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Nachrichten aus Bayreuth

Ist ein Neubau des Bayreuther Klinikums an der Hohen Warte sinnvoll?

Wie geht es mit dem Bayreuther Klinikum weiter? Wird es saniert? Kommt es doch zum Neubau? Wäre die Hohe Warte ein möglicher Standort?

Die Bayreuther CSU möchte, dass das Bayreuther Klinikum an einem neuen Standort neu gebaut wird. Ein möglicher Platz für den Neubau an anderer Stelle könnte die Hohe Warte sein. Für diese Idee gibt es von Teilen des Bayreuther Stadtrats Kritik. Das bt hat bei allen Fraktionen nachgefragt.

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Klinikum Bayreuth: Neubau oder Sanierung? Das sagt die CSU

Für die CSU steht beim Thema Klinikum die Sicherung der bestmöglichen dauerhaften Patientenbetreuung für Bayreuth Stadt und Land im Fokus, erklärt der Fraktionsvorsitzende Stefan Specht. Außerdem sei es wichtig, dass das Klinikum langfristig in kommunaler Hand gehalten werden könne.

Um das Klinikum dafür für die nächsten Jahrzehnte optimal aufstellen zu können, sei nach Auffassung der CSU ein einhäusiger Betrieb des Klinikums Bayreuth sinnvoll: aus medizinischen, hygienischen und ökonomischen Gründen, fügt Specht hinzu. So könnten bauliche und organisatorische Strukturprobleme, wie weite Wege und unpraktische Betriebsabläufe, behoben werden.

Klinik-Neubau an der Hohen Warte soll auch teure Doppelstrukturen vermeiden

Auch die bestehenden Hygieneprobleme wären bei einem Neubau an einem neuen Standort behoben. Zusätzlich würde ein Neubau bei der Hohen Warte teure Doppelstrukturen vermeiden. Alleine die Kosten für den Betrieb von zwei Kliniken würden jährlich bis zu 10 Millionen Euro betragen, so Specht. Aus diesen Gründen würde die CSU gerne ergebnisoffen die Möglichkeit einer Zusammenführung der beiden Häuser am Standort „Hohe Warte“ diskutieren. Dabei müsse natürlich geprüft werden, inwiefern die bewilligten Fördergelder auch hier greifen würden, erklärt der CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayreuther Stadtrat.

„Der Standort „Hohe Warte“ hätte dabei aus unserer Sicht mehrere Vorteile: Es wäre kein Grunderwerb erforderlich, da sich alle erforderlichen Grundstücke bereits in öffentlichem Eigentum befinden. Bauplanungsrechtlich wäre kein zeitraubendes Bebauungsplanverfahren erforderlich, weil das gesamte Areal bereits als „Sondergebiet Klinikum“ gewidmet ist. Und schließlich ist die Klinik Hohe Warte ist im Gegensatz zum Klinikum am Roten Hügel baulich, technisch und strukturell auf neuestem Stand, sodass alle Investitionen der letzten Jahre uneingeschränkt weiter genutzt werden können.“

(Stefan Specht, CSU)

Antrag der CSU: Alle Baumaßnahmen des Klinikums am Roten Hügel stoppen

Aus diesen Gründen habe die CSU-Stadtratsfraktion zusammen mit der CSU-Kreistagsfraktion die Erstellung einer Machbarkeitsstudie über die Zusammenführung der beiden Häuser am Standort Hohe Warte beantragt. Dabei plädieren die Christsozialen dafür, bis dahin alle investiven Maßnahmen am Standort Roter Hügel bis auf Weiteres ruhend zu stellen: mit Ausnahme notwendiger Investitionen für den Medizincampus Bayreuth oder für im laufenden Betrieb unabwendbar notwendige Maßnahmen.

Bayreuther Klinikum: Neubau oder Sanierung? Die SPD ist gesprächsbereit

Seriös könne aktuell niemand die Frage „Neubau oder Sanierung?“ beantworten, sagt der Fraktionsvorsitzende der SPD im Bayreuther Stadtrat, Thomas Bauske. Es liege nun am Oberbürgermeister, die entsprechenden Antworten zu liefern, sodass sich die SPD-Fraktion anschließend eine Meinung bilden könne.

„Wir sehen dem Ganzen ergebnisoffen entgegen und können uns durchaus einen Neubau an der Hohen Warte vorstellen, da eine Einhäusigkeit prinzipiell viele Vorteile bietet.“

(Thomsas Bauske, SPD)

Die Grünen: „Eine Sanierung des bestehenden Bayreuther Klinikums steht nicht zur Debatte“

Stadtrat Stefan Schlags (Die Grünen) hat eine klare Meinung zum Thema. „Eine Sanierung des bisherigen Gebäudes kommt überhaupt nicht infrage“, erklärt Schlags. Die Frage „Sanierung oder Neubau?“ sei falsch gestellt. Denn der bisherige Plan sehe keine Sanierung des Klinikums vor, sondern einen Neubau am jetzigen Standort „Roter Hügel“. Und für Schlags sei dies die einzige Möglichkeit.

„Jede Überlegung über eine Alternative ist für uns völlig überflüssig und unnötig. Wir haben den Neubau des Klinikums am jetzigen Standort lange geplant, Fördermittel bewilligt bekommen und mit den Arbeiten begonnen. An einem neuen Standort würden wir Jahrzehnte brauchen und viele Mittel verschenken, bis wir da sind, wo wir jetzt sind.“

(Stefan Schlags, die Grünen)

Für Schlags zeige die Initiative der CSU, dass die Partei in der Vergangenheit behaftet sei. Die bereits bestehende Fläche, auf dem das Klinikum steht, sei ideal für ein Krankenhaus. Man könne also genau hier ein neues Klinikum bauen, ohne eine neue Fläche bebauen zu müssen. Naturflächen seien wichtig, insbesondere wegen drohender Klimakatastrophen, erklärt Schlags. Die Überlegungen der CSU würden zeigen, dass die Partei eine Klimawende nicht auf dem Schirm habe. „Herr Ebersberger ist ein Feierabendökologe, der nicht begriffen hat, worum es in dieser Krise geht“, fügt Schlags hinzu.

