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Gericht

Prozess in Bayreuth: Oberfranke gesteht zwei Vergewaltigungen

Das Bayreuther Landgericht hat einen Oberfranken verurteilt, der seine frühere Freundin zweifach vergewaltigt hat. Als sie die Beziehung beendet hatte, belästigte er sie weiter.

Der Oberfranke hat am 7. November 2022 vor dem Landgericht Bayreuth gestanden: Er hat seine frühere Freundin vergewaltigt, sie gegen ihren Willen immer wieder besucht und ihr beleidigende Nachrichten geschrieben.

Der Angeklagte zeigte sich reumütig. Das Urteil: Zwei Jahre Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung.

Prozess in Bayreuth

Der 40-jährige Marco W. war 2019 mit dem Opfer in einer Beziehung. Nachdem sie die Beziehung beendet hatte, wandte sich die Frau an die Polizei, berichtete von zwei Vergewaltigungen. In einem Fall drang er in sie ein, während sie schlief. Laut Anklage war dem Oberfranken bekannt, dass seine damalige Freundin Tabletten zum Schlafen einnahm und deswegen einen tiefen Schlaf hatte. Lesen Sie auch: Das Landgericht beschäftigte sich schon im Oktober mit einem Fall, bei dem ein Mann in Bayreuth seine Freundin vergewaltigt haben soll.

Die zweite Tat geschah, als seine damalige Freundin nach dem Duschen nackt ins Schlafzimmer kam. Marco W. berührte sie im Intimbereich, wollte Sex mit ihr. Sie erklärte sich zwar bereit, machte ihm aber klar, dass sie auf keinen Fall Analsex wolle. Schon zuvor hatte sie ihm das mehrfach gesagt. Dennoch zwang er sie zum Analverkehr. „Die Verletzte spürte einen starken Schmerz und ließ sich auf das Bett fallen. Sie erlitt auch Blutungen im After“, heißt es in der Anklage.




Opfer musste ins Bayreuther Krankenhaus

Auch als die Frau die Beziehung beendete, war noch nicht Schluss. Der Angeklagte kam immer wieder zu ihrer Wohnung, klingelte, klopfte, hinterließ Karten und Geschenke. Er kontaktierte sie über SMS, Facebook, WhatsApp, Sprachnachrichten und per Telefon, bis zu acht Mal am Tag. Dabei beleidigte er sie unter anderem als „billige Schlampe“.

Das Opfer litt laut Staatsanwaltschaft enorm unter der ständigen Nachstellung. Sie habe unter Angstzuständen gelitten, Medikamente nehmen müssen, war zeitweise zur psychiatrischen Behandlung stationär im Bezirkskrankenhaus Bayreuth untergebracht.

Reue vor Gericht

Marco W. gestand am Landgericht Bayreuth die beiden Vergewaltigungen und die Nachstellung. „Ich kann nur sagen: Ich bedauere mein Verhalten aufs Tiefste“, so der Angeklagte. Er kam den Forderungen nach, die das Opfer gestellt hatte. Dazu zählten: 3500 Euro Schmerzensgeld. Ein handschriftlicher Entschuldigungsbrief. Und eine Erklärung, sie nie wieder zu kontaktieren.

Die Frau akzeptiere diese Entschuldigung, teilte ihr Anwalt Karsten Schieseck mit. Und fügte hinzu: „Ganz wichtig ist ihr, dass in Zukunft jeglicher Kontakt unterlassen wird.“ Ihm zufolge habe die Geschädigte ihr „Leben wieder im Griff“. Sie habe sich aber nicht in der Lage gesehen, in Anwesenheit des Angeklagten vor Gericht auszusagen.

Letztlich war ihre Aussage vor Gericht nicht nötig, da der Angeklagte alles gestand. Sein Geständnis, seine Reue und seine Bereitschaft, auf die Forderungen des Opfers einzugehen, ließen das Urteil milder ausfallen, als es bei Vergewaltigungen normalerweise der Fall ist.

Zwei Jahre, ausgesetzt zur Bewährung

„Das Geständnis wiegt sehr viel“, sagte Richter Bernhard Heim. Sein Urteil: Zwei Jahre Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu drei Jahren Bewährung. Zusätzlich muss der Angeklagte 200 Arbeitsstunden bei der Bayreuther „Fähre“ leisten, einem Verein zur Förderung der Bewährungshilfe. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens bezahlen – und jeglichen Kontakt zum Opfer unterlassen.

Richter Heim kündigte dem Angeklagten an, dass die Staatsanwaltschaft durchgreifen werde, sollte Marco W. das Kontaktverbot brechen. Dann könne aus der Bewährung schnell Gefängnis werden. „Aber wir hoffen, dass wir das nicht machen müssen“, so der Richter.