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„Pflege ist weit mehr als Unterstützung im Alltag“: Ein Interview mit Roman Saam
Zum internationalen Tag der Pflege spricht Roman Saam vom BKH Bayreuth über Fachkräftemangel, Digitalisierung und warum Pflege weit mehr ist als Alltagshilfe.
Heute am 12. Mai ist der Internationale Tag der Pflege. Das Datum erinnert an Florence Nightingale, die am 12. Mai 1820 geboren wurde und als Begründerin der modernen Krankenpflege gilt. Roman Saam, Pflegedienstleiter am Bezirkskrankenhaus Bayreuth, spricht im Interview darüber, wo die Pflege heute steht und was sich dringend ändern muss.
Tag der Pflege: „Pflege ist eine komplexe Gesundheitsprofession“
Was wünschen Sie sich, sollen Außenstehende besser über Pflege verstehen?
„Ich würde mir wünschen, dass in der Gesellschaft erkannt wird, wie anspruchsvoll und verantwortungsvoll Pflege ist – sowohl körperlich als auch emotional. Die Aussage ,Pflege kann jeder‘ greift deutlich zu kurz, denn professionelle Pflege erfordert fundiertes Fachwissen, Erfahrung und ein hohes Maß an Empathie. Pflege ist weit mehr als Unterstützung im Alltag, sie ist eine komplexe und unverzichtbare Gesundheitsprofession. Bessere Arbeitsbedingungen und echte Wertschätzung für Pflegekräfte wären daher dringend notwendig.“
Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen?
„Die größten Herausforderungen liegen derzeit im ausgeprägten Fachkräftemangel, der die Versorgung vielerorts an ihre Grenzen bringt. Dadurch steigt die Arbeitsbelastung erheblich, was zu Stress, Erschöpfung und Berufsabwanderung führt. Gleichzeitig verschärft der demografische Wandel die Situation zusätzlich, da immer mehr pflegebedürftige Menschen einer vergleichsweise kleineren Zahl an Fachkräften gegenüberstehen. Ohne strukturelle Reformen wird sich diese Entwicklung weiter zuspitzen.“
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Wie verändert sich Pflege gerade?
„Pflege verändert sich zunehmend durch neue Versorgungsformen, insbesondere im Bereich der sektorenübergreifenden und ambulanten Behandlung, so dass Patienten häufiger in ihrer gewohnten Umgebung versorgt werden können. Gleichzeitig schreitet die Professionalisierung weiter voran, etwa durch höhere Qualifikationsanforderungen, Spezialisierungen und erweiterte Kompetenzen. Insgesamt wird Pflege dadurch komplexer, aber auch stärker an individuellen Bedürfnissen ausgerichtet.“
Wie wirken gesellschaftliche Entwicklungen auf die psychiatrische Versorgung?
„Die psychiatrische Versorgung steht unter zunehmendem Druck, weil die psychische Belastung in der Bevölkerung steigt. Prävention und frühzeitige Intervention rücken deshalb stärker in den Fokus. Ambulante und gemeindenahe Angebote werden ausgebaut, digitale Formate wie Online-Therapien und Videosprechstunden gewinnen an Bedeutung. Insgesamt wird die Versorgung psychisch kranker Menschen dadurch vielfältiger, vernetzter und flexibler.“
Welche Rolle spielt interdisziplinäre Zusammenarbeit?
„Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist elementar, da Pflegekräfte die Schnittstelle zwischen Patienten und den verschiedenen Berufsgruppen bilden. Der enge Austausch mit Ärzten, Therapeuten und dem Sozialdienst ermöglicht eine abgestimmte, ganzheitliche Versorgung. So lassen sich medizinische, pflegerische und soziale Aspekte besser berücksichtigen. Eine gute Zusammenarbeit trägt außerdem wesentlich zur Versorgungsqualität und zu effizienteren Abläufen bei.“
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Was muss sich politisch ändern?
„Politisch braucht es vor allem klare Rahmenbedingungen für einen sinnvollen Qualifikationsmix, damit unterschiedliche Ausbildungsniveaus gezielt eingesetzt werden können. Zudem müssen Rollen und Kompetenzen akademisch qualifizierter Pflegefachpersonen stärker definiert und angemessen vergütet werden. Nur so lassen sich neue Berufsbilder sinnvoll integrieren und die Versorgung langfristig sichern. Ohne diese strukturellen Anpassungen wird die Zukunftsfähigkeit der Pflege erheblich eingeschränkt.“
Welche Rolle spielen Digitalisierung und neue Kompetenzen?
„Eine zunehmend wichtigere. Elektronische Dokumentation, vernetzte Systeme und technische Assistenzlösungen erleichtern viele Prozesse. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an Pflegefachpersonen deutlich. Die generalistische Ausbildung stärkt daher ein breites Kompetenzprofil, das fachliche, kommunikative, organisatorische und digitale Fähigkeiten umfasst. Insgesamt führt das zu einer moderneren Ausbildung, die besser auf die komplexen Anforderungen der Praxis vorbereitet.“
Was sagen Sie jungen Menschen, die überlegen, in die Pflege zu gehen?
„Pflege ist sinnstiftend. Die eigene Arbeit zeigt unmittelbare Wirkung. Gleichzeitig handelt es sich um ein zukunftssicheres Berufsfeld mit dauerhaft hoher Nachfrage. Auch wenn technische Unterstützung zunimmt, bleibt die menschliche Beziehung, Empathie und individuelle Begleitung unverzichtbar. Kurz gesagt bedeutet Pflege: viel Herz, wenig Schlaf, aber jede Menge Geschichten fürs Leben.“












Alkomat. Symbolbild Quelle: Pixabay
Symbolbild mit KI erstellt.