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Open-Air-Konzert zwischen Sonnenfinsternis und Sternschnuppen
Erst die Sonnenfinsternis, dann der Sternenhimmel voller Perseiden: An diesem Abend wird der Innenhof des Klosters Speinshart zur Bühne unter freiem Himmel. Percussionist Christian Benning und seine Gruppe erwarten das Publikum mit rund 100 Instrumenten und einem Programm, das sich ganz den Himmelskörpern widmet.
Rund eine halbe Autostunde von Bayreuth entfernt liegt das romanische Kloster Speinshart aus dem 12. Jahrhundert im Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Der geschlossene Innenhof bietet eine gute Akustik, während der Blick zum Himmel frei bleibt. Genau dort veranstaltet das Festival junger Künstler Bayreuth an diesem Mittwochabend, 12. August, ein besonderes Open-Air-Konzert mit der Christian Benning Percussion Group.
Wie bei allen Veranstaltungen des Festivals zahlt das Publikum den Eintritt erst am Ende, und zwar so viel, wie es der Vorstellung wert war. Die Wetterprognose für Speinshart sieht bislang gut aus, sodass der Himmel wohl mitspielt. Doch selbst bei bewölktem Himmel erwartet die Gäste ein außergewöhnliches Perkussionsensemble.
Christian Benning und seine Percussion Group
Die Christian Benning Percussion Group ist ein international gefragtes Schlagzeugensemble, das unter anderem in der Elbphilharmonie Hamburg, im Münchener Herkulassaal sowie im Théâtre de la Ville in Paris gastierte. Jedes Mitglied kommt laut Benning auf etwa 100 Konzerte im Jahr.
Auf ihrem YouTube-Kanal bekommt man einen Eindruck von den vielfältigen Rahmen, in denen die Schlagzeuger auftreten.
Auch beim Festival junger Künstler in Bayreuth ist das Ensemble seit 2020 regelmäßig zu Gast. Zudem war Gründer Christian Benning 2023 als Artist in Residence geladen und gestaltete rund acht Konzerte in unterschiedlichen Besetzungen – sowohl solo als auch mit weiteren Gastmusikern und seinem Schlagzeugensemble.
„Mir liegt das Festival einfach am Herzen“, sagt Benning zu seiner Rückkehr nach Bayreuth.
Besonders schätzt er die familiäre Atmosphäre und ein Publikum, das er als kulturverbunden und aufgeschlossen beschreibt.
Ein Konzertabend zwischen zwei Naturschauspielen
Der Abend beginnt schon vor der eigentlichen Musik. Bereits ab 20:15 Uhr können Besuchende außerhalb des Klosterhofs den Beginn der partiellen Sonnenfinsternis beobachten, die mit dem Neumond zusammenfällt. Es empfiehlt sich, eine eigene Sonnenfinsternis-Brille mitzubringen. Diese werden von der Veranstaltung nicht bereitgestellt.
Anschließend bleibt genügend Zeit, um in den Innenhof zu wechseln, wo das Konzert um 21 Uhr startet. Mit Einbruch der Dunkelheit geht die Musik dann fließend in die Nacht der Perseiden-Sternschnuppen über. Das Ensemble setzt bewusst auf wenig Kunstlicht, um die Sicht auf die Sterne nicht zu stören.
Statt klassischer Konzertbestuhlung erwarten die Gäste liegestuhlartige Sitzgelegenheiten, damit der Blick zum Sternenhimmel frei bleibt. Eigene Decken oder Sitzkissen dürfen mitgebracht werden.
Das musikalische Programm zum Perseidenschauer
Insgesamt treten sechs Perkussionisten auf: Christian Benning, Felix Kolb, Marcel Morikawa, Godwin Schmid, Patrick Stapleton und Daan Wilms. Gemeinsam bespielen sie auf beeindruckende Weise nahezu 100 Instrumente.
Darunter befinden sich zwei Marimbas, drei Vibraphone, ein Xylophon sowie eigens gebaute Metallophone, sogenannte Sixxen, die ursprünglich für ein Werk von Iannis Xenakis entwickelt wurden, erklärt Benning. Jedes Ensemblemitglied bringt zudem Pauke, Toms, Bassdrum, Conga und Bongos mit.
Das Konzert gliedert sich in zwei Hälften von je etwa 45 Minuten, dazwischen liegt eine rund 20-minütige Umbaupause. In dieser Zeit gibt es auch die Möglichkeit, Getränke zu besorgen.
Die erste Hälfte besteht aus Werken von Steve Reich und dem arabisch-israelischen Komponisten Samir Odeh-Tamimi, dessen Stück die Gruppe vor knapp zwei Jahren bei der Biennale in Venedig uraufführen durfte.
