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Zugverkehr nach Nürnberg läuft wieder Neuer Imbiss „Stern“ öffnet am 15. September Berufsschule zum Schulstart doch noch nicht bezugsfertig

Zuletzt aktualisiert am 08. Februar 2026 | 12:24

Olympische Spiele

Vom Ochsenkopf bis Olympia: Wie ein Bischofsgrüner Skispringer Geschichte schrieb

von Katharina Müller-Sanke

Wenn Henrik Ohlmeyer aus dem Nähkästchen plaudert, dann riecht es nach Bohnerwachs, Wollpullovern und dem fernen Duft der großen weiten Welt. Kurz vor seinem 80. Geburtstag trafen wir das Bischofsgrüner Urgestein zum Interview. Eine Zeitreise zwischen Schanzen-Pioniergeist, olympischen Träumen und einem Außenmeniskus, der für die Leidenschaft leiden musste.

Henrik Ohlmeyer feiert am 11. Februar 80. Geburtstag. Das BIld ist in seinem Wintergarten in Bischofsgrün entstanden ©Katharina Müller-Sanke
Henrik Ohlmeyer feiert am 11. Februar 80. Geburtstag. ©Katharina Müller-Sanke

Eigentlich bin ich ja ein Dickschädel“, lacht Hendrik Ohlmeyer, während er in alten Erinnerungen kramt. Dieser Eigensinn zog sich durch sein ganzes Leben: angefangen bei der Entscheidung, als Kind lieber bei den Großeltern in Bischofsgrün zu bleiben, statt den Eltern nach München zu folgen. Der Opa gab nach, der Bub blieb im Fichtelgebirge – zum Glück für den deutschen Skisport. Noch heute lebt er gemeinsam mit seiner Frau in dem Haus, das sein Großvater einst gebaut hat.

„20 Meter musstest du springen, sonst bist du auf die Straße geknallt“

Wer heute die modernen Schanzenanlagen sieht, kann sich kaum vorstellen, unter welchen Bedingungen Ohlmeyer und seine Kameraden in den 50er Jahren starteten. Die alte Ochsenkopfschanze war nichts für schwache Nerven. „Das war eine ganz einfache Schanze. Aber du hast gut 20 Meter springen müssen, um über die Straße zu kommen“, erzählt er.

Hier geht´s zu alten Videoaufnahmen vom Skifliegen am Kulm 1965, das Henrik Ohlmeyer gewann

Damals war Skispringen im Dorf noch ein Massenphänomen. „Wir waren oft 20 Springer im Verein. Wenn es dunkel wurde, haben wir erst aufgehört.“ Es war die Ära der Pioniere. Für die erste Mattenschanze der westlichen Welt im Jahr 1957 wurde Moos am Fichtelsee geholt, um das Profil zu polstern. Der damalige Vereinsvorstand Dr. Meyer glaubte so fest an das Projekt, dass er sogar eine Hypothek auf sein eigenes Haus aufnahm. Der Mut wurde belohnt: 15.000 Zuschauer pilgerten zur Einweihung, die Sonderzüge waren zum Bersten voll.

10 Mark am Tag: Profi-Sport ohne Profi-Gehalt

Heute fließen im Weltcup die Millionen, zu Ohlmeyers aktiven Zeiten sah das anders aus. „Wir waren Rein-Vollamateure. Da hat es nichts gegeben“, stellt er klar. Wer auf der Vierschanzentournee startete, bekam gerade einmal zehn Mark Tagegeld.

Um finanziell über die Runden zu kommen, ging Ohlmeyer zum Bundesgrenzschutz (BGS), auch wenn er mit der Uniform nie ganz warm wurde: „Ich war eigentlich kein Uniformträger, das war nichts für mich. 1973 bin ich dann auch entlassen worden.“ Seine wahre Berufung fand er in der Präzision: als Werkzeugmacher und schließlich 18 Jahre lang in der wissenschaftlichen Kälteforschung an der Universität.

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Mit gerissenem Meniskus in die Weltspitze

Die sportliche Bilanz Ohlmeyers ist trotz der bescheidenen Mittel beeindruckend. 1965 gewann er die Skiflugwochen in Mitterndorf, nur zwei Meter am Weltrekord vorbei. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Grenoble war er dabei, ein Jahr später wurde er Fünfter der Gesamtwertung bei der Vierschanzentournee.

Doch der Erfolg forderte seinen Preis. Einen großen Teil seiner Karriere sprang er mit einem gerissenen Außenmeniskus. „Ohne Bandage bin ich gar nicht mehr in die Hocke gekommen“, verrät er. Ein Sportarzt des BGS flickt ihn immer wieder zusammen, damit er „fast stehend“ anfahren konnte.

„Wenn ich damals nicht beim Grenzschutz gewesen wäre und den Sportarzt gehabt hätte, ich hätte gar nicht gewusst, wo ich hingehen sollte.“

Der Blick nach vorne: Die nächste Generation im Fokus

Auch wenn die Knie heute zwicken und die Achillessehne sowie die Bandscheibe ihren Tribut fordern – die Leidenschaft für den Sport ist geblieben. Zumindest als Zuschauer. Die olympischen Winterspiele, die aktuell laufen, verfolgt er minutiös am Fernseher.

Besonders stolz ist er auf die Nachwuchstalente aus der Region. „In den kleinen Orten wird es immer schlechter, wir haben ja nicht einmal mehr eine Jugendmannschaft im Fußball“, konstatiert er kritisch.

Am 11. Februar feiert Henrik Ohlmeyer nun seinen 80. Geburtstag. Ein Alter, das er früher für „uralt“ hielt, wie er zugibt. Doch wer ihm zuhört, merkt schnell: Der Geist des Fliegers, der einst über die Straße von Bischofsgrün segelte, ist immer noch hellwach.

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