„Erhebliche Wirtschaftliche Schäden für das Klinikum“? Das sagt die Bayreuther Gemeinschaft

Auch die Bayreuther Gemeinschaft ist gegen einen Neubau an einem anderen Standort, erklärt der Fraktionsvorsitzende Stephan Müller (BG). Sämtliche gefällten Beschlüsse würden eine Sanierung, beziehungsweise neue Gebäude im Bestand beinhalten. All diese besagten Beschlüsse seien auch mit den Stimmen der CSU gefällt worden. Zudem sei bereits alles mit der Staatsregierung und dem Gesundheitsministerium abgesprochen und vereinbart.

„Was die CSU hier macht, ist völlig verantwortungslos, führt zur Verunsicherung, zu Vezögerungen und zu einem erheblichen Vertrauensverlust. Auch die CSU weiß, dass ein Neubau an einem anderen Standort einen Vorlauf von mindestens zehn Jahren benötigt. Verbunden mit dem im CSU-Antrag geforderten Investitions-Stopp am jetzigen Standort würde dies zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden für das Klinikum führen.“
(Stephan Müller, Bayreuther Gemeinschaft)

Bei ihrem Vorschlag berücksichtige die CSU nicht, dass bei einem neuen Standort auch eine Infrastruktur geschaffen werden müsse, wie eine neue Verkehrsanbindung und Parkplätze. Zudem müsse auf das dortige Wohngebiet Rücksicht genommen werden, sagt Müller weiter. Die CSU entwickele in Sachen Klinikum“ eine erstaunliche destruktive Kraft und riskiert, dass bereits ausgegebenen Millionen verloren sind und sucht ein finanzielles Abenteuer in einem Neubau an der Hohen Warte“, so Müller.

FDP/DU/FL: „Ein modernes Klinikum aus einem Guss kann nicht durch Sanierung entstehen“

Die schwierige bauliche Situation des Bayreuther Klinikums seien seit längerem bekannt, erklärt Thomas Hacker, der Fraktionsvorsitzende von FDP/DU/FL im Bayreuther Stadtrat. Diese Probleme seien: lange Wege, immer wieder auftretende Keimbelastung und Probleme im Abwasserbereich.

Eine Sanierung, bzw. ein Teilabriss mit Neubau, würde viele dieser Probleme nicht lösen, sagt Hacker. Deswegen unterstützt der Fraktionsvorsitzende die Überlegungen, das Klinikum an einem anderen Standort neu zu bauen. Ein modernes Klinikum aus einem Guss, das in Zukunft auch die Funktion eines Universitätsklinikums übernehmen kann, könne durch die Sanierung im Bestand nicht entstehen.

„Der Standtort an der Hohen Warte birgt schon auf den ersten Blick viele Vorteile: Die Zusammenlegung der beiden Bayreuther Klinikum Standorte an einem einzigen, verkehrlich bereits erschlossenem Krankenhausstandort, Grundstücke, die im kommunalen oder im Staatsbesitz sind und die bereits erfolgte Sanierung der Hohen Warte. Trotzdem muss die Möglichkeit der Standortverlagerung intensiv geprüft werden, vor allem hinsichtlich der Finanzierbarkeit. Auch wenn die neue Diskussion eine Verlängerung der Bauzeit bedeutet, sollte uns die optimale Krankenhausversorgung der Bayreuther Bürgerinnen und Bürger die neue Runde des Nachdenkens wert sein.“

(Thomas Hacker, FDP)

Junges Bayreuth sieht den Oberbürgermeister in der Pflicht

Die Fraktion Junges Bayreuth steht der Debatte um das Klinikum grundsätzlich offen gegenüber, erklärt der Fraktionsvorsitzende Christopher Süss. Um eine Entscheidung treffen zu können, müssten aber die notwendigen Informationen vorliegen und dies sei gegenwärtig nicht der Fall, fügt Süss an. Nun sehe seine Fraktion den Oberbürgermeister in der Pflicht, die jeweiligen Alternativen entscheidungsreif zu begründen.

Insbesondere für den Standort „Hohe Warte“ brauche es genauere Informationen und Fakten. Für die JB-Fraktion sei im Entscheidungsprozess auch wichtig, die Mitarbeiter des Klinikums und der Hohen Warte mit in die Entscheidung einzubinden, damit deren Erfahrung und Expertise genutzt werden könne.
„Insbesondere für die Patientenversorgung halten wir eine Einhäusigkeit für sinnvoll, da die gesamte Akutversorgung der Patienten unter einem Dach stattfinden sollte. Auch die notwendigen Patientenverlegungen zwischen den derzeitigen beiden Standorten führen zu Zeitverzögerungen mit möglichen Patientengefährdungen und erheblichen und nicht erstattbaren Kosten für die Klinkum Bayreuth GmbH. Eine Einhäusigkeit am Standort Hohe Warte hätte den Vorteil, dass die bereits sanierte Hohe Warte in den Neubau mit einbezogen werden könnte.“
(Christopher Süss, Junges Bayreuth)

Bayreuther Tagblatt - Frederik Eichstädt

 bt-Redakteur Online/Multimedia
Frederik Eichstädt