In der zweiten Hälfte erklingt „Pléiades“ von Iannis Xenakis, ebenfalls ein zentrales Werk der modernen Schlagzeugliteratur und, wie schon der Titel zeigt, nach einer Sternkonstellation benannt, dem Siebengestirn.
Mehr zu den Stücken weiter unten im Artikel.
Alle Stücke verbindet ein astraler Bezug: Sie erzeugen laut Benning ein Gefühl von Schwerelosigkeit und lassen die Umlaufbahnen von Himmelskörpern förmlich hörbar werden.
Während des Konzerts darf sich das Publikum sogar frei im Klosterhof bewegen und so immer wieder neue akustische Perspektiven entdecken. Benning selbst führt durch den Abend und erklärt vor jedem Stück Hintergründe zu Komponisten und Instrumenten.
Die Idee hinter dem Perkussions-Open-Air
Die Idee zu diesem Abend entstand vor fast einem Jahr, wie Christian Benning im Gespräch erzählt. Der Multipercussionist verbindet dabei Naturphänomene, die zufällig auf denselben Abend fallen, mit Musik, die für ihn selbst die universelle Sprache ist.
Dazu passt außerdem ein Jubiläum: Komponist Steve Reich wird in diesem Jahr 90 Jahre alt. Benning zählt ihn zu den entscheidenden Komponisten des Jahrhunderts, weil Reich zahlreiche Kammermusikwerke fürs Schlagzeug geschrieben und damit das moderne Schlagzeugrepertoire geprägt hat. Seine Musik verbindet Benning zudem schon lange mit „sternumlaufbahnartigen Assoziationen“.
Bei der Suche nach einem geeigneten Ort standen zwei Kriterien im Vordergrund: möglichst wenig Lichtverschmutzung und gleichzeitig eine gute Akustik. Benning selbst bezeichnet den Ort im Gespräch als „den idealen Ort“, um das Konzept umzusetzen.
Benning hatte zuvor schon mehrfach in der Basilika des Klosters gespielt und einmal auch im Innenhof selbst. Genau diese Erfahrung blieb ihm in Erinnerung: Der geschlossene Innenhof sorgt trotz Open-Air-Bedingungen für einen guten Klang.
Die drei Werke im Detail
Mallet Quartet von Steve Reich (2009)
Der Minimal-Music-Pionier baut das Stück aus stetig wiederkehrenden Mustern auf, die sich nur langsam verändern und dabei live hörbar bleiben. In den Außensätzen scheinen die vier Instrumente umeinander zu kreisen, fast wie Planeten um ein Zentrum, während der Mittelsatz eine schwerelose Ruhe schafft. Komponiert wurde das Werk 2009 im Auftrag gleich vier renommierter Schlagzeugensembles. Einen persönlichen Bezug hat die Benning-Gruppe ebenfalls, denn 2018 probte sie das Stück gemeinsam mit Reich selbst im Rahmen eines Projekts mit dem Bayerischen Rundfunk.
Roaïkron von Samir Odeh-Tamimi
Der Werktitel setzt sich aus einem arabischen und einem griechischen Begriff zusammen und beschreibt eine Art kosmische Botschaft, die von den Ringen des Saturn ausgeht. Die unzähligen Partikel, die den Planeten umkreisen, übersetzt Odeh-Tamimi in ständig wechselnde rhythmische Muster und Klangfarben. Während des Stücks verlassen die Musiker ihre festen Plätze, bewegen sich mit Handtrommeln durchs Publikum und lassen den Klang wie einen wandernden Sternenschwarm durch den Klosterhof ziehen. Die Christian Benning Percussion Group brachte das Werk 2024 bei der Biennale Musica in Venedig zur Uraufführung.
Pléiades von Iannis Xenakis (1979)
Der Titel verweist auf das Sternbild der Plejaden, weshalb Xenakis das Stück bewusst für sechs Percussionisten schrieb, quasi als klangliches Gegenstück zu den sechs sichtbaren Sternen. Er nutzt dafür die komplette Klangpalette des Schlagzeugs, von klassischen Fellinstrumenten bis zu den eigens entwickelten Sixxen. Aus unzähligen rhythmischen Schichten entstehen dichte Klangwolken, die an Sternenstaub oder kosmische Energie erinnern. Trotz seiner mathematischen Konstruktion wirkt das Stück nie kühl, sondern verlangt den Musikern höchste Kraft und Präzision ab.












Symbolbild © Pixabay
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