeinsam mit spanischen Behörden gestoppt.

Symbolbild: Pixabay
Symbolbild: Pixabay

Das Prinzip der sogenannten Schockanrufe ist perfide simpel. Die Täter riefen bei überwiegend älteren Menschen in ganz Deutschland an und gaben sich als Polizeibeamte, Staatsanwälte oder Familienmitglieder aus. Die Geschichte war immer ähnlich: Ein naher Angehöriger habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht und komme nur gegen eine hohe Kaution frei. Ziel war es, die Opfer zur Übergabe von Bargeld, Gold oder Wertgegenständen zu bewegen.

Schon gelesen? „So bin ich in die Falle getappt“: Eine Betroffene warnt vor Telefonbetrügern.

Callcenter in Madrider Wohnung als Schaltzentrale

Was professionell klingt, war es auch. Die Bande betrieb ihr illegales Callcenter in einer eigens angemieteten Ferienwohnung in Madrid und startete von dort aus über mehrere Wochen täglich eine Vielzahl betrügerischer Anrufe nach Deutschland. Ermittlungen der Kriminalpolizeiinspektion Zentralaufgaben Oberfranken (KPI-Z) unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Bamberg führten den Behörden schließlich direkt in das Apartment.

Vier Festnahmen in Madrid, zwei weitere in Frankfurt

Mitte März schlug eine koordinierte Aktion zu. Spanische Einsatzkräfte der Policia Nacional nahmen alle vier Hauptverdächtigen in Madrid fest: einen 37-jährigen Schweden aus Hamburg und seine 33-jährige polnische Ehefrau sowie zwei polnische Staatsangehörige im Alter von 23 und 30 Jahren.

Sie übernahmen in der Bande die Rollen der sogenannten „Keiler“ (falsche Polizisten) und „Heuler“ (falsche Angehörige). Zeitgleich durchsuchte das Hamburger Landeskriminalamt den Wohnsitz des 37-Jährigen im Raum Hamburg. In Frankfurt am Main wurden zusätzlich zwei weitere Personen festgenommen, die damit beauftragt waren, Diebesgut aus einem Schockanruf weiterzuschaffen, darunter allein 920 Gramm Gold.

Beschlagnahmte Beute: Gold, Luxusuhren, digitale Geräte

Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler umfangreiche Beweismittel sicher. Dazu gehören Mobiltelefone, SIM-Karten und digitale Speichermedien ebenso wie erhebliche Vermögenswerte: Gold im Gesamtgewicht von über einem Kilogramm sowie hochwertige Schmuck- und Luxusgegenstände wie Uhren und Modeartikel.

14 konkrete Taten, jeweils rund 90.000 Euro Forderung

Zum Zeitpunkt der Festnahmen konnten die Ermittler bereits 14 konkrete Betrugsfälle identifizieren, bei denen jeweils rund 90.000 Euro gefordert wurden. Hinzu kommt ein Anruf in Österreich, bei dem das Opfer 39.000 Euro an einen angeblichen Konsulatsmitarbeiter übergab. Aktuell werten die Ermittler der KPI-Z Oberfranken noch mehrere hundert bis tausend Schockanrufe forensisch aus. Weitere Fälle und Geschädigte sind sehr wahrscheinlich.

Europol koordinierte, Bamberg leitete

Der Ermittlungserfolg war nur durch enge internationale Zusammenarbeit möglich. Die Staatsanwaltschaften Bamberg und Madrid koordinierten die justizielle Abstimmung auf Grundlage Europäischer Ermittlungsanordnungen, Europol übernahm den polizeilichen Informationsaustausch. Gegen die vier Festgenommenen erließ das zuständige Gericht in Bamberg nationale und europäische Haftbefehle, unter anderem wegen des Verdachts des versuchten banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in mehreren Fällen. Die spanischen Behörden bereiten derzeit die Auslieferung nach Deutschland vor.

Ermittlungen laufen weiter

Die Zerschlagung des Callcenters ist ein wichtiger Schritt, aber noch kein Schlusspunkt. Die Ermittlungen laufen weiter, insbesondere zur vollständigen Aufklärung der Täterstruktur und zur Identifizierung weiterer Geschädigter. Wer glaubt, Opfer eines solchen Anrufs geworden zu sein, sollte sich an die Polizei wenden.

FAQ

Wo fanden die Festnahmen statt und wann?
Die vier Hauptverdächtigen wurden Mitte März in einer angemieteten Wohnung in Madrid festgenommen. Zeitgleich durchsuchten Beamte einen Wohnsitz im Raum Hamburg. Zwei weitere Personen wurden in Frankfurt am Main festgenommen.

Wie hoch ist der bekannte Schaden bisher?
Bei 14 bislang identifizierten Taten wurden jeweils rund 90.000 Euro gefordert. In einem Fall in Österreich übergab ein Opfer tatsächlich 39.000 Euro. Der Gesamtschaden dürfte noch deutlich höher liegen, da die Auswertung von hunderten bis tausenden Anrufen noch läuft.

Was passiert jetzt mit den Verdächtigen?
Gegen alle vier Festgenommenen liegen nationale und europäische Haftbefehle vor. Die spanischen Behörden bereiten aktuell die Auslieferung nach Deutschland vor, wo das weitere Strafverfahren unter Federführung der Staatsanwaltschaft Bamberg geführt wird.

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