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Bäckereien

Personalmangel im Backhandwerk: Nur neun Azubis in der Region Bayreuth

Ein frisches Brot vom Bäcker ist ein echter Genuss. Doch wie so oft im Handwerk fehlen die Mitarbeiter. Als Folge kommt es sogar zu Schließungen von Traditionsbäckereien. Doch es gibt auch Ideen für die Zukunft.

Ein frisches, duftendes und vielleicht sogar noch warmes Brot vom Bäcker ist ein echter Genuss. Doch in den kommt man meist nur, wenn man das Glück hat, einen Bäcker, der sein Handwerk versteht, in der Nähe zu haben. Und wie bei so vielen Handwerksberufen fehlen auch bei den Bäckern in der Stadt und im Landkreis Bayreuth die Mitarbeiter.

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Das bt hat mit der Handwerkskammer für Oberfranken über den aktuellen Personalmangel im Backhandwerk, die Folgen und was sich in Zukunft ändern muss, gesprochen.

Personalmangel im Handwerk trifft auch die Bäcker in der Stadt und im Landkreis Bayreuth

Auch wenn die Frage, ob im Backhandwerk die Mitarbeiter fehlen, in Anbetracht des seit Jahren immer wieder beschriebenen Mangels an Auszubildenden im Handwerk überflüssig erscheint, so stellte sie die Redaktion dennoch an Reinhard Bauer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken. Immerhin, es hätte ja bei den Bäckern im Landkreis einen abweichenden Trend geben können.

Die Antwort lautet aber „ja, auch im Bäckerhandwerk fehlen Mitarbeiter, wie inzwischen in fast allen Bereichen unserer Wirtschaft“, so Bauer, der seine Antworten eng mit Obermeister Michael Rindfleisch vom Landes-Innungsverband für das bayerische Bäckerhandwerk, Bayreuth Stadt und Land abgestimmt hat.

„Wir spüren eine wesentlich stärkere Konkurrenz um Auszubildende auf dem Arbeitsmarkt“, erklärt Bauer. Gründe für den Mangel an qualifiziertem Personal und der erhöhten Konkurrenz gibt es mehrere. Zum einen den demografischen Wandel und damit Wegfall der älteren Mitarbeiter, aber auch der weiterhin bestehende Trend bei den Schülern zum Abitur und Studium. Lesen Sie auch: Eine Bayreuther Traditionsbäckerei schloss zum Ende des Jahres 2021




Ein weiterer Faktor aus den vergangenen Jahren ist die Corona-Pandemie. „Wir spüren die Auswirkungen der Corona-Pandemie, unsere Bäckereien konnten gut drei Jahre lang keine Betriebspraktika anbieten, die für uns besonders wichtig sind, weil die jungen Menschen sich hier selbst ausprobieren können“, beschreibt Bauer die Lage. Auch eine Vorstellung des Berufsbildes an den Schulen war nicht möglich.

43 eingetragene Bäckereien und 9 Auszubildende für die Stadt und den Landkreis Bayreuth

Auf die Frage, wie viele Bäckermeister es in der Region noch gibt, sagt Bauer: „Bei der Handwerkskammer für Oberfranken sind oberfrankenweit aktuell 275 handwerkliche Bäckereien eingetragen, in Stadt und Landkreis Bayreuth sind es 43 Bäckereien.“

Und ja, in den Betrieben könnten und müssten wesentlich mehr Azubis ausgebildet werden, um den Personalbedarf im Bäckerhandwerk auch in Zukunft abzudecken. Aktuell sind bei der Handwerkskammer gerade mal neun Auszubildende für den Beruf Bäcker in Bayreuth und dem Landkreis gemeldet – oberfrankenweit sind es 106. Lesen Sie auch: Der Brunner Bäcker in Bayreuth musste eine Filiale über Wochen schließen.

Zu den Konsequenzen des Personalmangels gehören auch Schließungen

Die fehlenden Mitarbeiter bei den Bäckern ziehen unterschiedliche Konsequenzen nach sich. Einige Bäcker verkürzen ihre Öffnungszeiten, andere verringern ihr Sortiment. Auch eine Filiale der Bäckerei Schaller in Bayreuth hatte mehrere Wochen geschlossen.

„Hat man zu wenig Mitarbeiter, geht dies in aller Regel zulasten der Handwerkerfamilie, die die notwendige Mehrarbeit ausgleichen muss“, betont Bauer. In einigen Fällen kamen Bäcker auch nicht um Schließung und Geschäftsaufgabe herum.

Den Beruf und die Berufung Bäcker zukunftsträchtig gestalten

Wie nun kann das Backhandwerk für potenzielle Azubis und Mitarbeiter wieder attraktiv gemacht werden und wie geht es in der Zukunft weiter? Bauer: „Die Bäckereien werden sich klar in Richtung Qualität und Spezialitäten weiterentwickeln, Stichwort Genussregion Oberfranken.“ Hierbei sieht er verschiedene Möglichkeiten, wie beispielsweise die Kombination aus Bäckerei und Café oder Bäckerei und Konditorei und die Ausweitung des Spezialitätenangebots. Teilweise geschehe dies bereits.

Zu den „Zukunftsaufgaben des Bäckerhandwerks“ zählt Bauer auch die Entwicklung neuer Produkte im Bereich der Snacks, Cateringangebote und bei allem, was sich der Kunde zum Thema Backwaren wünschen könnte. Und die Rückbesinnung auf alte Rezepturen und Herstellungsweisen ist wichtig: „Mit dem klaren Ziel, uns mit unserer Philosophie und unserem Sortiment klar von Backshops in Tankstellen, in Supermärkten und Discountern abzuheben.“

„Bäcker sein ist eine Berufung“, stellt Bauer klar. Und genau das müsse man auch nach außen vermitteln. Denn hinter der Berufung steckt eine Leidenschaft, die man bei jungen Menschen durchs Mitmachen und Entdecken wecken und weitergeben kann. Wenn junge Menschen merken, wie „anspruchsvoll, schön und erfüllend es ist, hochwertige Backwaren herzustellen“, dann sind die Bäcker bei der Nachwuchsarbeit meist erfolgreich und gewinnen neue Mitarbeiter.